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Mordfall Dennis

15.04.2011

Spektakulärer Erfolg nach fast 20 Jahren Fahndung

Reges Medieninteresse bei der Pressekonferenz der SOKO Dennis.
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Reges Medieninteresse bei der Pressekonferenz der SOKO Dennis. dpa

Kräftig und unauffällig sieht er aus, der 40-Jährige, der drei Morde, darunter den von Dennis K., gestanden hat. Er könnte für 40 Missbrauchsfälle und weitere Morde verantwortlich sein.

Vor zehn Jahren war der Lehramtsanwärter aus seiner Heimatstadt Bremen nach Hamburg gekommen. Er hatte als Betreuer bei Ferienfreizeiten gearbeitet, zuletzt war er Pädagoge in der Erwachsenenbildung  gewesen. Und er könnte der als "Maskenmann" bekannt gewordene Serienmörder und Kinderschänder sein, der vor 19 Jahren zu ersten Mal zuschlug. Zumindest hat der Mann, der in Hamburg lebte, gestanden, 1992  den 13-jährigen Stefan J., 1995 den achtjährigen Dennis R. und 2001  den neun Jahre alten Dennis K. getötet zu haben. Das Vorgehen war  dabei immer gleich: Stefan J. entführte er aus einem Internat im  niedersächsischen Scheeßel, Dennis R. aus einem Ferienlager in  Selker Moor in Schleswig-Holstein und Dennis K. aus einem Schullandheim im niedersächsischen Wulsbüttel.

Das Aufatmen ist groß nicht nur bei der  Polizei, die in Verden am Freitag ihren Erfolg bekannt gab, sondern überall in der Küstenregion. Schließlich hat der Mann auch  gestanden, weitere Jungen in Schullandheimen, aber auch zu Hause  überfallen und sexuell missbraucht zu haben. Insgesamt könnte er für mehr als 40 Missbrauchsfälle verantwortlich sein, die meisten  davon im Raum Bremen.

Stets war die Polizei davon ausgegangen, dass sie einen ganz  unauffälligen Mann sucht. Chefprofiler Alexander Horn zeigte sich  deshalb nicht überrascht, welches Bild Nachbarn nun von dem  Festgenommenen zeichnen. "Die schildern ihn als sozial unauffällig,  nett, hilfsbereit, akkurat, zurückhaltend und intelligent." Lange  Jahre lebte der Mann allein. "Damit unterlag er geringer sozialer  Kontrolle", sagte Horn.

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Dass der mutmaßliche Serienmörder nach so langer Zeit doch noch  festgenommen werden konnte, ist das Ergebnis der von der Soko  "Dennis" im Februar gestarteten neuen Öffentlichkeitsfahndung. Zwar  erwies sich das zuvor vom einem Zeugen für den Mord an Dennis K.  genannte verdächtige Fahrzeug als tote Spur. Aber es meldete sich  ein Missbrauchsopfer aus dem Jahr 1995, das damals in der  elterlichen Wohnung in Bremen überfallen worden war. Angesichts der  neuen Medienberichte erinnerte sich der Mann jetzt daran, dass sich  wenige Monate vor dem Missbrauch ein Betreuer bei einer  Ferienfreizeit ausführlich nach seiner Wohnsituation erkundigt  hatte. Die Soko ging dem nach - und konnte am Mittwoch den  mutmaßlichen Täter festgenehmen.

Mit genauen Auskünften zur Person und Details zu den Taten hielt  sich die Polizei am Freitag allerdings zurück - auch weil sie jetzt  der Frage nachgeht, ob der mutmaßliche Täter weitere Morde begangen  hat. Denn auch die Morde an einem Jungen 1998 in den Niederlanden  und einem weiteren Schüler 2004 in Westfrankreich waren mit dem  "Maskenmann" in Verbindung gebracht worden. Damit wolle der  40-Jährige aber "nichts zu tun haben", sagte der Leiter der Soko  "Dennis", Martin Erftenbeck.

Für die Ermittler steht nun weitere Fleißarbeit an. Mit Hilfe  der Öffentlichkeit will die Polizei ein Jahrzehnte zurückreichendes  Bewegungsbild des Verdächtigen zeichnen und unter anderem in  Erfahrung bringen, welche Reisen der Mann gemacht hat. Für Profiler  Horn steht bereits jetzt fest: "Es ist nicht auszuschließen, dass  weitere Taten ans Tageslicht kommen." afp

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