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Paris

05.10.2019

Terror-Verdacht nach Messerangriff in Pariser Polizeipräfektur

Bei der Messerattacke in der Pariser Polizeipräfektur sind fünf Menschen getötet worden, darunter der Angreifer. Der Bereich wurde weiträumig abgesperrt.
Bild: Kamil Zihnioglu/AP, dpa

Ein Mitarbeiter der Pariser Polizeibehörde soll vier Kollegen mit einem Messer tödlich verletzt haben, er wurde erschossen. Präsident Macron besuchte den Tatort.

Nach der tödlichen Messerattacke im Pariser Polizeihauptquartier haben Anti-Terror-Fahnder der Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Diese Entscheidung sei auf Basis der bisherigen Erkenntnisse getroffen worden, teilte die Pariser Staatsanwaltschaft am Freitagabend mit. Es werde sowohl wegen Mordes und versuchten Mordes als auch wegen Terror-Verdachts ermittelt. Nach der schrecklichen Tat am Donnerstag ist das Motiv des Angreifers weiter unklar. Der 45 Jahre alte Verwaltungsmitarbeiter des Polizeihauptquartiers im Herzen der Hauptstadt hatte am Donnerstag vier Menschen mit einem Messer getötet und war dann erschossen worden. 

Der in dieser Form beispiellose Fall löste Frankreich Entsetzen und Trauer aus. Staatschef Emmanuel Macron und Regierungsmitglieder begaben sich an den Tatort, um mit Mitarbeitern zu sprechen. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein.

Medien: 45-jähriger Angreifer arbeitete in Terrorabteilung der Behörde

Medien hatten zunächst berichtet, dass möglicherweise ein interner Konflikt das Motiv für die Tat gewesen sein könnte. Berichten zufolge war der Angreifer im Jahr 2017 zum Islam konvertiert. Am Morgen hatte Regierungssprecherin Sibeth Ndiaye noch erklärt, dass es bisher keine Hinweise auf eine Radikalisierung des Angreifers gebe. "Nur weil Sie ein Muslim sind, bedeutet das nicht, dass Sie ein Terrorist sind", sagte Ndiaye. Der Pariser Polizeipräsident Didier Lallement hatte am Nachmittag gesagt, dass keine Hypothese bei den Ermittlungen ausgeschlossen werden könne. Frankreich wird seit Jahren von islamistischen Anschlägen erschüttert, die Angst vor Attentaten ist deshalb hoch.

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Der Wohnsitz des mutmaßlichen Täters wurde durchsucht, sagte Chefermittler Rémy Heitz. Wie Justizkreise ergänzten, wurde die Frau des Täters in Polizeigewahrsam genommen. 

Der Mann war seit vielen Jahren als Informatiker für die Polizei tätig, sagte Polizeipräsident Lallement. Er war in einer als sensibel geltenden Abteilung der Polizeibehörde eingesetzt, die sich auch mit geheimdienstlichen Themen befasste. Ein Polizei-Gewerkschafter hatte ihn in einem Interview mit dem Sender BFMTV als vorbildlichen Beamten beschrieben, der von seinen Kollegen sehr geschätzt worden sei.

Pariser Polizeibehörde trauert auf Twitter um getötete Kollegen

Die Tat ereignete sich laut Innenminister Christophe Castaner zwischen 12.30 und 13 Uhr. Er sprach von einem "mörderischen Lauf".

Die Pariser Polizeipräfektur äußerte sich über den Kurznachrichtendienst Twitter zu der "schrecklichen Tragödie". "Unsere Gedanken sind bei unseren getöteten Kollegen und deren Familien, die wir nicht allein lassen werden", so die Polizeibehörde. Ein Trauerflor kennzeichnet das Profilbild des Twitter-Accounts.

Messerattacke in Paris: Eine Frau und drei Männer werden tödlich verletzt

Bereits am Donnerstag hat Frankreichs Innenminister Christophe Castaner nähere Angaben zum mutmaßlichen Täter gemacht. Der Mann sei ein 45 Jahre alter Angestellter in der Verwaltung gewesen und zuvor nie negativ aufgefallen, sagte Castaner vor der Polizeistation in der französischen Hauptstadt. Der mutmaßliche Täter habe seit 2003 in der Polizeipräfektur gearbeitet.

Bei den Opfern handle es sich um eine Frau und drei Männer, erklärte der Pariser Chefermittler Rémy Heitz, der Castaner begleitete. Die Ermittlungen blieben zunächst bei der Staatsanwaltschaft von Paris. Er stehe aber im ständigen Kontakt mit der Anti-Terror-Staatsanwaltschaft. Weitere Untersuchungen sollten Licht in das Motiv der Tat bringen.

Mutmaßlicher Täter soll Kollegen mit Keramikmesser angegriffen haben

Laut Informationen des Senders BFMTV, der über den Kurznachrichtendienst Twitter ein Video teilte, habe der Täter vier seiner Kollegen getötet, die sich in der Nähe seines Büros und auf dem Flur bzw. im Treppenhaus befanden. Er sei nach dem Angriff durch einen weiteren Kollegen erschossen worden.

Bei der Tatwaffe habe es sich um ein Keramikmesser gehandelt, das bei den Sicherheitskontrollen nicht aufgefallen sei, heißt es. BFMTV berichtet weiter, wahrscheinlicher Hintergrund der Tat sei ein interner Konflikt innerhalb der Polizeibehörde.

Präsident Macron besucht Polizeibehörde nach Messerattacke

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron besuchte den Tatort kurz nach dem Angriff. Macron habe den Mitarbeitern der Polizeistation seine Unterstützung und Solidarität bekundet, hieß es am Donnerstag aus Élyséekreisen.

Er wurde demnach von Innenminister Christophe Castaner und dem französischen Innenstaatssekretär Laurent Nuñez begleitet. Castaner verschob laut Nachrichtenagentur AFP seine geplante Dienstreise nach Griechenland und in die Türkei. Der Präsident sei gut 35 Minuten bei der Polizeipräfektur gewesen.

Bürgermeisterin Hidalgo spricht von "fürchterlicher Attacke"

Der Augenzeuge Émery Siamandi erzählte BFMTV, er habe Schüsse gehört. "Ich habe gedacht, dass sich ein Polizist umgebracht hat." Dann habe er bemerkt, dass auf den Angreifer geschossen wurde - der Polizist, der sich mit der Dienstwaffe gewehrt habe, habe geweint.

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo hatte bereits kurze Zeit nach dem Angriff bestätigt, dass bei dem Angriff in der Polizeipräfektur der französischen Hauptstadt "mehrere Polizisten" ums Leben gekommen sind. Die Sozialistin teilte am Donnerstag via Twitter mit, es handele sich um eine "fürchterliche Attacke".

Erst am Mittwoch hatten Tausende Polizisten in Paris für bessere Arbeitsbedingungen protestiert. Mehrere Gewerkschaften hatten zu dem "Marsch der Wut" im Osten der Hauptstadt aufgerufen. Nach Angaben der Organisatoren, der Polizeigewerkschaft Unité SGP Police, waren in Paris rund 27.000 Polizisten auf die Straßen gegangen. Wie der Radionachrichtensender Franceinfo berichtete, gab es in der Polizei seit Jahresbeginn rund 50 Suizide. (AZ/dpa)

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