Newsticker
Neuer Höchstwert: Inzidenz bei 528,2 – 34.145 Neuinfektionen und 30 Todesfälle
  1. Startseite
  2. Panorama
  3. Frankreich: Wird der mysteriöse Vierfachmord in den Alpen doch noch aufgeklärt?

Frankreich
13.01.2022

Wird der mysteriöse Vierfachmord in den Alpen doch noch aufgeklärt?

Rückblick ins Jahr 2012: Ermittler und Gendarmerie stehen vor dem Wohnwagen, in dem die Familienmitglieder auf einem Campingplatz in Saint Jorioz in der Nähe von Annecy in den französischen Alpen Urlaub gemacht hatten.
Foto: Lionel Cironneau, dpa

Vor über neun Jahren wurden ein britisches Paar sowie die Mutter der Frau und ein zufällig vorbeigekommener Radfahrer ermordet. Es kommt Bewegung in den Fall.

Es war ein angenehmer Spätsommertag im September 2012, an dem der Brite William Brett Martin einen Radausflug in der Gegend um das Örtchen Chevaline am See von Annecy machte. Ein anderer Radfahrer überholte ihn, dann ein BMW mit britischem Autokennzeichen, gefolgt von einem Motorrad – flüchtige Beobachtungen, die später wichtig werden sollten. Denn kurz darauf kam William Brett Martin an einen Waldparkplatz, wo der BMW mit etlichen Einschüssen und laufendem Motor stand. Daneben lag der Radfahrer tot auf dem Boden. Ein blutüberströmtes Mädchen machte noch ein paar Schritte und brach zusammen. Im Auto lagen drei Menschen, jeweils ermordet durch mehrere Kopfschüsse.

Bei den Opfern handelte es sich um den Briten irakischer Abstammung Saad al-Hilli, seine Frau Iqbal und deren Mutter Suhaila al-Allaf. Erst acht Stunden später wurde ein zweites Kind, die vierjährige Zeena, unter den Beinen ihrer toten Mutter entdeckt – körperlich unversehrt, aber traumatisiert. Ihre Schwester, die siebenjährige Zainab, kam mit einer Schussverletzung an der Schulter und einem Schädelbruch, der ihr vermutlich mit dem Griff der Waffe zugefügt worden war, ins Krankenhaus. Die Familie hatte zum dritten Mal in Folge Urlaub in den französischen Alpen gemacht.

Bringt die Festnahme neue Erkenntnisse?

Der Vierfachmord vor mehr als neun Jahren gehört zu den ungelösten, mysteriösen Fällen der französischen Kriminalgeschichte. Trotz langwieriger Untersuchungen wurde der Täter nicht gefunden. Auch die Aussagen der beiden Mädchen ergaben nichts. Am Mittwoch dieser Woche aber wurde ein Mann festgenommen. Französischen Medien zufolge könnte er der gesuchte Motorradfahrer sein, an den sich der Radler Brett Martin erinnert hatte. Die U-Haft wurde am Donnerstag verlängert. Es gehe um die Überprüfung des Tagesablaufs, sagte die Staatsanwältin von Annecy, Line Bonnet-Mathis. Außerdem finde eine Wohnungsdurchsuchung statt. Von einem Durchbruch bei den Ermittlungen wollte sie nicht sprechen. Der Anwalt des Verdächtigen, Jean-Christophe Basson-Larbi, sagte, sein Mandant habe „das Gefühl, vielleicht zu Unrecht, für nichts in Untersuchungshaft zu sitzen“. Es liege ihm „am Herzen, zur Aufdeckung der Wahrheit beizutragen“.

Die Frage nach einem Motiv stellt sich weiterhin. Bei den al-Hillis handelte es sich um eine gutbürgerliche Familie, die seit Jahren in einem wohlhabenden Viertel Londons gelebt hatte. Saad al-Hillis Vater war einst vor dem Regime Saddam Husseins aus Bagdad geflohen. Nahestehende hatten ausgesagt, dass er seit mehreren Monaten unruhig und sorgenvoll gewirkt hatte. Lag es an dem Erbschaftsstreit mit seinem Bruder nach dem Tod des wohlhabenden Vaters? Dieser stand zeitweise unter richterlicher Kontrolle in Großbritannien. Gab es eine Verbindung mit al-Hillis Job als Ingenieur im Luftfahrtwesen und der Beteiligung am Bau ziviler Mini-Satelliten? Oder war der ebenfalls getötete Radfahrer, der dreifache Familienvater Sylvain Mollier aus der Region, das Hauptziel des Täters?

Noch ein Todesfall beschäftigt die Polizei

Obwohl die Familie für eine Woche einen Campingplatz reserviert hatte, wechselte sie nach zwei Tagen in einen anderen. Dort wollte ein Urlauber Zeuge eines „sehr heftigen“ Gesprächs zwischen al-Hilli und einem Besucher in einem Anzug geworden sein. Später kam heraus, dass der erste Ehemann von Iqbal al-Hilli, den sie bei einem zweijährigen Aufenthalt in den USA kennengelernt hatte, nur wenige Stunden nach dem Mord an einem Herzinfarkt gestorben war. Alles nur Zufall – oder eher nicht? Noch ist das Rätsel von Chevaline nicht gelöst.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.