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Newsticker
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Sommer-Serie
19.08.2017

Interview: Wo ist sie denn hin, die italienische Mode?

In den feinen Roben von Giorgio Armani schreiten die Models bei der Mailänder Modewoche über den Laufsteg. Die großen Designer beeinflussen heute kaum mehr die internationale Mode.
3 Bilder
In den feinen Roben von Giorgio Armani schreiten die Models bei der Mailänder Modewoche über den Laufsteg. Die großen Designer beeinflussen heute kaum mehr die internationale Mode.
Foto: Pps/ZUMA Wire/dpa

Einzelne Länder haben nicht mehr so viel Einfluss darauf, was angesagt ist. Eine Designerin erklärt, wo Trends entstehen und warum in Deutschland fast überall das Gleiche angeboten wird.

Tausende Bayern machen gerade Urlaub in Italien. Wir drehen den Spieß um. In unserer großen Sommerserie erkunden wir die vielen italienischen Seiten unserer Region. Und die Italiener können es einfach. Stilsicher treten sie in der Regel bei Eiseskälte ebenso wie bei größter Hitze so elegant auf, als hätten sie sich soeben in einem Armani-Geschäft angekleidet.

Frau Michel, Sie haben nicht nur italienische Wurzeln, Sie sind auch die Geschäftsführerin des Netzwerks Deutscher Mode- und Textildesigner. Italien – dieses Land steht für großartige Mode und berühmte Namen wie Prada, Gucci, Dolce & Gabbana. Wie groß ist der Einfluss Italiens heute noch auf die Mode?

Mara Michel: Kein Land prägt mehr die internationale Mode. Italien nicht, Frankreich nicht, England nicht, auch Belgien und Dänemark nicht. Die Zeiten haben sich total geändert. Mode ist heute weltweit dieselbe. Die globale Straße beeinflusst heute die Mode.

Mara Michel ist Modeexpertin. Sie sagt: "Große italienische Designer beeinflussen den Modemarkt heute kaum mehr."
Foto: Mara Michel

Woher kommt das?

Michel: Durch die Streetwear, die ihren Siegeszug Anfang der 80er begonnen und sich dann durchgesetzt hat. Kurz gesagt: die Demokratisierung der Mode. Es wurde nicht mehr auf die Couturiers, also die Modemacher, geschaut, und von ihnen nichts mehr übernommen.

Auf wen oder was wird dann geschaut?

Michel: Es wird ins Internet geguckt. Das Internet, also 4.0, hat die Modewelt voll erreicht. Das heißt, wenn du wissen willst, was in der echten Mode los ist – also nicht in der Bekleidung, sondern in der wirklichen Mode – dann geht man heute auf Plattformen wie vogue.com oder Collezioni. Dort habe ich dann die aktuellen Schauen live vor mir. Die Designer, die in den Firmen arbeiten oder den Firmen zuarbeiten, holen sich von überall her den Input, nicht nur von Italien und schlagen dann vor, was zur Firmenzielgruppe passt. Doch – und jetzt kommt der springende Punkt – in Deutschland wird darauf nicht gehört.

Auf die Designer wird in Deutschland nicht gehört?

Michel: Ja, das ist eine katastrophale Situation. Designer können hierzulande die kreativste Arbeit machen, aber auf sie wird nicht gehört.

Aber warum nicht?

Michel: Aus Angst, die Mode würde sich eventuell doch nicht verkaufen. In Deutschland haben leider die Controller, die Vertriebsleute, die Einkäufer und die Merchandiser das Sagen in der Mode übernommen. Und die richten ihre Entscheidungen ausschließlich an den Verkaufszahlen aus dem Computer aus, also was, wo, wie viel gekauft wurde. Es geht also nur noch um Umsatz und Masse. Um Mode, um Innovation, also um das, was Mode ausmacht, geht es längst nicht mehr. Und das Ergebnis: Es werden gar keine Trends mehr gezeigt.

Sie zeichnen ja ein furchtbares Bild der Modebranche…

Michel: Die Lage ist furchtbar. Die Verwerfungen in den deutschen Modefirmen kommen doch nicht von ungefähr. Viele kämpfen ums Überleben. Die Modefirmen nehmen aber keine Ratschläge an. Sie begreifen nicht, dass sie mit ihrer Ausrichtung auf Masse untergehen. Und wenn die Umsatzzahlen nicht stimmen, entlassen sie ihre Designer, geben denen die Schuld. Dabei ist die wirkliche Ursache des Desasters: Wir haben in Deutschland keinen Mut zur Mode und kein Vertrauen in die eigenen Designer. Jedem modebewussten Menschen fällt doch auf, dass in den großen Modegeschäften überall das Gleiche hängt.

Wer macht es anders und richtig. Vielleicht Italien?

Michel: Nein. Die Spanier. Zara macht heute als einer der wenigen Großen Mode. Die machen es grandios. Und sie beweisen, dass es möglich ist, mit faszinierenden, neuen Kollektionen erfolgreich zu sein und alle Altersgruppen anzusprechen und in einem bezahlbaren Preisgefüge zu bleiben.

Lassen Sie mich noch einmal auf die italienische Mode zurückkommen. Sind italienische Mode-Labels wenigstens im eigenen Land erfolgreich?

Michel: Ja, in Italien gibt es schon noch sehr erfolgreiche, kleine Mode-Labels. Und anders als in Deutschland gehen in Italien große Modefirmen auch mit kleinen, innovativen Labels Partnerschaften oder Patenschaften ein. Nur in Deutschland klappt das leider gar nicht.

Und Mailand ist ja nach wie vor ein großer Treffpunkt für die internationalen Schauen.

Michel: Ja, was die Schauen angeht, sind Mailand und Paris tatsächlich Konstanten geblieben. Das heißt aber nicht, dass die Mode, die dort gezeigt wird, besonders stark übernommen wird oder mehr angeschaut wird. Das hat sich verändert. Auch wechseln die angesagten Treffpunkte heute schneller: Mal ist es Berlin, mal Rio, mal London…

Wenn der Einfluss Italiens auf die Mode rapide geschwunden ist – bei den Schuhen hat man aber den Eindruck, ist Italien nach wie vor tonangebend…

Michel: Das stimmt. Italienische Schuhe sind stark angesagt. Deutsche Schuhhändler kaufen sehr gerne italienische Schuhe ein. Da stimmt nicht nur das Preisgefüge. Italienische Schuhe haben eine wunderbare Ästhetik und setzen stets farblich neue Akzente. Und die deutschen Frauen sind ganz scharf auf italienische Schuhe – und italienische Taschen im Übrigen auch.

Italienische Schuhe und Taschen sind angesagt, Kleidung nicht. Warum?

Michel: Vielen ist die italienische Marken-Mode zu kostspielig geworden. Und die großen italienischen Modenabieter leben längst nicht mehr von ihren Outfits, sondern von ihrem Kosmetikangebot.

Heißt das, die Kunden gaben früher mehr Geld für Mode aus?

Michel: Ja, viele betuchte Kunden sind sehr preisbewusst. Aber es gibt noch einen anderen Grund, warum es mit der Mode nicht mehr klappt: Unsere kaufkräftige Klientel sind in Deutschland etwa 20 Millionen Menschen. Sie sind im Schnitt über 50 Jahre und haben in der Regel eine Kleidergröße bei Damen über 42. Was machen aber viele Design-Marken-Modefirmen? Sie weigern sich, Mode über Größe 40 zu produzieren. Sie machen Mode für Größe 34, 36, 38 und vielleicht noch 40. Das ist so traurig. Denn Mode ist doch nicht von der Kleidergröße abhängig. Aber die Modefirmen nehmen diese Herausforderung einfach nicht an.

In Italien scheint das besser zu klappen. Italiener ziehen sich nach wie vor super an, haben offensichtlich ein besseres Gespür dafür, was ihnen steht ...

Michel: Das stimmt. Die Italiener achten sehr auf ihr Äußeres. Das ist den Italienern angeboren.

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