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Kriminalität an Schulen

10.07.2019

Wie Schulen reagieren, wenn Jugendliche straffällig werden

In bestimmten Fällen kommen sogenannte Schulverbindungsbeamte an eine Schule und führen Präventionsmaßnahmen durch.
Bild: Lino Mirgeler, dpa (Symbol)

In Mühlheim an der Ruhr sollen Jugendliche eine Frau vergewaltigt haben. Die Stadt rät den Eltern, die Kinder nicht zur Schule zu schicken. Was Lehrer dazu sagen.

Eine Frau wird in Mülheim an der Ruhr in ein Gebüsch gezerrt und vergewaltigt. Der Fall ist schon schockierend genug, doch noch entsetzlicher ist, dass hinter der Tat eine Gruppe von fünf Kindern und Jugendlichen im Alter von zwölf bis 14 Jahren stecken soll. Als Konsequenz will die Stadt, dass die tatverdächtigen Kinder vorerst nicht mehr zur Schule gehen.

Man wolle die Bezirksregierung Düsseldorf als Schulaufsichtsbehörde bitten, die Schulpflicht für die in Mülheim gemeldeten Tatverdächtigen für die jetzt laufende letzte Schulwoche vor den Ferien auszusetzen, sagte Sozialdezernent Marc Buchholz am Montag. Ob einer der mutmaßlichen Tatbeteiligten am Montag zum Schulunterricht gegangenen sei, wisse er nicht. Aber ist so was gängige Praxis? Wie reagieren Schulen auf straffällige Jugendliche?

BLLV-Präsidentin Fleischmann unterstützt "Time-Out"-Regelung

Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) war zwölf Jahre lang Schulleiterin an einer Grund- und Mittelschule. Sie findet eine solche "Time-Out"-Reglung - die straffällige Schüler kurzzeitig vom Unterricht ausschließt - manchmal die richtige Wahl. Den Vorfall in NRW will sie nicht kommentieren, sagt aber: "Mir ist es immer wichtig, zusammen mit den Eltern, der Polizei, dem Jugendamt, dem Schulleiter und Lehrern ein gemeinsames Netz zu spannen, um den vermeintlichen Täter auch wieder zu integrieren", sagt Fleischmann. So komisch es klinge, man müsse auch die Täter schützen.

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"Andere Schüler wissen meistens mehr als der Lehrer oder der Schulleiter", erklärt Fleischmann. Dank der sozialen Netzwerken heutzutage würden sehr schnell Unwahrheiten verbreitet. In erster Linie führe so ein Vorfall zu großen Irritationen unter den Schülern. "Vielleicht sind sie Freunde vom vermeintlichen Täter oder haben jetzt die Befürchtung, der Mitschüler kommt nie wieder zurück", sagt die BLLV-Präsidentin.

Markus Wörle, Amtsleiter des Staatlichen Schulamts der Stadt Augsburg, erklärt: "Bei so einen schlimmen Fall würden die Jugendliche nicht an dieselbe Schule zurückkommen." Grundsätzlich habe jede Schule ein eigenes Sicherheitskonzept, worin geregelt sei, wie eine Schule mit einer solchen Situation verfahren würde. "Straffällige Jugendliche werden auch oft von einem Schulpsychologen betreut", sagt Wörle.

In Bayern hat jede Schule einen Verbindungsbeamten von der Polizei

Häufen sich bestimmte Fälle wie Cyber-Mobbing oder bestimmte Straftaten, könne die Schulleitung zusammen mit einem Schulverbindungsbeamten der Polizei Präventionsmaßnahmen starten. "In Bayern hat jede Schule einen solchen Verbindungsbeamten", erklärt Wörle. Auch Fleischmann sieht darin eine große Chance: "Ich bin für die Strategie der Deeskalation." So muss auch in einer Lehrerkonferenz geklärt werden, was die Lehrer den Schülern sagen. Man wolle nichts vertuschen, aber will die Mitschüler auch schützen.

Präventionsmaßnahmen zusammen mit einem Schulverbindungsbeamten können dann Themen beinhalten wie, wann ist man strafmündig, wie sieht das Gesetz aus und was kommt auf den vermeintlichen Täter zu. "In solchen Stunden kann dann auch mal über die Berichterstattung oder Gesetzte gesprochen werden und das ist manchmal mehr wert als eine Stunde Mathe", sagt Fleischmann.

Bei der Polizeiinspektion Mitte in Augsburg ist Polizeihauptkommissar Ewald Ortmeier mit einem Kollegen für 15 Schulen im Augsburger Stadtgebiet zuständig. Sie treten immer dann an den Schulen in Erscheinung, wenn diese nicht mehr selber reagieren kann. "Dass kann Mobbing über die Sozialen Netzwerke sein, aber auch Gewaltdelikte bis hin zu Rauschmittelstraftaten", sagt Ortmeier.

Hauptkommissar aus Augsburg: "Zahl der straffälligen Minderjährige seit 20 Jahren unverändert"

Wie oft werden Minderjährige in Augsburg straffällig? Der Hauptkommissar Ortmeier sagt: "Die Zahl der straffälligen Minderjährige hat sich seit 20 Jahren nicht auffällig verändert." Schaut man in die Statistiken der Polizei Schwaben Nord kann man die Zahlen der vergangenen sechs Jahren einsehen. So waren 2014 693 Kinder (unter 14 Jahre) und 1886 Jugendliche (zwischen 14 und 18 Jahre) unter den Tatverdächtigen. Im Jahr 2018 waren es dagegen 648 Kinder und 1742 Jugendliche.

Ortmeiers Kollege führt vor allem Präventionen in den Schulen durch. 2018 hatte er 150 Stunden an den Schulen gegeben. "Diese Maßnahmen finden in der Regel unabhängig von Straftataten statt", sagt der Hauptkommissar. Inhaltlich gehe es dann um Gewalt, Sucht oder Mobbing in Sozialen Netzwerken. "Wir beginnen meist in der 5. Klasse, manchmal sogar schon in der 4.", erklärt Ortmeier. Alle Maßnahmen finden außerdem in Anwesenheit eines Lehrers statt. (mit dpa)

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