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Geburt via Facebook

19.05.2016

Vater streamt Geburt seines Sohnes live - Wo führt das noch hin?

Ein Mann aus Kalifornien hat die Geburt seines Sohnes live ins Internet übertragen.
Bild: Mascha Brichta, dpa/ Symbolfoto

Ein Mann aus Kalifornien hat die Geburt seines Kindes live ins Internet übertragen. 240.000 Facebook-User haben sich das schon angesehen. Wo führt das noch hin?

Eine Geburt ist ein intimer Moment. Zumindest für die meisten Menschen. Für Kali Kanongata'a aus Kalifornien nicht. Er wollte die ganze Welt an der Geburt seines Sohnes teilhaben lassen - und streamte sie live ins Internet. 240.000 Menschen haben sich das auf Facebook bislang angesehen. Dort ist das Video auch drei Tage später noch zu sehen.

Internetnutzer, die live dabei waren, feuerten die werdende Mutter mit Kommentaren wie "Du schaffst das!" sogar an. Die Frau von Kali Kanongata'a aber soll von dem Stream gar nichts mitbekommen haben, wie ihr Mann am Tag nach der Geburt in einem Telefoninterview mit einem lokalen US-Nachrichtensender sagte.

Es ist nicht das erste Mal, dass Menschen live am Computer verfolgen können, wie ein Kind auf die Welt kommt. Schon vor 16 Jahren stellte ein Paar aus Dänemark die Geburt seines Kindes ins Internet. Für die stolzen Eltern war das nur die konsequente Fortführung ihrer bisherigen Beziehung: 1996 lernten sie sich in einem Chat kennen, auch ihre Hochzeit war schon im Netz zu sehen.

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Immer mehr live? Immer weniger Tabus?

Live-Übertragungen durch Privatpersonen sind also kein gänzlich neues Phänomen - allerdings eines, das zunimmt. Immer mehr Apps funktionieren in Echtzeit. Mit YouNow etwa streamen viele Jugendliche heute live aus ihrem Kinderzimmer. Sie erzählen von ihrem Alltag, zeigen ihr Mittagessen, geben Styling-Tipps. Versprecher und kleine Pannen inklusive.

Thilo Weichert, einer der prominentesten Datenschützer in Deutschland, beobachtet die Zunahme der Live-Inhalte kritisch. "Es braucht nur wenige Klicks, dann ist ein Video im Netz - über die Konsequenzen denken viele nicht nach", sagt er. Folgen könne das Streaming nicht nur für die Urheber, sondern auch für unbeteiligte Dritte haben. "Eine Bloßstellung im Internet kann viel Schaden anrichten - sozialen, seelischen und sogar finanziellen", so Weichert.

Der Experte rät zu Zurückhaltung und dazu, Jugendliche früh zu sensibilisieren, am besten in der Schule. Denn gerade die stellen gerne ungeplante, regellose Inhalte ins Internet. Niemand kann vorhersagen, was passiert. Nichts kann zensiert werden. Das macht den Reiz der Live-Übertragungen aus - und ist gleichzeitig das größte Problem daran.

18-Jährige soll Vergewaltigung ihrer Freundin gestreamt haben

In jüngster Vergangenheit sorgten mehrere Live-Übertragungen von jungen Menschen für Schlagzeilen. Der tragischste Vorfall ereignete sich in Frankreich. Eine Jugendliche streamte ihren Selbstmord live über Periscope. Eine weitere Nutzerin dieser App, eine 18-Jährige aus den USA, musste sich kürzlich vor Gericht verantworten. Sie soll die Vergewaltigung ihrer Freundin live ins Internet übertragen haben.

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