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Deutsche Bahn

08.01.2019

Pendlerin aus München hält Verspätungen mit gestricktem Schal fest

Sara Weber twitterte über den Verspätungsschal ihrer Mutter: Ein Jahr hielt die Pendlerin fest, wie oft die Bahn zu spät kam.
Bild: Sara Weber, twitter.com/sara__weber

Mit einem gestrickten Schal zeigt Pendlerin Claudia Weber, wie oft die Bahn 2018 zu spät kam. Tochter Sara twitterte darüber, nun wird der Schal versteigert.

Claudia Weber zählt zu den vielen Pendlern aus dem Münchner Umland. Und wie so viele andere sitzt sie oft am Bahngleis und wartet auf ihren verspäteten Zug. Doch anstatt sich zu ärgern, strickt Weber - und zwar einen ganz besonderen Schal. "Pro Tag zwei Reihen: Grau bei unter 5 Minuten, rosa bei 5 bis 30 Minuten Verspätung, rot bei Verspätung auf beiden Fahrten oder einmal über 30 Minuten", erklärt Tochter Sara. Die Journalistin postete das Werk ihrer Mutter auf Twitter und erhielt innerhalb kurzer Zeit tausende Likes und begeisterte Kommentare.

Was viele Pendler nicht wundern wird: Der Schal enthält viele rote Streifen. Doch ein durchgängiger roter Block fällt besonders ins Auge. "Im Frühjahr war noch alles ok. Viel grau und rosa. Dann war eine Weile alles rot: Schienenersatzverkehr, die ganzen Sommerferien lang. Da hat sie pro Fahrt nicht mehr 40 Minuten gebraucht, sondern knapp zwei Stunden. Jeden Tag. Sechseinhalb Wochen lang", erklärt Tochter Sara.

Rot bedeutet: Verspätung

Gegen Ende des Jahres hoffte die Pendlerin, dass sich die Situation verbessert. "Aber: Wieder viel rot", schreibt Tochter Sara. Die Gründe: Türstörungen, Weichenstörungen, verspätete Züge aus "Zugfolge". Insgesamt habe ihre Mutter sechs Knäuel Wolle verbraucht. "Nur die Hälfte davon war grau. Ihr MVV-Ticket kostet im Jahresabo mehr als 175 Euro pro Monat", kritisiert Sara Weber die Bahn.

Ihre Mutter habe sich sehr über die vielen Reaktionen gefreut, schreibt die Journalistin am Montag. Und gibt gleichzeitg bekannt: Der Schal wird nun für einen guten Zweck bei Ebay versteigert. „Ganz oft tauchte die Frage auf, was jetzt mit dem Schal passiert, Leute haben gefragt, ob sie ihn kaufen oder irgendwo bestellen können. Aber wir wollen damit etwas Gutes tun. Und deshalb hat sich meine Mutter entschieden, den Schal zu versteigern und den Erlös der Bahnhofsmission zu spenden“, erklärt Sara Weber, die die Auktion für ihre Mutter erstellt hat.

Schal statt Strichliste: Pendlerin hält Verspätungen auf kreative Weise fest

Wie kam es überhaupt zu der Idee? "Ich hatte nach über 25 Jahren Pendeln den Eindruck, dass ich ständig zu spät komme. Man kann es nach gewisser Zeit einfach nicht mehr beurteilen, ob das eine Einbildung ist oder ob das stimmt", sagte Claudia Weber in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Einfach eine Strichliste führen, wollte sie jedoch nicht. Als leidenschaftliche Strickerin kam ihr dann die Idee für den Schal.

Und von diesem kreativen Einfall sind die Twitter-Nutzer begeistert. "Großartige Idee. Ich nominiere #Bahnverspätungsschal jetzt schon zum #WortDesJahres 2019", schreibt ein Nutzer. Ein anderer Nutzer sieht den Schal schon jetzt als ein "Stück Twitter-Geschichte". Die übrigens auch ganz ohne Worte funktioniert, wie eine Userin findet: "I love that the giant block of red needs no translation." ("Ich liebe es, dass dieser riesige rote Block keine Übersetzung braucht".) Und ein weiterer Nutzer entdeckt neue Parallelen: "Ich finde es passend, dass die Farbe der Wolle den Unternehmensfarben der Bahn gleicht. Natürlich muss rot hervorstechen, denn dafür steht die deutsche Bahn ja." (jes)

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Die Diskussion ist geschlossen.

08.01.2019

Eigentlich müsste die Bahn den Verdruß-Schal kaufen, damit eine nicht involvierte Öffentlickeit eventuell doch irritiert wird! Jeder glaubt ja felsenfest, die DB fährt immer pünktlich, sicher und billig!

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