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Interview

16.01.2020

Rückzug von Harry und Meghan: "Ungeheures Maß an Selbstüberschätzung"

Adelsexperte Alexander von Schönburg kritisiert Meghan und Harry scharf.
Bild: Toby Melville/PA Wire, dpa

Adelsexperte Alexander von Schönburg kritisiert Meghan und Harry scharf. Dennoch sieht er in der Krise des britischen Königshauses eine Chance für die Monarchie.

Nach der Ankündigung von Harry und Meghan, nur noch als Teilzeit-Royals arbeiten zu wollen – haben Sie Verständnis für die beiden?

Alexander von Schönburg: Verständnis habe ich für allerlei. Das heißt aber nicht, dass ich es gutheiße...

Warum können Sie es denn nicht gutheißen?

Von Schönburg: Vielsagend war ja deren öffentliche Erklärung letzte Woche auf Instagram. Da verkündeten die beiden gleich im ersten Satz, dass sie eine neue progressive Lesart des royalen Selbstverständnisses aus dem Hut zaubern wollen. Da ist mir ehrlich gesagt zum ersten Mal innerlich die Hutschnur hochgegangen. Die Königin von England regiert länger als die meisten Menschen sich zurückerinnern können und hat über die Jahrzehnte ihren Beitrag geleistet – um einerseits den Zauber der Monarchie zu bewahren und andererseits notwendige Anpassungen an den Zeitgeist vorzunehmen. Wenn junge Leute Mitte 30 ihr dann implizit verlautbaren lassen, dass das ganze System antiquiert sei und dringend progressiven Input verlangt, für die sie mit 0,1 Prozent Lebenserfahrung angeblich stehen, dann spricht da ein ungeheures Maß an Selbstüberschätzung und Anmaßung heraus.

„Halb royal und privat ist halt wie halb schwanger. Das funktioniert nicht.“ Auf dem Ego-Trip? Meghan und Harry machen der Queen Kummer.
Bild: Stillwell, dpa

Aber wäre es nicht moderner, wenn Royals, die keine Aussicht auf den Thron haben, ihr eigenes Geld verdienen und sich nicht vom Steuerzahler bezahlen lassen würden?

Von Schönburg: Wissen Sie, was wirklich progressiv wäre? Wenn die beiden sagen würden, uns ist das hier alles zu abgehoben und verstaubt und die Repräsentationspflichten gehen uns auch auf die Nerven, lasst uns bitte auf alle royalen Privilegien verzichten und Privatleute werden. Dann müssten die beiden aber nicht nach Amerika ziehen, mit dem Ziel ihren königlichen Nimbus privat zu vermarkten. Sie müssten in ein Reihenhaus irgendwo in Nordengland ziehen, Harry müsste einer geregelten Arbeit nachgehen, Sohn Archie würden sie dann auf eine stinknormale öffentliche Schule schicken, sie müssten statt Chauffeure und Privatjets den öffentlichen Personennahverkehr nutzen. Das wäre progressiv. Was die beiden mit progressiv meinen, ist ja etwas ganz anderes: Sie wollen sämtliche äußeren Zeichen ihres royalen Status behalten, aber gleichzeitig all die Pflichten, die mit ihrem Titel einhergehen, all die langweiligen Krankenhausbesuche und all die schnöden Einweihungen von irgendwelchen Autobahnteilstücken loswerden und ihren Status vermarkten. Das funktioniert nicht.

Entweder also ganz oder gar nicht…

Von Schönburg: Halb royal und halb privat ist halt wie halb schwanger. Wenn, dann müssten sie ganz konsequent sein und sagen, wir werden jetzt stinknormale Leute. Aber das wollen sie ja nicht. Sie wollen sich von Elton John, Oprah Winfrey und all der halbseidenen Hollywood-Society mit Privatjets um den Globus fliegen lassen, auf glamouröse Partys gehen und als Moral-Botschafter zu Themen wie Umwelt und soziale Gerechtigkeit Gehör finden. Was Meghan im Sinn hat, ist die ultimative Ich-AG.

Fairerweise muss man aber doch feststellen, dass es für die beiden heutzutage gar nicht mehr möglich wäre, das royale Gewand abzustreifen. Egal ob ohne oder mit Titel, sie sind überall die Stars aus dem Buckingham-Palast.

Von Schönburg: Das stimmt nicht. Selbstverständlich gibt es so etwas wie eine Aussteiger-Option für Royals. Du kannst dich ganz bewusst aus dem öffentlichen Leben zurückziehen. Denken Sie an Edward, den jüngsten Bruder von Charles. Wann haben Sie zuletzt von Prinz Edward gehört? Oder von Prinzessin Anne? Die erfüllen ganz still und bescheiden ihre Pflichten, besuchen ihre Krankenhäuser und finden sich damit ab, dass die Welt sich nicht um sie dreht. Oder denken Sie an Zara Phillips, die Tochter von Prinzessin Anne. Die hat sich entschieden, eine Karriere im Reitsport zu machen. Sie hat auf Titel verzichtet, bekommt kein Geld vom Steuerzahler und führt ein sehr komfortables Leben abseits des öffentlichen Lichts. Aber Meghan und Harry wollen das Scheinwerferlicht. Sie fühlen sich ganz offenbar dazu berufen, uns alle mit ihren Einsichten in die Ungerechtigkeiten der Welt zu bereichern. Das steht ihnen meiner Auffassung nach nicht zu. Was hat Meghan denn in ihrem Leben geleistet, um jetzt belehren zu können?

Was die Schuldzuschreibung betrifft, die ist in England relativ eindeutig: Überall wird vom „Megxit“ gesprochen. Ist das nicht unfair?

Von Schönburg: Die Initiative geht wohl eindeutig von ihr aus. Sie kommt nun mal aus einem Milieu, diese Hollywood-High-Society, das eine ganz bestimmte Agenda hat. Und das sich auch durch besondere Selbstüberschätzung und Weltfremdheit auszeichnet und unfassbar selbstbezogen ist. Ein Beispiel: Da reisen die beiden nach Afrika in eine Gegend, in der Menschen schon froh sind, wenn sie Zugang zu frischem Wasser haben, und mitten im Slum gibt Meghan ein Fernsehinterview und lässt sich darüber aus, wie schwer sie es im Leben hat und dass sich niemand bei Hofe je nach ihrem Befinden erkundet. Das spricht Bände über die Ich-Ich-Ich-Mentalität, der sie und das ganze Selbstverwirklichungs-Milieu von Hollywood verhaftet ist.

Wie sehr schadet das der Monarchie?

Von Schönburg: Die englische Monarchie hat schon andere Krisen überstanden. Und jede Krise ist auch immer eine Chance: Natürlich gibt es da Reformbedarf, natürlich muss sich eine Monarchie immer wieder den Zeitläufen anpassen, und diese Krise wird sicher dazu beitragen. Ich bin mir nur nicht sicher, ob im Sinne von Meghan und Harry. Denn eine moderne Monarchie wird sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie verschlankt ist. Wie zum Beispiel beim spanischen Modell, wo das Königshaus aus dem König, seiner Frau und dem ältesten Kind besteht – Schluss. Da hat auch niemand drum herum irgendwelche öffentlichen Aufgaben, die ganzen Privilegien, die pompösen Titel. Wie ich gehört habe, liegen bei Charles schon längst Pläne in der Schublade, das Königshaus auf die Hauptdarsteller zu reduzieren. Ich glaube, die unmittelbare Folge dieses Megxit-Theaters könnte sein, dass die Verschlankung der Monarchie in England einfach konsequenter nach vorne getrieben wird. Nachgeborene Prinzen sind in der Regel nun einmal unterbeschäftigt und treiben dann, siehe Andrew, Unsinn oder lassen sich mit den falschen Claqueuren ein.

Ihre Familie zählt ja auch zum erweiterten Königshaus.

Von Schönburg: Meine Kinder stehen in der Thronfolge irgendwo im hohen dreistelligen Bereich. Da müssten etwa 600 Menschen zuvor plötzlich und unerwartet sterben, damit sie eine Chance auf den Thron hätten. Und selbst dann wäre ihnen nach aktueller Gesetzeslage die Krone verwehrt, weil Katholiken in Großbritannien vom Thron ausgesperrt sind. Sollte es aber tatsächlich so weit kommen, dann würde ich mir eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof vorbehalten und Diskriminierung aus Glaubensgründen geltend machen. Aber davor, wie gesagt, müssten mindestens 600 nähere Verwandte der Queen das Zeitliche segnen.

Lesen Sie dazu auch: Herzogin Meghan zeigt sich bei Auftritt in Kanada ganz bodenständig

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16.01.2020

Also mir wäre es am liebsten, es gebe überhaupt keine Royals, sondern ganz normale Sterbliche. Dieses Theater um eine Handvoll Menschen, die nicht besser, schöner oder gescheiter sind als sonst irgendwer, ist nicht mehr zeitgemäß. Der "Zauber der Monarchie",ist Schnee von gestern. Es gibt wahrlich wichtigeres in der Welt als zwei Menschen, die nicht mehr permanet durch alle Frauenzeitschriften des Kontinents gezogen werden möchten. Wie sie künftig ihr Leben gestalten wollen und womit sie ihr Geld verdienen, ist ihre Sache. Das einzige, was ich von den beiden erwarte: dass sie dem britischen Steuerzahler nicht auf der Tasche liegen,

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