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"Vatileaks"
28.05.2012

Kammerdiener des Papstes kündigt Aussage an

Der Vatikan wird von einem Skandal erschüttert: Der Kammerdiener des Papstes soll geheime Dokumente gestohlen haben, die dann veröffentlicht wurden.
Foto: dpa

Der Kammerdiener des Papstes soll geheime Dokumente gestohlen haben, die dann veröffentlicht wurden. Spekuliert wird, dass er nicht die einzige undichte Stelle ist.

Der Kammerdiener des Papstes sitzt im Vatikan in Untersuchungshaft. Paolo Gabriele soll vertrauliche Dokumente aus den Gemächern von Benedikt XVI. gestohlen haben. Dem 46 Jahre alten Familienvater wird schwerer Diebstahl vorgeworfen. Seine Anwälte sagten den vatikanischen Behörden am Montag volle Kooperation zu. "Paolo wird sobald wie möglich alle Fragen beantworten und mit den Ermittlern zusammenarbeiten, damit die Wahrheit ans Licht kommt", sagte einer der beiden Verteidiger, Carlo Fusco.

Spekulationen um Verschwörung im Vatikan

Die Aussage wird mit Spannung erwartet. Denn in den Medien wird über mögliche Mittäter Gabrieles spekuliert. Nach einem Bericht der rechtsliberalen Tageszeitung Corriere della Sera könnte auch ein italienischer Kardinal unter Verdacht geraten sein. Auch die Nachrichtenagentur Ansa schreibt, eine Beteiligung hoher Würdenträger sei nicht ausgeschlossen. Doch alle Angaben dazu bleiben vage. Berichte, dass neue Festnahmen bevorstünden, dementierte Vatikansprecher Federico Lombardi. Es gebe keine weiteren Ermittlungen, sagte er am Montag.

Vatikan spricht von "Vatileaks"

In den vergangenen Monaten waren aus dem Vatikan mehrfach Enthüllungen an die Medien durchgesickert. Unter anderem sind geheime Schreiben in dem gerade erschienenen Buch "Sua Santit"" (Seine Heiligkeit) veröffentlicht. Der Vatikan hatte die Publikation vertraulicher Unterlagen selbst als "Vatileaks" bezeichnet und so auf die Enthüllungsplattform Wikileaks angespielt.

Auf Gabrieles Spur kamen die Ermittler laut Ansa, weil unter den veröffentlichten Dokumenten auch eines im Zusammenhang mit der Joseph Ratzinger-Papst-Benedikt-XVI.-Stiftung war. Dieses Schriftstück sollte nie wie die anderen in den Archiven des Heiligen Stuhl landen, sondern konnte nur vom Schreibtisch des Papstes oder seines Privatsekretärs Georg Gänswein stammen. Deshalb müsse der Täter einer der wenigen Menschen sein, die Zugang zur päpstlichen Wohnung haben. Gabriele gehörte neben den Privatsekretären Gänswein und Alfred Xuereb sowie vier Ordensfrauen zu den nächsten Mitarbeitern des Kirchenoberhaupts.

Papst ist betroffen

Der Papst sei schmerzlich betroffen, sagte Lombardi am Montag. Nun müsse mit Respekt gegenüber den betroffenen Personen der Fall aufgeklärt werden. Am Wochenende hatte der Papst aus dem Evangelium zitiert: "Das Haus, das auf Fels gebaut ist, stürzt nicht ein." Dies wurde in den Medien auf den Skandal bezogen.

Da Gabriele im Vatikan lebe, sei auch die Gerichtsbarkeit des Vatikan zuständig, sagte Sprecher Lombardi am Samstag. Das Verfahren führt Untersuchungsrichter Piero Antonio Bonnet. In den Medien wird bereits über die Möglichkeit einer hohen Haftstrafe spekuliert.

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Die Päpste vor Benedikt XVI.
Foto: dpa

Gabrieles Festnahme habe die Menschen im Vatikan überrascht, sagte Lombardi. "Im Vatikan kannten ihn alle, natürlich gibt es Erstaunen und Schmerz und großes Mitgefühl mit seiner Familie, die sehr beliebt ist", betonte der Vatikansprecher. Er hoffe, dass die Familie diese Prüfung überstehen könne. Am Montag habe Gabriele neben seinen Anwälten auch seine Frau sehen dürfen.

Vatikanbank-Chef tritt zurück

Der Autor des Papst-Buches "Sua Santit"", der italienische Journalist Gianluigi Nuzzi, kritisierte die Ermittlungen innerhalb der Vatikanmauern und verwies auf die Pressefreiheit. "Die Dokumente sind ein Teil des journalistischen Geistes", sagte er zum Vorwurf, illegale Quellen zu nutzen. In den Dokumenten ging es unter anderem um Interna der Vatikanbank IOR. Erst am Freitag war deren Chef Ettore Gotti Tedeschi nach einem Misstrauensvotum zurückgetreten. Ihm wurde unter anderem schlechte Amtsführung vorgeworfen. Lombardi sagte am Montag, zwischen beiden Fällen gebe es keinen Zusammenhang. dpa

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