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Wein

12.12.2018

Warum einige Österreicher den „Zweigelt“ umbenennen wollen

Weintrauben der Sorte Zweigelt – ihr Name ist umstritten.
Bild: Sebastian Willnow, dpa

Die Rotweinsorte Zweigelt ist überaus beliebt. Doch es gibt ein Problem - die Nazi-Vergangenheit ihres Namensgebers. Wie der Wein in Zukunft heißen soll.

Es ist bezeichnend für den österreichischen Umgang mit seiner NS-Vergangenheit, dass erst jetzt das Augenmerk auf den Winzer Friedrich „Fritz“ Zweigelt gerichtet wird. Die einen mögen die Aufregung für übertrieben halten. Andere dagegen wollen die nach dem Steirer benannte Rotweinsorte Zweigelt, eine Kreuzung aus St. Laurent und Blaufränkisch, umbenennen. Denn Zweigelt war ein glühender Nazi.

Heißt der Zweigelt künfitg "Blauer Montag" oder "Rotburger"?

2019 soll ein ausführliches Buch über die NS-Vergangenheit der Weinbranche erscheinen, das die „Österreich Wein Marketing GmbH“ derzeit erarbeiten lässt. Angefacht wurde die Diskussion über Zweigelt aber vor allem durch das Buch „Der Wein des Vergessens“ des Historikers Robert Streibel, der die Arisierung jüdischer Weingüter in der Wachau untersuchte. Streibel ist zudem einer der Initiatoren der Aktion „Abgezweigelt“, die am Montag mit Unterstützung des „Institut ohne direkte Eigenschaften“ in einer Pressekonferenz die Forderung nach der Umbenennung erhob. Die Gruppe steht in gewisser Weise in der Tradition der Aktionskünstler um Otto Muehl. Doch auch zwei Winzer gehören dazu: Friedl Umschad aus dem nördlichen Weinviertel und Maximilian Brustbauer aus der Wachau.

Sie kündigten an, Zweigelt ab 2019 unter dem Namen „Blauer Montag“ zu verkaufen. Der Name dürfte sich wohl kaum durchsetzen – realistischer erscheint da schon der alte Name „Rotburger“. Friedrich Zweigelt hatte die Sorte 1922 gezüchtet und so genannt. Lange blieb es dabei; erst 1975, als er längst tot war, erhielt die Rotweinsorte durch die Qualitätsweinverordnung den Namen Zweigelt. Für Österreich ist dieser Wein ein wichtiges Exportgut. Mit 42,3 Prozent der bebauten Rotweinfläche steht er an zweiter Stelle hinter dem Grünen Veltliner, der auf 47 Prozent (der Weißweinfläche) angebaut wird.

Friedrich Zweigelt war 1933 in die damals noch verbotene NSDAP eingetreten, ein überaus früher Zeitpunkt für Österreich, das 1938 ans Deutsche Reich „angeschlossen“ wurde. Er profitierte davon – vor allem nachdem er einen Augustinerchorherren wegen Mitgliedschaft in einer Widerstandsgruppe an die Gestapo verraten hatte.

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