Newsticker
Bundes-Notbremse: Ausgangsbeschränkungen fallen weniger streng aus
  1. Startseite
  2. Panorama
  3. Wie ein Sportstudent Alexej Nawalny wieder fit machte

Konstanz

31.01.2021

Wie ein Sportstudent Alexej Nawalny wieder fit machte

Ende 2020 hielt sich Alexej Nawalny (links) zur Erholung im Landkreis Waldshut auf. Währenddessen hielt er sich fit – mit Personal Trainer Björn Leber fit.
Foto: Fitness- und Gesundheitszentrum ALBGYM

Plus Björn Leber studiert an der Universität Konstanz Sportwissenschaften und arbeitet als Personal Trainer. Sein bisher prominentester Klient: Alexej Nawalny.

Sobald Björn Leber das Apartment von Alexej Nawalny in Ibach im Landkreis Waldshut betrat, zählte für die beiden 90 Minuten lang nur der Sport. Dass Nawalny im August 2020 Opfer eines Giftanschlages gewesen war, wurde ausgeblendet. Dass der russische Politiker danach wochenlang im künstlichen Koma gelegen hatte, spielte ebenfalls keine Rolle. Die volle Konzentration und der gesamte Fokus galten dem einen, gemeinsamen Ziel: Alexej Nawalny so schnell es geht wieder fit zu bekommen.

Neun Wochen lang – von Mitte Oktober bis Anfang Dezember – trainierte Björn Leber den 44-Jährigen, der sich seinerzeit zur Erholung in Ibach aufhielt. Zu Beginn dreimal pro Woche, nachdem ersten Monat sogar viermal. Nervös war Leber, der sich erst kurz zuvor als Personal Trainer selbstständig gemacht hatte, trotz des enormen öffentlichen Trubels um Nawalny nicht. Und das, wie er selbst sagt, nicht einmal vor der ersten Einheit mit dem prominenten Politiker: „Ich wollte einfach gute Arbeit machen und habe versucht, mit ihm wie mit jedem anderen Klienten umzugehen. Das hat die ganze Sache für mich auch vereinfacht“, so der 23-Jährige aus Bernau gegenüber dem Südkurier. Dennoch sei ihm natürlich bewusst gewesen, dass „man so einem Klienten nicht allzu oft über den Weg laufen wird.“

Training mit Alexej Nawalny: Wie in einem James-Bond-Film

Und aufregend sei es allemal gewesen. Besonders, wie viele Personenschützer teilweise bei den Einheiten dabei waren: „Da standen einmal acht Menschen um Alexej und mich herum. Da kam ich mir schon mal kurz wie in einem James-Bond-Film vor.“ Der Polizeieinsatz bei den Trainings sei extrem gewesen. Beängstigt hat Leber das aber nicht. Vielmehr hat dem Sportwissenschafts-Studenten das Training große Freude bereitet. Nawalny sei extrem zielstrebig gewesen, antreiben hätte er ihn nie müssen: „Er ist ein Kämpfer. In jeder Trainingseinheit hat er 100 Prozent gegeben“, erzählt Leber, den die Einstellung des russischen Politikers fasziniert hat. „Ich habe ihn in den Wochen als einen Menschen kennengelernt, der immer nach vorne schaut.“

Trotz der Vergiftung mit dem Nervenkampfstoff Nowitschok habe der Russe wegen seines Gesundheitszustandes nie einen besorgten Eindruck gemacht, erinnert sich Leber: „Er wollte seinen Problemen immer mit Lösungen gegenüberstehen und war in jedem Training sehr positiv gestimmt. Zurückschauen war für ihn nie eine Option. Das hat sich auch in den Einheiten wie ein roter Faden durchgezogen“, erzählt Leber. Nawalny habe Training für Training extreme Fortschritte gemacht – und sich darüber auch gefreut.

Der russische Oppositionspolitiker in den Räumen der Black Forest Studios in Kirchzarten. Dort wurde das Enthüllungsvideo über den russischen Präsidenten Wladimir Putin gedreht.
Foto: Black Forest Studios

Zu Beginn hatte er laut Leber vor allem koordinative Probleme: „In diesem Bereich war er sehr angeschlagen“, sagt der Student und ergänzt: „Die Kraft fehlte ihm anfangs ebenfalls. Er konnte keine fünf Liegestützen machen, obwohl er eigentlich ein sehr sportlicher Typ ist. Er war vor dem Giftanschlag fast jeden Tag joggen.“ Leber habe daher mit ihm in allen Bereichen gearbeitet: Koordination, Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit. „Alexej hat viel geboxt, ist gegen Gegenstromanlagen geschwommen“, erzählt er. Auch Gummibänder oder leichte Gewichte waren Teil des Trainingsprogramms.

Seine guten Englischkenntnisse waren der Türöffner

Was Leber neben dem Training aber ebenfalls gefreut hat, ist, dass Nawalny auch an seiner Person großes Interesse gezeigt habe. Extrem höflich und respektvoll sei er gewesen: „Wir haben uns wirklich von Beginn an sehr gut verstanden. Wir haben über Gott und die Welt geredet.“ Auch Witze hätte man mit ihm machen können. „Er hat mir in der Zeit ein paar russische Wörter beigebracht, und ich ihm ein paar deutsche. Ich habe ihn auch meist auf deutsch gepusht“, sagt Leber, der sich ansonsten auf Englisch mit dem 44-Jährigen unterhielt.

Seine guten Englischkenntnisse waren für Leber auch der Türöffner. Sonst wäre es wohl gar nie zu dieser aufregenden Erfahrung gekommen. Wie der 23-Jährige erzählt, habe die Beraterin von Nawalny im Albgym in St. Blasien nach einem Personal Trainer angefragt, der gut Englisch spreche. „Ich habe damals in diesem Fitnessstudio gearbeitet. Der Inhaber hat mich dann gefragt“, sagt Leber, der zu diesem Zeitpunkt nicht die geringste Ahnung hatte, dass er bald einem derart bekannten Menschen helfen soll, wieder zu alter Stärke zurückzufinden. Erst am Abend vor dem ersten Gespräch mit Nawalny sei es ihm bewusst geworden: „Ich habe die Nachrichten geschaut und dann Eins und eins zusammengezählt“, sagt Leber. Und dann begann das Abenteuer, dass der Noch-Student wohl so schnell nicht vergessen wird – auch wenn er selbstkritisch anmerkt: „Ich war nur das Werkzeug für Nawalny. Umgesetzt hat er das alles ganz allein. Er ist ein Vorbild in Sachen Ehrgeiz.“

Lesen Sie dazu auch:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren