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Hamburg

15.04.2016

Nobelbezirk Blankenese: Bewohner wehren sich gegen Asylunterkunft

Bäume oder Platz für Flüchtlinge: Was ist wichtiger? Demonstranten in Blankenese greifen symbolisch zur Säge.
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Bäume oder Platz für Flüchtlinge: Was ist wichtiger? Demonstranten in Blankenese greifen symbolisch zur Säge.
Bild: Axel Heimken, dpa

Blankenese, das ist für viele Porsche, Pelzmantel, ein bisschen Luxus eben. Nun soll im Villenviertel Hamburgs eine Flüchtlingsunterkunft gebaut werden. Die Anwohner laufen Sturm.

Hat die Stadt Hamburg Umweltbestimmungen missachtet?

Also, hat die Stadt Umweltbestimmungen missachtet? „Die Maßnahmen waren alle beantragt und genehmigt. Es gab für die Baumfällungen eine Erlaubnis, innerhalb einer bestimmten Frist zu fällen. Das war nicht ad hoc“, sagt Kuhrt. Mitte 2015, noch vor dem großen Flüchtlingsstrom, habe es mehrere Informationsgespräche gegeben, bei denen alle Nachbarn über die Pläne informiert wurden.

Warum aber machen die Menschen in Blankenese dann Front gegen Flüchtlinge? Kuhrt sagt: „Die Menschen mögen keine Flüchtlingsunterkünfte. Egal in welchem Stadtteil.“ Ging es hier nicht eigentlich um den Schutz von Bäumen, wie mancher Anwohner gern betont? Oder war der Umweltprotest gar nur vorgeschoben?

Christiane Kuhrt möchte nicht in der Zeitung lesen, ob sie das glaubt. Aber sie sagt, dass es da sicherlich beide Seiten gebe. Diejenigen, die die Diskussion über den Schutz der Bäume als Mittel nehmen, um ein neues Flüchtlingsheim zu verhindern, und diejenigen, die sich tatsächlich übergangen fühlen.

Fakt ist: Jetzt geht erst einmal nichts mehr. Das Verwaltungsgericht Hamburg hat die Baumfällarbeiten erst einmal gestoppt und alle Vorarbeiten für den Bau der Unterkunft untersagt. Geklagt hatte ein Anwohner, aus dessen Sicht die Baugenehmigung für das Flüchtlingsheim mit europäischem Umweltrecht kollidiert. „Die Stadt hat bei der nötigen Umweltverträglichkeits-Prüfung geschlampt“, urteilten die Richter. Die Stadt hat dagegen Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht eingelegt, der Streit geht nun in die nächste Runde.

René Richter versteht die ganze Aufregung nicht. Er sagt: „192 Flüchtlinge in unserer Straße anzusiedeln ist überschaubar und zu bewältigen.“ Der 47-Jährige wohnt in Sichtweite der geplanten Unterkunft. Und er hat ein Zeichen gesetzt. An seinem Balkon hängt seit vergangener Woche ein bunter Banner mit der Aufschrift „Flüchtlinge willkommen“. Hier, fernab vom Trubel der Innenstadt, hätten die Flüchtlinge es gut, könnten zur Ruhe kommen. Das Einzige, was dafür fehlt, sind Spielplätze, sagt er.

Hausbesitzer sorgen sich um den Wert ihrer Immobilien

Christiane Kuhrt sieht dagegen Nachholbedarf, wenn es um so etwas wie Gerechtigkeit geht. Weil es in den Augen der städtischen Mitarbeiterin nur gerecht ist, dass auch Blankenese Flüchtlinge aufnimmt. „Ich wünsche mir entsprechende Solidarität“, sagt Kuhrt. Im Stadtteil Billstedt etwa, im Osten Hamburgs, wohnen 70.000 Menschen – und 6000 Flüchtlinge. Hier, im Villenviertel, gibt es bislang keinen einzigen Asylsuchenden.

Das finden auch in Blankenese nicht alle richtig. So wie Dieter Grewoldt, der hier am Björnsonweg mit seinem Hund spazieren geht. Grewoldt ist hier aufgewachsen, er kennt die Menschen hier. Also: Warum wehren sich so viele gegen ein kleines Flüchtlingsheim? Die Hausbesitzer in der Straße sorgten sich vor allem um den Wert ihrer Immobilien, sagt der 61-Jährige. „Das ist der wahre Grund für den Protest, nicht die Natur.“ Doch gerade weil die geplanten Pavillons hier im Grünen liegen, könne Blankenese zum idealen Ort für Integration werden, ist Grewoldt überzeugt. Er sagt: „Ich verstehe die Welt nicht mehr.“

Das mag auch daran liegen, dass die Welt in Blankenese so aussieht wie auf dem Plakat, das 500 Meter Luftlinie von der geplanten Flüchtlingsunterkunft entfernt hängt. Hier wirbt der Immobilien-Anbieter „Engel & Völkers“ mit „neugebauten Eigentumswohnungen, spektakulärem Elbblick und großzügigen Grundrissen“. Kein Problem in einem Stadtteil, in dem das Durchschnittsgehalt bei 110.000 Euro liegt und der Quadratmeterpreis für Eigentumswohnungen bei 3605 Euro.

Daneben, wenn es nach der Stadt geht, also Flüchtlings-Pavillons. Noch ist dort Wald. Viel Wald. Stille. Ein paar Spaziergänger, hier und da bellt ein Hund. Die Proteste ruhen nun bis zur Gerichtsentscheidung. „Doch wer weiß wie lange“, sagt Grewoldt. „Ich wünschte, es bleibt so friedlich, hier am Ende von Blankenese.“

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