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Fische
12.01.2022

Giftiges Petermännchen im Wasser: Was tun bei einem Stich?

Macht sich auf unschöne Art bemerkbar: Das Petermännchen attackiert auch Menschen und verpasst ihnen sein Gift.
Foto: Wolfgang Runge, dpa (Archivbild)

Petermännchen leben in Nord- und Ostsee. Und sie sind gefährlich für den Menschen. Denn die sich im sandigen Boden versteckenden Fische verströmen ein Gift, das eine Behandlung erfordert.

Sie mögen unscheinbar sein, doch eine Begegnung mit einem Petermännchen kann schwerwiegenden Folgen haben. Denn die Fische machen sich mit einem Stich bemerkbar und verpassen dem menschlichen Körper auf diese Weise Gift. Eine anschließende Behandlung ist unerlässlich. Wir klären auf.

Mit dem Gewöhnlichen Petermännchen ist eine der Arten dieser Familie auch in der Nordsee und der westlichen Ostsee anzutreffen - neben dem östlichen Atlantik und dem Mittelmeer. Dabei leben die in den meisten Fällen zwischen 20 und 30 Zentimeter messenden Tiere in Küstennähe und vergraben sich fast komplett im sandigen Boden, wo sie sich ideal tarnen können.

Petermännchen können ihr Gift an zwei Stellen verströmen

Charakteristisch sind die auf der Kopfoberseite liegenden Augen und die steil nach unten gebogenen Mundwinkel - was dem Petermännchen einen mürrischen Ausdruck verleiht. Es verfügt über zwei Rückenflossen. Die erste kleine hinter dem Kopf besteht aus Stachelstrahlen, in deren Längsfurchen sich das Giftdrüsengewebe befindet. Auch am oberen Rand der Kiemendeckel besitzt es Giftstachel.

Petermännchen zählen zu den Barschen und ernähren sich von Garnelen, Grundeln oder Leierfischen, denen sie eben regelrecht auflauern. Vor allem im Sommer zur Laichzeit nähern sie sich der Küste. Und genau da lauert die Gefahr für den Menschen: Denn weil die Fische, die wegen ihres Gifts auch „Kreuzotter des Meeres“ genannt werden, im Sand kaum zu erkennen sind, stellt so mancher unversehens seinen Fuß auf das Tier - und bekommt dann den Stachel zu spüren.

Das schon nach wenigen Minuten wirkende Gift ist flüssig und riecht laut NDR nach Ammoniak. Es enthält Serotonin und hitzeempfindliche Eiweiße. Ersterer Bestandteil verursacht sofortige Schmerzen, der zweite hat eine Histaminausschüttung mit Schwellungen und Rötungen zur Folge. Das Gewebe um die Einstichstelle erhitzt sich zudem rasch. Der direkt getroffene Teil stirbt ab, es bildet sich Schorf. Womöglich folgen Taubheit - vielleicht auch erst nach 24 Stunden - oder Kribbelgefühle.

Das Wissenschaftsmagazin GEO zitiert Dr. Martin Ebbecke vom Giftinformationszentrum Nord: „Die Verletzungen sind ausgesprochen schmerzhaft und die Symptome können Wochen, Monate, in seltenen Einzelfällen sogar über Jahre anhalten. Die Therapie orientiert sich an den Symptomen, ein spezielles Gegengift gibt es nicht.“

Symptome sind beispielsweise Kopfschmerzen, Fieber, Schwindel, Zittern, Bauchkrämpfe, Brechreiz oder Atemprobleme. Es kann sogar zu Krampfanfällen, einem Schock, einem Kreislaufkollaps oder Herzrhythmusstörungen kommen. Das Portal surf-arzt verweist darauf, dass die Schmerzen in den meisten Fällen auch ohne Behandlung nach wenigen Stunden abnehmen. Allerdings ist natürlich Vorsicht geboten.

Stich des Petermännchens kann auch zum Tod führen

Zumal es durchaus dazu kommen kann, dass betroffene Gliedmaßen absterben. Und auch Todesfälle sind nach einem Stich eines Petermännchens bekannt. Gefährlich wird es auch, wenn sich ein Opfer wegen der Schmerzen kaum noch über Wasser halten kann. Grundsätzlich gilt daher: So schnell wie möglich ans Ufer zurückkehren.

Der Stachel sollte sofort entfernt werden, hierfür kann auf eine Pinzette oder eine Hohlnadel zurückgegriffen werden. Hier betont surf-arzt: die Wunde nicht verschließen oder bedecken, da sich die Bakterien in dem Fall besser ausbreiten können.

Die betroffene Körperstelle sollte erhitzt werden. Etwa mit einem Fußbad für mindestens 15 Minuten in 40 bis 45 Grad heißem Wasser. Denn das Gift beginnt bei etwa 40 Grad damit, sich zu zersetzen. Hier wäre noch anzuraten, die Wassertemperatur erst von einem Nicht-Betroffenen testen zu lassen, denn durch den Stich ist das Temperaturempfinden verändert, weshalb Verbrühungen nicht auszuschließen sind.

Der NDR rät dagegen, die Wunde etwa mit einem Fön oder einem Anti-Mücken-Stick zu bearbeiten - bei mehr als 50 Grad. Auch das Gehen im heißen Sand kann Abhilfe schaffen.

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Giftiges Petermännchen: Was tun bei einem Stich?

Auch Schmerzmittel wie Ibuprofen sind nützlich, um die Reaktion auf die Vergiftung zu minimieren. Unerlässlich ist es aber, einen Arzt aufzusuchen, denn die Wunde muss fachmännisch versorgt werden. Gerade im Fall einer allergischen Reaktion. Hier werden folgende Tipps genannt: Bei Atemnot hilft eine sitzende Haltung, bei Schwindel sollten die Beine hochgelegt werden, Bewusstlose sind in die stabile Seitenlage zu bringen.

Der Arzt sollte laut surf-arzt eine Tetanus-Impfung geben, falls dies in den vorigen zehn Jahren nicht schon der Fall war. Denn ansonsten drohe ein lebensbedrohlicher Wundstarrkrampf. Sollte sich die Wunde infiziert haben, wird der Mediziner zudem Antibiotikatabletten verschreiben.

Zur Vorbeugung empfiehlt das Universitätsklinikum Bonn in gefährdeten Regionen beim Schwimmen oder Waten im flachen Gewässer Bade- oder Strandschuhe zu tragen. Angler sollten sich mit Handschuhen schützen, wenn sie ein Petermännchen an der Angel oder im Netz haben. Für Taucher gilt: Abstand halten, da die Tiere auch plötzlich angreifen können. Soll der Fisch verzehrt werden, muss dringend überprüft werden, dass alle Dornen und Stacheln entfernt wurden.

Klar ist: Vorsicht ist geboten in Nord- oder Ostsee. Wie der NDR berichtet, kommt es hier pro Jahr zu 30 bis 40 unliebsamen Begegnungen zwischen Mensch und Petermännchen. Und die zählen zu den giftigsten Tieren Europas.

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