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Nigeria

06.05.2014

Versklaven und Zwangsverheiraten: Boko Haram verschleppt weitere Mädchen

Die Islamistengruppe Boko Haram hat in Nigeria weitere Mädchen verschleppt. Bereits Mitte April wurden mehr als 200 Schülerinnen entführt. Sie sollen versklavt werden.

Die Geschichte mutet wie aus dem Mittelalter oder der Antike an: Kämpfer entführen Mädchen, um sie zu verkaufen und sie zu verheiraten. Doch geschehen solche schreckliche Dinge genau jetzt - in Afrika, genauer gesagt in Nigeria. Dort haben mutmaßliche  Kämpfer der Islamistengruppe Boko Haram acht weitere Mädchen  entführt. Im April hat die Gruppe bereits über 200 Schülerinnen in ihre Gewalt gebracht.

Nigeria: Wieder acht Mädchen verschleppt

Wie Dorfbewohner am Dienstag sagten, wurden die acht Mädchen  aus dem Dorf Warabe im Bundesstaat Borno verschleppt. Die USA und Großbritannien sagten Nigeria  Hilfe bei der Suche nach den Geiseln zu.

Unfassbar ist auch, wie die Islamisten vorgingen. Sie seien am Sonntagabend im Dorf Warabe "auf der Suche  nach Mädchen von Tür zu Tür gegangen", sagte der Dorfbewohner  Abdullahi Sani. Die verschleppten Mädchen sind noch sehr jung, zwischen  zwölf und 15 Jahre alt. Andere Bewohner bestätigten seine Angaben.

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Boko Haram will die Mädchen verkaufen, versklaven, zwangsverheiraten

Boko Haram hatte sich erst am Montag zu der Entführung von mehr als  200 Schülerinnen vor drei Wochen bekannt. Die Mädchen waren am 14.  April aus ihrer Schule in Chibok im Nordosten Nigerias verschleppt  worden. 53 der Geiseln konnten bislang fliehen, 223 sind nach  Angaben der Polizei noch in Gefangenschaft. Boko-Haram-Chef  Abubakar Shekau kündigte in einem Video an, die Mädchen verkaufen,  versklaven oder zwangsverheiraten zu wollen.

Der britische Außenminister William Hague sagte am Dienstag, sein  Land werde bei der Suche nach den entführten Mädchen "praktische  Hilfe" leisten.  Er nannte das Vorgehen von Boko Haram "abscheulich  und unmoralisch".

Auch die USA will helfen, die verschleppten Mädchen zurückzuholen

US-Außenamtssprecherin Marie Harf sagte, auch die USA seien bereit,  Nigeria in "jeder Weise zu helfen, die wir für angemessen halten".  Zu Einzelheiten wollte sie sich aber nicht äußern. Berichte über  eine mögliche Entsendung von US-Truppen wies sie zurück. Das Weiße  Haus erklärte, die USA unterstützten Nigeria beim  Anti-Terror-Kampf, etwa durch den Austausch von  Geheimdienstinformationen.

UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay ließ erklären, sie sei  nach den "abscheulichen" Behauptungen von Boko Haram "zutiefst  besorgt". Ihr Sprecher Rupert Colville sagte, Sklaverei und  Zwangsprostitution seien Verstöße gegen internationales Recht.  Unter bestimmten Umständen könnten sie sogar als Verbrechen gegen  die Menschlichkeit gewertet werde.

Den Mädchen Leid zuzufügen,  verstoße gegen "die Lehren des Islam und seine toleranten  Grundsätze"

Auch das renommierte Islamische Institut der Al-Ashar-Universität  in Kairo verurteilte die Entführung und forderte Boko Haram auf,  die Schülerinnen sofort freizulassen. Den Mädchen Leid zuzufügen,  verstoße gegen "die Lehren des Islam und seine toleranten  Grundsätze", hieß es in einer Erklärung. Das Institut gilt Sunniten  in aller Welt als oberste Instanz für religiöse und juristische  Fragen.

Die Hollywood-Schauspielerin Angelina Jolie verurteilte die  Entführung als besonders unmenschlich. "Die Entführung der jungen  Mädchen in Nigeria ist von einer unvorstellbaren Grausamkeit",  sagte die Sondergesandte des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in  Paris.

Boko Haram kämpft seit fünf Jahren für einen islamistischen Staat  im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias und verübt regelmäßig  Anschläge auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Schulen  und Kirchen. Etwa 1500 Menschen wurden bei Angriffen allein in  diesem Jahr getötet.

In dem Bekennervideo sagte Boko-Haram-Chef Shekau: "Ich habe  gesagt, dass die westliche Bildung aufhören muss, Mädchen, ihr  müsst die Schule verlassen und euch verheiraten." Der Name Boko  Haram heißt übersetzt etwa: "Westliche Bildung ist Sünde." afp/AZ

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