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Tatort
01.06.2015

So realistisch waren die Luftröhrenschnitte im "Tatort" aus Münster

Prof. Boerne (Jan Josef Liefers, links) rettete Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl, rechts) im aktuellen "Tatort" das Leben.
Foto: Bild: WDR/Martin Valentin Menke

Gleich zwei Luftröhrenschnitte gab es im Tatort aus Münster. Doch wie realistisch waren sie? Das beantwortet HNO-Chefarzt Johannes Zenk vom Klinikum Augsburg.

Der Tatort aus Münster mit dem Titel "Erkläre Chimäre" war gewohnt skurril. Gleich zwei Male bekamen die Kommissare es mit einem Luftröhrenschnitt zu tun. Johannes Zenk, HNO-Chefarzt am Klinikum Augsburg und bekennender Tatort-Fan, erklärt, was es mit ihnen auf sich hatte und ob ein Arzt sie in der gleichen Situation ebenfalls durchgeführt hätte.

Der Tatort-Kommissar lief Gefahr, an einem Herzstillstand zu sterben

Nach einer feuchtfröhlichen Feier zur Beförderung von Nadeshda (Friederike Kempter) gibt es im Tatort für Kommissar Thiel (Axel Prahl) bei seinem Nachbarn Boerne (Jan-Josef Liefers) noch einen Mitternachtssnack. Als Thiel an einem Häppchen zu ersticken droht, versucht Boerne ihm zunächst mit dem Heimlich-Manöver zu helfen. Ohne Erfolg. Boerne rettet ihm schließlich mit einem Luftröhrenschnitt das Leben. Was steckt dahinter?

Wer einen großen Bissen Nahrung verschluckt, so erklärt Johannes Zenk, läuft Gefahr, den sogenannten Bolustod zu sterben. Dabei erstickt der Betroffene nicht, sondern er erleidet einen Herzstillstand. "Durch einen feststeckenden Bissen dehnt sich zunächst die Speiseröhre", sagt Zenk. Dann komme es reflexartig zu einem Vagus-Reiz - ein bestimmter Hirnnerv wird also gereizt. Das kann zu einem Herzstillstand führen. Bei einem solchen Verschlucken müsste der Betroffene laut Zenk relativ schnell bewusstlos umfallen.

Intubation statt Luftröhrenschnitt

Ein Notarzt würde in diesem Fall nicht direkt einen Luftröhrenschnitt durchführen. Zunächst einmal würde er schauen, wo sich der Fremdkörper befindet. Dann würde er versuchen, den Betroffenen zu intubieren. Dabei wird versucht, die Person mit Hilfe einer Sonde, die durch den Mund eingeführt wird, zu beatmen. "Erst wenn das nicht funktioniert, dann würde man die Atemwege operativ eröffnen", sagt Zenk.

Die erste Wahl wäre dabei ein kleiner Schnitt am unteren Ende des Kehlkopfes. Ein Luftröhrenschnitt komme erst in Betracht, wenn es keine andere Möglichkeit gebe. Diese muss mit einem Längsschnitt ausgeführt werden - ein Querschnitt würde die Blutgefäße in Gefahr bringen. Als Laie sollte man in einer solchen Situation allerdings nichts tun, bei dem man sich unsicher ist, so Zenk. Also: Lieber den Notarzt rufen.

Der zweite Schnitt an einem Hals, der im Tatort vorkam, wurde durchgeführt, um an einen verschluckten Schlüssel zu gelangen. "Man kann den Hals nicht einfach aufschneiden und da liegt dann der Schlüssel", sagt Zenk. Vielmehr benötige man Instrumente, um an den Schlüssel zu gelangen - zum Beispiel eine Greifzange.

Dass jemand durch einen Fremdkörper in der Luftröhre erstickt, sei eher selten. Zudem sei ein Schlüssel zu klein für einen Bolustod. Die Wahrscheinlichkeit ist laut Zenk zudem größer, dass ein solcher Schlüssel in die Speiseröhre, nicht in die Luftröhre, fällt.

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