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London

23.04.2015

Spektakulärer Coup: Schlugen Berliner Tunnelräuber in London zu?

Waren die Räuber von London dieselben wie einst in Berlin?
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Waren die Räuber von London dieselben wie einst in Berlin?
Bild: AFP PHOTO / BRITISH METROPOLITAN POLICE

Nach dem spektakulären Coup im Londoner Diamanten-Viertel berichten britische Medien über Parallelen zum Berliner Tunnelraub. Waren dieselben Täter am Werk?

Was sich während der Osterfeiertage im Londoner Diamantenviertel Hatton Garden abgespielt hat, erinnerte an raffinierte Hollywood-Filme: Einbrecher verschafften sich Zugang zum Aufzugsschacht und seilten sich durch einen Fahrstuhl ab, bohrten sich mit schwerem Gerät durch die Metallwand des Tresorraums der renommierten Sicherheitsfirma Safe Deposit Company und standen vor hunderten Schließfächern, die vor allem von Juwelen- und Goldhändlern genutzt werden.

Die Diebe räumten 72 Safes aus und machten vermutliche eine Millionenbeute. Wie viel sie genau einpackten, ist noch unklar. Schätzungen gehen von einem Gesamtschaden von 80 Millionen Pfund, umgerechnet 111 Millionen Euro, bis zu umgerechnet 273 Millionen Euro aus.

Erinnerungen an den Tunnelraub von Berlin

Nun berichten Medien, dass der spektakuläre Coup auf das Konto der sogenannten Tunnelräuber von Berlin gehen könnte. Waren dieselben Täter am Werk wie bereits beim Tunnelraub in einer Filiale der Berliner Volksbank, der sich Anfang 2013 ereignet hat? Damals wurden etwa 300 Schließfächer aufgebrochen, die Diebe flohen mit einer Beute im Wert von etwa zehn Millionen Euro, von ihnen fehlt bis heute jede Spur.

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Licht brennt in Berlin in einer Tiefgarage im Stadtteil Steglitz in einem Tunnel. Den hatten bislang unbekannte Täter zu einer angrenzenden Bank gegraben und anschließend im den Tresorraum zahlreiche Schließfächer ausgeräumt.
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Diesen Tunnel gruben die Bankräuber von Berlin-Steglitz
Bild: dpa

Die Tageszeitung The Times berichtet nun von Parallelen. So werde in beiden Fällen vermutet, dass jemand im Gebäudeinneren den als Bauarbeiter verkleideten Tätern geholfen habe. Wie bereits in der deutschen Hauptstadt haben sich die Einbrecher auch in der britischen Metropole übers Wochenende durch den Stahlbeton gebohrt. „Wir folgen mehreren Spuren. Es ist eine umfassende Ermittlung“, sagte ein Sprecher von Scotland Yard.

Von der Polizeibehörde wurde die Mutmaßung, dass die Berliner Täter auch für den Einbruch in London in Frage kämen, nicht kommentiert. Erst am Mittwoch wurden in den Medien Fotos vom Tatort veröffentlicht. Darauf sind verbogene metallene Gitterstäbe zu sehen genauso wie das von den Dieben hinterlassene Chaos im Tresorraum, wo sich zahlreiche aufgerissene, leere Schließfächer türmen. Zudem zeigen die Bilder das Loch, durch das die Diebe eindrangen. Den Polizeiangaben zufolge sei es nur 50 Zentimeter tief, 25 Zentimeter hoch und 45 Zentimeter breit.

Bohrmaschine der Firma Hilti

Die Ermittler seien überrascht gewesen, wie klein es ist. Weiter wurde bekannt, dass die Einbrecher eine Bohrmaschine der Firma Hilti benutzten, die einen mit Diamanten besetzten Bohrkopf gehabt habe.

Nach bisherigem Stand gehen die Ermittler davon aus, dass vier bis sechs Täter an dem Einbruch beteiligt waren. So seien nach Auswertung der Überwachungskameras die ersten Einbrecher am Donnerstagabend um 21.20 Uhr eingedrungen und bis zum nächsten Karfreitagsmorgen um 8.05 Uhr geblieben. Die Diebe hatten dementsprechend eine ganze Nacht Zeit, um Geld, antike Armreifen, juwelenbesetzte Ketten und kostbare Uhren einzupacken.

Das heikle Detail, das bei den Ermittlern für die größte Verwirrung sorgt: In der Nacht zu Freitag, gegen 0.21 Uhr, löste etwas den Einbrecheralarm aus. Die Diebesbande hielt sich also im Tresorraum auf, als bei der Polizei ein Notruf des Sicherheitsdienstes einging. Doch den Angaben von Scotland Yard zufolge sei der Anruf bei der Polizei als nicht dringend eingestuft worden. Warum die Beamten sich entschlossen, dass keine Reaktion notwendig sei, das wollen die Ermittler nun herausfinden.

Im Viertel Hatton Garden befindet sich das Edelsteinzentrum Londons. Juweliere und Schmuckhändler dominieren das Straßenbild, schon seit dem 19. Jahrhundert ist die Gegend für ihr funkelndes Image berühmt.

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