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USA

06.11.2017

Warum es zum Massaker in Texas kam

Menschen beteten für die Opfer der Schüsse in einer Kirche.
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Menschen beteten für die Opfer der Schüsse in einer Kirche.
Bild: Suzanne Cordeiro, AFP Photo

Ein Mann feuert in einer Kirche in Sutherland Springs um sich. Mindestens 26 Menschen sterben im Kugelhagel. Ein religiöser Fanatiker? Ermittler gehen von einem anderen Motiv aus.

Johnnie Langendorff fährt mit seinem Truck durch die staubigen Straßen nahe San Antonios. Dann kommt er an einem Holzkirchlein vorbei, der „First Baptist Church“. Es ist die Kirche des 350-Seelen-Ortes Sutherland Springs. Ihm fällt ein Auto mit laufendem Motor und aufgerissener Tür auf. Er hält an.

Jetzt sieht er, wie ein in Schwarz gekleideter Mann mit einer Waffe zum Auto läuft. Hinter ihm ein anderer. Mit Gewehr. Es fallen Schüsse. Der Flüchtende springt ins Auto, rast davon. Kurz darauf steht der Mann mit dem Gewehr neben Langendorff. Er erzählt ihm von dem Massaker in der Kirche und sagt: „Wir müssen den Kerl kriegen.“

Langendorff ist Zeuge einer der schlimmsten Bluttaten in den USA der vergangenen Jahre. Er schildert ansehnlich, was er erlebte, nachdem der 26-jährige Devin Patrick Kelley in die zum Sonntagsgottesdienst versammelte Gemeinde gefeuert hatte. Kelley metzelte 26 Menschen im Alter von fünf bis 72 Jahren nieder. Darunter Angehörige von drei Generationen einer Familie, Kinder, eine Schwangere. Kelleys Motiv: „Familienstreitigkeiten“. Die Tat habe keinen rassistischen oder religiösen Hintergrund, sagte ein Vertreter der texanischen Sicherheitskräfte am Montagabend unserer Zeit. Man wisse, dass der Täter wütend auf seine Schwiegermutter gewesen sei, hieß es. Diese habe die Kirche in der Vergangenheit besucht. Am Sonntag allerdings war sie nicht dort. Kelley war wegen Misshandlung seiner ehemaligen Frau und Kinder vorbestraft und 2014 unehrenhaft aus der Air Force entlassen worden.

Massaker in Texas: Todesursache des Schützen unklar

Das alles kann Johnnie Langendorff nicht wissen. Während der Verfolgungsjagd hält er am Sonntag via Notruf Kontakt mit der Polizei. Etwa 15 Kilometer außerhalb von Sutherland Springs kommt das Auto des mutmaßlichen Täters plötzlich von der Straße ab und rauscht in einen Graben. Langendorff, erzählt er, hält zehn Meter vor dem Auto. Sein Beifahrer springt heraus und zielt auf den Mann im Auto. „Er rief ihm zu: Ergib dich! Aber es bewegte sich nichts mehr.“

Kurz darauf ist die Polizei vor Ort – und stellt den Tod des schwarz gekleideten Mannes fest. In dessen Auto finden die Beamten die mutmaßliche Tatwaffe, ein Nachbau des AR-15-Schnellfeuergewehrs der US-Armee, sowie weitere Waffen und Munition. Ob er sich selbst das Leben nahm oder an den Folgen des Schusswechsels in Sutherland Springs starb, ist unklar. „Er hat so viele Menschen verletzt, so viele Leben beeinflusst, warum sollte er nicht aus dem Verkehr gezogen werden?“, fragt Langendorff.

Trump zum Texas-Massaker: "Hat mit Waffen nichts zu tun"

Die Menschen in dem Örtchen rätseln noch darüber, warum ausgerechnet Sutherland Springs zum Schauplatz des blutigsten Massakers in der Geschichte des Waffen liebenden US-Bundesstaates Texas wurde, da liefert Präsident Donald Trump aus Japan bereits eine Erklärung. Es handele sich um eine „teuflische Tat“ einer Person, die offensichtlich „mentale Probleme“ habe. „Das hat mit Waffen nichts zu tun.“

Wie andere führende Republikaner bietet Trump den Angehörigen der Opfer Gebete und Gedanken an. Der zum Tatort herbeigeeilte Gouverneur von Texas, Greg Abbott, mischt sich unter die Angehörigen, die am Sonntagabend bei einer Kerzenandacht der Opfer gedenken. Ihm stehen Tränen in den Augen. An seiner Einstellung zum US-Waffenrecht ändert sich nichts. Ein Massaker wie in Sutherland Springs lasse sich leider kaum verhindern. Er und Parteifreunde raten zu mehr Waffen in den Gotteshäusern.

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Die Diskussion ist geschlossen.

06.11.2017

Solange die Amerikaner auf ihr Waffenrecht besehen, jeder kann sich Kreigswaffen kaufen, werden diese Masaker weiterhin zum Alltag in den USA gehören.

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06.11.2017

Immer die alte Leier - das Waffenrecht. Sind Sie wirklich so naiv zu galuben, wissen können Sie es nicht, daß Sie hier, in Europa, keine Waffen PROBLEMLOS bekommen? ES ist nur eine Frage des Geldes.

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06.11.2017

Ja, daß weiss ich schon auch, nur hat halt nicht jeder Verrückte schnell eine Waffe in diesem Ausmaß zu Hand. In D. bekommst halt schnell eine Pistole, aber nicht so einfach ein Schnellfeuergewehr.

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