Newsticker
Von der Leyen: EU muss sich auf russischen Gas-Stopp vorbereiten
  1. Startseite
  2. Panorama
  3. Werbung: Literaturkritiker Karasek rezensiert den Ikea-Katalog

Werbung
25.08.2015

Literaturkritiker Karasek rezensiert den Ikea-Katalog

Hellmuth Karasek bespricht den Ikea-Katalog.
Foto: Screenshot, AZ

Literaturkritiker Hellmuth Karasek rezensiert in einem unterhaltsamen Video den Ikea-Katalog. Dabei fällt ihm so einiges auf und ein.

Moment mal, sitzt unser Kritiker da nicht im Ohrensessel Strandmon, Bezug Nordvalla hellgrau, 199 Euro, neu im Ikea-Katalog 2016? Und die Bücherregeale im Hintergrund? Billy? Sogar das Wasserglas auf dem Tisch könnte Ikea sein – nämlich das Modell Pokal für 0,49 Euro.

Konsequent wäre es. Denn Hellmuth Karasek, der alte Haudegen aus dem „Literarischen Quartett“, rezensiert in 4:46 Minuten eben jenes „meistverkaufte Buch der Welt“, das in einer Auflage von 220 Millionen Exemplaren verbreitet wird. Titel „Die kleinen Freuden des Alltags.“ Verfasser: Ikea.

Tiefenentspannt (er hat das Setting dann wohl doch nicht selbst zusammenschrauben müssen) hängt Karasek im hellblauen Poloshirt im Ohrensessel und blättert in dem Dünndruck-Werk. Erstes Urteil: „Erzählt viel, aber es ist vollgemüllt mit Gegenständen.“ Man habe es, sagt der 81-jährige Großkritiker, mit einem „möblierten Roman“ zu tun. Er liebe ja Bücher nicht so sehr, die sich aufdringlich mit Du an den Leser wenden, ja ihn regelrecht „anrempeln“. Das Duzen, lieber Hellmuth, ist allerdings inzwischen literarischer Stil in den großen Erzählungen der Massenkultur. Siehe Facebook, Apple, McDonald’s etc.

Karasek bespricht den Ikea-Katalog mit Humor

Der Literaturkritiker, der mit seiner Rezension des Katalogs kein Neuland betritt (Hans Magnus Enzensberger nahm sich schon vor Jahrzehnten den Quelle-Katalog vor), unterhält mit blumigen Zitaten („Gutenmorgenkuss der Sonne“) aus dem Millionenbuch, die er launisch kommentiert mit Sätzen von Sigmund Freud („Glück ist als Dauerzustand im Plan der Schöpfung nicht vorgesehen“) und sogar Goethe. Schiller bleibt außen vor.

Zwar moniert Karasek hier und da Sprachliches („Wir blinzeln mit den Augen...“ – ja womit denn sonst?) und deutet an, lieber ohne das Buch weiter zu dösen – doch ein wirklich böser Verriss ist das natürlich nicht. Der hätte diesen durchaus originellen Ikea-Werbespot dann auch aus der kuscheligen Komfortzone herauskatapultiert.

Weshalb der Ikea-Katalog übrigens auch mit der raffiniertesten Werbekampagne kein Bestseller werden kann, ist auch klar: Er wird nicht verkauft. Es gibt ihn umsonst.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.