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23.01.2018

Wie die Marmeladen-Oma mit ihren Geschichten zum Youtube-Star wurde

Janik und seine Großmutter Helga Sofie Josefa. Der Enkel hat seine "Marmeladen-Oma" auf der Video-Plattform YouTube groß rausgebracht.
Bild: Created Media

Eine 86-Jährige ist dank ihres Enkels zum Internetstar geworden. Ihre Videos wurden fast zehn Millionen Mal geklickt. Mit ihren Geschichten will sie mehr Liebe in die Welt bringen.

„Es war einmal ein braver Bube, der filmte seine liebe Großmutter beim Vorlesen.“ So könnte das Märchen von der „MarmeladenOma“ beginnen. Doch die Geschichte von Helga Sofie Josefa, alias „MarmeladenOma“, und ihrem Enkel ist kein Märchen. Sondern ein wahrer Internet-Hype. Jeden Samstagabend streamt der 15-jährige Janik die „Märchenstunde“ seiner 86 Jahre alten Großmutter im Netz. Mittlerweile hat sie 190.000 Fans und ist ein Youtube-Star. Ihre Videos wurden seit Mai 2016 genau 9.997.210 Mal geklickt.

Internethype um Märchenstunde der "Marmeladen-Oma"

Als Janik den großen Plenarsaal des Berliner Abgeordnetenhauses betritt, wirkt er wie jemand, der nicht im Weg stehen möchte. Dabei sind viele der Gäste an jenem Tag Ende November nur wegen ihm und seiner Oma gekommen. Gleich wird den beiden vom Deutschen Zentrum für Märchenkultur die Auszeichnung „Goldene Erbse“ verliehen. Neben Janik stützt sich seine Oma Helga auf ihren Rollator. Auch wenn ihr das Gehen schwerfällt, wirkt sie so entspannt, als wäre sie ihr ganzes langes Leben vor großem Publikum aufgetreten.

Dass sie hier ist, hat sie Janik zu verdanken. Der besuchte einst jedes Wochenende seine Oma in Ettlingen in Baden-Württemberg. Sie spielten zusammen mit Lego, und bevor er zu Bett ging, las ihm seine Oma ein Märchen vor. Irgendwann war er dem Lego- und Märchen-Alter entwachsen und brachte einen Computer mit zu seiner Großmutter.

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Von nun an verbrachte er immer mehr Zeit vor dem Bildschirm. Weil er jedoch viel lieber wieder etwas mit anstatt nur neben seiner Oma machen wollte, überlegte Janik sich, wie man sein Interesse für Computer und Omas Leidenschaft für Geschichten unter einen Hut bringen könnte. Die Idee des Märchen-Livestreams war geboren. Und weil seine Oma die beste Marmelade der Welt koche, so Janik, nannte er das Format „MarmeladenOma“.

„Am Anfang waren wir eine schnuckelige Sendung mit ein paar treuen Fans, aber dann kam Gronkh“, sagt Helga Sofie Josefa, die nur ihre Vornamen in der Zeitung lesen will, ebenso Janik. Zum Schutz ihrer Privatsphäre. Es gibt wohl nur wenige 86-Jährige, die wissen, wer oder was „Gronkh“ ist. Gronkh, das ist einer der erfolgreichsten deutschen Youtuber mit mehr als 4,7 Millionen Abonnenten. Er war auf Helgas Märchen-Videos gestoßen. Kurz nachdem er diese seinen Fans empfohlen hatte, brach der Livestream unter dem Ansturm zusammen.

Die meisten Fans der "Marmeladen-Oma" sind junge Männer

Fast drei Viertel der 190.000 Abonnenten des Youtube-Kanals „MarmeladenOma“ sind männlich, über 60 Prozent zwischen 18 und 34 Jahre alt – und alle flüchten sich am Samstagabend offenbar gerne in eine heile Welt. Dann, wenn die „MarmeladenOma“ teilweise recht holprig Märchen vorliest, Fragen ihrer Fans beantwortet oder auch erzählt, wie sie als Kind vor 82 Jahren Weihnachten feierte. Dass ein böser Wolf mit Wackersteinen gestopft wird oder sich ein geküsster Frosch in einen Prinzen verwandelt, ist das Aufregendste, was hier passiert.

„Eigentlich ist es ein Wunder, dass ich Dinosaurier da überhaupt mitmache. Ich hatte früher eine regelrechte Abneigung gegen das Internet“, sagt Oma Helga. „Es hat mich gestört, dass die jungen Leute ständig am Computer sitzen und auf ihre Handys starren.“ Doch ihrem Enkel zuliebe wagt sich die Seniorin jeden Tag ein bisschen mehr von ihrer Märcheninsel ins digitale Neuland vor – und genießt sichtlich ihre unerwartete Popularität. Beinahe jeden Tag zwischen 20 Uhr und Mitternacht beantwortet sie inzwischen Fanpost. Für ihre Zuschauer ist sie zu einer Art Ersatz-Oma geworden. Ihr Rat ist gefragt.

86 Jahre, ein langes Leben. Mit vier Kindern, vier Enkeln, fünf Urenkeln – Helga Sofie Josefa hat viel gesehen. Doch in ihren Augen blitzt nach wie vor die kindliche Neugier eines Mädchens auf. Und dann sagt sie noch: Sie habe mit ihren Geschichten schon immer mehr Liebe in die Welt bringen wollen. „Ich bin sehr dankbar, dass dank Janik jetzt mehr Menschen meine Botschaft hören können.“

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