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Coronavirus

29.04.2020

Verdopplungszeit, Übersterblichkeit, R0: Das bedeuten die Corona-Kennzahlen

Übersterblichkeit, Reproduktionszahl, Verdopplungzeit - was die Corona-Kennzahlen bedeuten.
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Wenn es Neuigkeiten zum Coronavirus gibt, fallen bestimmte Begriffe immer wieder. Wir erklären, was es mit Reproduktionszahl, Übersterblichkeit, Durchseuchung und Co. auf sich hat.

Die Reproduktionszahl R

Die Reproduktionszahl R gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Liegt sie bei 1, heißt das, dass er das Virus im Schnitt an eine Person weitergibt. Die Zahl der gleichzeitig Infizierten bleibt dann gleich. Liegt R über 1, steigt die Zahl der aktuell Infizierten, liegt R unter 1, sinkt sie. Minimale Schwankungen können große Auswirkungen haben: Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) vorrechnet, könnte selbst ein R von 1,3 bereits eine Verdoppelung der Zahl von Neuerkrankung innerhalb von etwa 11 Tagen bedeuten. Das RKI erklärt, dass sich die aktuelle Reproduktionszahl nicht einfach aus den neuesten Daten ablesen lasse, weil es eine Verzögerung bei den Meldungen der Infektion gebe. Deshalb wird R durch statistische Verfahren geschätzt.

Die Basisreproduktionszahl R0

Neben "R" gibt es auch "R0", die sogenannte Basisreproduktionszahl. Der Wert gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter anstecken würde, wenn sich das Virus ungehindert verbreitet – also ohne Infektionsschutzmaßnahmen und ohne Immunität in der Gesellschaft. Aktuell geht das RKI davon aus, dass R0 für das neuartige Coronavirus zwischen 2,4 und 3,3 liegt. Für andere Krankheiten liegt dieser Wert höher – bei Masern etwa deutlich über 10. Masern können sich aber wegen des Impfschutzes in der Gesellschaft nicht ungehindert verbreiten.

 

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Die Verdopplungszeit

Die Verdopplungszeit beschreibt den Zeitraum, den es dauert, bis sich die Zahl der Fälle verdoppelt. Die Verdopplungszeit rückte Mitte März besonders in den Fokus - zu diesem Zeitpunkt gab es in Deutschland ein exponentielles Wachstum der Fallzahlen. Angela Merkel hatte betont, man müsse eine Verdopplungszeit von deutlich über zehn Tagen erreichen. Diese liegt aktuell um ein Vielfaches höher. Ende April erklärte Kanzleramtschef Helge Braun, der selbst Arzt ist, der dpa, dass die Verdopplungszeit besonders in den Zeiten eines akuten exponentiellen Wachstums wichtig sei. "Das ist zurzeit zum Glück nicht mehr der Fall - und doch sollten wir sie im Auge behalten."

Bestätigte Fälle und Dunkelziffer

Die Zahl der bestätigten Fälle ist zwar ein wichtiger Gradmesser – aber sehr davon abhängig, wie viel getestet wird. Deshalb lassen sich die Zahlen der bestätigten Fälle in verschiedenen Ländern nur bedingt vergleichen. Genauso verhält es sich bei den gemeldeten Neuinfektionen. Diese können auch dadurch steigen, dass mehr als zuvor getestet wird, darauf weist das RKI hin. In Deutschland gebe es eine große Anzahl an Laboren, die Tests auf das Coronavirus durchführen, schreibt das RKI - wie viele Tests gemacht werden, wird aber nicht zentral gemeldet. Das RKI fasst aber die Daten von Universitätskliniken, Forschungseinrichtungen und klinischen und ambulanten Laboren zusammen.

Weil nicht die ganze Bevölkerung getestet werden kann und weil offenbar viele Infizierte nur milde oder gar keine Symptome haben, gehen Experten von einer hohen Dunkelziffer, also unentdeckten Fällen aus. Das bedeutet, dass die Zahl der tatsächlich Infizierten um ein Vielfaches höher sein dürfte als die Zahl der bestätigten Fälle. Das Robert-Koch-Institut schreibt von einem möglichen Faktor von 4,5 bis 11,1. Das ist auch der Grund, weshalb sich nicht sagen lässt, wie hoch der Anteil der Menschen ist, die an der Krankheit sterben. Der größte Teil der unentdeckten Fälle hat wahrscheinlich nur leichte oder überhaupt keine Symptome. Wenn die Dunkelziffer sehr hoch ist, würde das bedeuten, dass nur ein deutlich kleinerer Teil der Infizierten am Virus stirbt als zunächst vermutet.

 

Herdenimmunität und Durchseuchung

Komplett beendet sein wird die Corona-Krise womöglich erst, wenn eine Herdenimmunität gegen das neue Virus besteht, also ein so großer Teil der Gesellschaft immun gegen das Virus ist, dass es sich nicht mehr weiter verbreiten kann. Das kann mit einem Impfstoff erreicht werden – an dem geforscht wird, den es aber bisher noch nicht gibt. Auch durch einen hohen Grad der Durchseuchung, also wenn ein großer Teil der Gesellschaft bereits mit dem Virus infiziert war, könnte möglicherweise eine ausreichende Immunität entstehen.

Laut RKI ist aber unklar, ob, wie sehr und wie lange Menschen, die eine Coronavirus-Infektion überstanden haben, gegen das Virus immun sind. "Derzeit gehen Experten davon aus, dass genesene Patienten nur ein geringes Risiko haben, ein zweites Mal an Covid-19 zu erkranken", heißt es auf der Seite des Instituts. Erste Studien hätten gezeigt, dass Infizierte Antikörper entwickeln, die das Virus wohl neutralisieren können. Unklar sei aber, "wie robust und dauerhaft dieser Immunstatus aufgebaut wird und ob es möglicherweise von Mensch zu Mensch Unterschiede gibt".

Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Berliner Charité, erklärte in seinem Podcast Ende April, dass die Herdenimmunität in weiter Ferne liege. Auch dazu gebe es noch keine exakten Werte, doch erste Ergebnisse verschiedener Studien ließen auf einen Durchseuchungsgrad im unteren einstelligen Prozentbereich schließen.

 

Todesfälle durch und mit Corona

Das RKI nimmt in seine Statistiken die Todesfälle auf, bei denen ein Labor das Coronavirus nachgewiesen hat und die "in Bezug auf diese Infektion" gestorben sind. Labore können im Verdachtsfall auch bei bereits Verstorbenen testen, ob diese mit dem Coronavirus infiziert waren.

Nun ist das Risiko, an Covid-19 zu sterben, für Menschen mit schweren Vorerkrankungen und insbesondere ältere Menschen deutlich höher. "Daher ist es in der Praxis häufig schwierig zu entscheiden, inwieweit die SARS-CoV-2 Infektion direkt zum Tode beigetragen hat", heißt es auf der Seite des RKI. Die Statistiken enthalten daher sowohl Menschen, die unmittelbar an der Erkrankung gestorben sind ("gestorben an"), als auch Menschen mit Vorerkrankungen, die infiziert waren und bei denen die genaue Todesursache nicht geklärt werden kann ("gestorben mit").

Übersterblichkeit

Die Übersterblichkeit, auch Exzessmortalität, ist eine weitere Möglichkeit, zu berechnen, wie viele Menschen an einer Epidemie gestorben sind. Die Zahl der Verstorbenen in einem bestimmten Zeitraum wird den durchschnittlichen Werten in einem vergleichbaren Zeitraum gegenübergestellt. Ende April erklärt das Statistische Bundesamt in seiner Auswertung: "Noch lässt sich nicht feststellen, ob Covid-19 zu einer Übersterblichkeit insgesamt in Deutschland führt." Das liege daran, dass die Daten noch nicht ausreichend vorhanden sind.

Auch die Zahl der Grippetoten der besonders schweren Grippesaison 2017/18 wurde auf Basis der Übersterblichkeit berechnet: Dem RKI zufolge gab es im Laufe dieser Grippewelle rund 25.000 Tote. Mit einem Labortest bestätigt wurden in dem Zeitraum aber nur 1674 Grippe-Tote. Doch gerade bei Menschen mit Vorerkrankungen, die an oder mit einer Grippe sterben, wird die Influenza laut RKI selten als Todesursache angegeben. Die Zahl der durch diese Schätzung angenommenen Grippetoten lässt sich wegen der unterschiedlichen Erhebung nicht mit den bisherigen Zahlen zu Corona-Todesfällen vergleichen. (mit dpa)

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