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Tunesien
27.06.2015

Terroranschlag auf Touristenhotel: 39 Tote - De Maizière reist nach Tunesien

Im "Imperial Marhaba"-Hotel hat ein Terrorist mindestens 37 Menschen getötet.
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Im "Imperial Marhaba"-Hotel hat ein Terrorist mindestens 37 Menschen getötet.
Foto: Mohamed Messara, dpa

Bei einem Angriff auf ein Touristenhotel in Sousse in Tunesien sind nach offiziellen Angaben mindestens 39 Menschen getötet worden. Unter den Toten sind auch Deutsche.

Bei einem Angriff auf ein Touristenhotel in der Hafenstadt Sousse in Tunesien sind nach offiziellen Angaben mindestens 39 Menschen getötet worden. Zudem wurden 30 Menschen verletzt.

Terroranschlag in Tunesien: Es gibt deutsche Opfer

Unter den Opfern sind nach offiziellen Angaben auch deutsche Urlauber - ihr Anzahl ist aber weiter unklar. Regierungschef Habib Essid bestätigte am frühen Samstagmorgen, dass es deutsche Opfer gebe, nannte aber keine Zahl.

"Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass deutsche Staatsangehörige Opfer des Anschlags geworden sind", sagte zudem eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Freitagabend in Berlin. "Wir müssen damit rechnen, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis das geklärt ist", fügte sie hinzu. Ein Konsularteam sei am Anschlagsort eingetroffen und verschaffe sich einen Überblick. Der Reisekonzern Tui berichtete von aktuell etwa 260 deutschen Urlaubern in Sousse.

De Maizière reist nach Tunesien

Nach dem blutigen Attentat reist Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Montag an den Ort der Terrorattacke. Damit wolle er "sein tiefempfundenes Mitleid mit den Angehörigen der Opfer des verachtenswerten Anschlags und seine Solidarität mit dem tunesischen Volk" ausdrücken, teilte sein Ministerium am Samstag mit. De Maizière (CDU) erklärte: "Ich verachte die brutalen und ruchlosen Morde an unschuldigen Menschen."

Aus den aktuellen Ereignissen ergebe sich "nach derzeitigen Erkenntnissen keine weitere Verschärfung der Sicherheitslage", heißt es in der Mitteilung weiter. Die Gefährdung durch Dschihadisten und internationalen Terrorismus sei aber auch in Deutschland "unverändert hoch". "Taten wie jüngst in Frankreich müssen in Betracht gezogen werden." Dort hatte am Freitag ein Attentäter bei einem Anschlag in einem Werk für Industriegase seinen Chef enthauptet.

Zehn Opfer konnten identifiziert werden

Auch Briten, Belgier und Tunesier seien laut tunesischem Gesundheitsministerium unter den Toten. Bislang konnten nach Angaben der tunesischen Behörden zehn der Todesopfer identifiziert werden. Dabei handle es sich um acht Briten, eine Belgierin und einen Deutschen, sagte Naoufel Somrani vom tunesischen Gesundheitsministerium am Samstag. Die Identifizierung der Toten sei schwierig -  Die meisten Opfer seien am Strand oder am Swimmingpool des Hotels getötet worden, wo sie Badekleidung trugen und keine Papiere bei sich hatten.

Die Verletzten seien auf verschiedene Krankenhäuser im Großraum Sousse verteilt worden. Derweil hat der Reisekonzern Tui damit begonnen, die ersten Urlauber aus der Region zurückzuholen. In der Nacht zum Samstag sind bereits 80 Gäste ausgeflogen worden, weitere 120 sollen am Wochenende folgen. Tui-Urlauber, die einen Tunesien-Urlaub gebucht haben, können ihre Reise umbuchen oder stornieren

Tunesien: IS-Unterstützer bekennen sich zu Anschlag

Zu dem mutmaßlich islamistisch motivierten Angriff auf ein Strandhotel am Mittelmeer sollen sich in der Nacht zum Samstag Unterstützer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannt haben. In einer nicht verifizierbaren Twitter-Mitteilung übernahmen Unterstützer der IS-Terrormiliz die Verantwortung für den Anschlag. Ein "Soldat des Kalifats" habe den "abscheulichen Hort der Prostitution, des Lasters und des Unglaubens" angegriffen, hieß es. 

Der nationale Sicherheitsrat Tunesiens beschloss bei einer nächtlichen Sitzung Maßnahmen im Kampf gegen den Terrorismus. Unter anderem sollen innerhalb einer Woche bis zu 80 Moscheen geschlossen werden, in denen weiterhin "Gift zum Terrorismus" verbreitet werde. Daneben sollten verdächtige Parteien oder Vereine überprüft und eventuell aufgelöst werden. "Wir mögen den einen Kampf gewinnen und den anderen Kampf verlieren, aber unser Ziel ist es, den Krieg zu gewinnen", sagte Essid. Der Kampf gegen den Terrorismus sei nun eine nationale Aufgabe.

Terroranschlag: Auswärtiges Amt richtet Krisenstab ein

Das Auswärtige Amt hat nach dem Anschlag auf das Hotel "Imperial Marhaba" einen Krisenstab eingerichtet. Nach Angaben des Ministeriums bemüht sich die deutsche Botschaft in Tunis "mit Hochdruck" um Aufklärung, wie viele Deutsche ums Leben kamen. Dazu gab es bis zum frühen Samstagmorgen keine neuen Erkenntnisse.

Ein Team der Botschaft machte sich auf den Weg zum Anschlagsort im Badeort Sousse, etwa 120 Kilometer von Tunis entfernt. Zudem richtete das Auswärtige Amt unter der Telefonnummer 030/5000 3000 eine Hotline ein.

Tunesien: Hotel von bewaffnetem "Terroristen" überfallen

Der Gebäudekomplex des Hotels liegt am Strand des stark frequentierten Badeortes El-Kantaoui nördlich der Stadt Sousse. Lokale Medien meldeten unter Berufung auf Augenzeugen, ein Terrorist sei von der Strandseite aus auf das Hotelgelände vorgedrungen. Er habe plötzlich aus einem zusammengefalteten Sonnenschirm ein Sturmgewehr hervorgeholt und auf Menschen geschossen, die am Strand lagen. In einem Feuergefecht hatten Sicherheitskräfte den Angreifer getötet und später zahlreiche Sturmgewehre beschlagnahmt, hieß es aus Sicherheitskreisen in Tunesien. Nach Angaben des für Sicherheitsfragen zuständigen Staatssekretärs Rafik Chelly handelt es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen Studenten. Der bislang polizeilich nicht bekannte Mann stammte demnach aus der Region von Kairouan. Er wurde von Sicherheitskräften getötet.

Ein britischer Tourist, der zum Zeitpunkt des Anschlags auf das Hotel Marhaba am Freitag in der tunesischen Stadt Sousse am Strand einer benachbarten Anlage war, hat von einer "Panik" unter den Anwesenden berichtet. "Mein 22-jähriger Sohn ging gerade ins Wasser", sagte der aus Bristol stammende Gary Pine am Freitag in einem Telefonat mit dem britischen TV-Sender Sky News. "Plötzlich haben wir hundert Meter weiter links ein Geräusch wie von Böllern gehört", sagte Pine.

Bei einem Terroranschlag auf das "Imperial Marhaba", das in der kleinen Hafenstadt Port El-Kanmtaoui im Norden von Sousse liegt, sind 28 Menschen getötet worden.
Foto: TUI/dpa

Schnell hätten die mehreren hundert Menschen am Strand aber begriffen, dass es sich bei den vermeintlichen Knallfröschen um Schüsse handelte und seien vom Strand geflohen. Pine schätzte, "20 oder 30 Schüsse" gehört zu haben, die "aus dem Nichts" gekommen seien. Pine und seine Frau hätten dem Sohn zugerufen, schleunigst aus dem Wasser zu kommen. Der junge Mann erzählte seinen Eltern daraufhin, er habe gesehen, wie am Strand jemand niedergeschossen worden sei.

"Als wir wieder im Hotel waren, haben wir in der Anlage nebenan eine Explosion gehört", sagte der Brite. Die Hotelleitung habe die Gäste zunächst angewiesen, sich in ihren Zimmern einzuschließen. Kurz darauf seien sie jedoch in Lobby gerufen worden. Unter den Anwesenden herrschte demnach große Unsicherheit, was als nächstes geschehen solle. "Gehen wir weg? Bleiben wir hier? Wo sollen wir hin? Was sollen wir tun?", fragte der Augenzeuge am Telefon.

Eine zerstörte Glasscheibe im "Imperial Marhaba"-Hotel in Tunesien. Hier hat ein Terrorist mindestens 37 Menschen getötet.
Foto: Mohamed Messara, epa/dpa

In Tunis gilt erhöhte Terrorwarnstufe

Seit dem islamistischen Anschlag auf das Bardo-Museum in der Hauptstadt Tunis Mitte März gilt eine erhöhte Terrorwarnstufe in dem nordafrikanischen Land. Damals starben 22 Menschen, darunter 21 Touristen. Obwohl die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) sich zu dem Anschlag bekannte, machte die tunesische Regierung die mit dem rivalisierenden Al-Kaida-Netzwerk verbündete islamistische Brigade Okba Ibn Nafaa dafür verantwortlich.

Der Strandabschnitt bei Sousse war bereits im Herbst 2013 Ziel eines vereitelten Terroranschlags. Damals hatte ein Attentäter versucht, sich gemeinsam mit möglichst vielen Menschen in die Luft zu sprengen.

Terroranschlag auf Touristenhotel: 39 Tote - De Maizière reist nach Tunesien
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In diesen Ländern sollten Touristen vorsichtig sein
Foto: dpa

dpa/AZ/afp

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