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  3. Interview: Heinz Strunk: "Bei mir ist nur noch Backofenlampe"

Interview
07.08.2023

Heinz Strunk: "Bei mir ist nur noch Backofenlampe"

"Irgendwann hat man eben Käse im Kopf": Vor wenigen Tagen ist "ein dadaistisches und quietschbuntes Bilderbuch für Erwachsene" von Strunk erschienen – "Die Käsis".
Foto: Georg Wendt, dpa

Exklusiv Schriftsteller Heinz Strunk nennt sich einen Miesepeter und findet Comedy grauenhaft. Ein Gespräch über seine neuen Werke und die Serie "Last Exit Schinkenstraße".

Herr Strunk, jetzt, da alle Welt munter urlaubt: Sprechen wir über den deutschen Hang zur Miesepetrigkeit...

Heinz Strunk: Ich bin vielleicht der größte Miesepeter. Um mich herum sehe ich nur fröhliche, gut gelaunte und sich in Urlaubsstimmung befindliche Mitmenschen! Ich bemühe mich zumindest, meine schlechte Laune für mich zu behalten. Es gibt diese Erhebungen – je reicher ein Land, desto größer die Neigung dort zu schlechter Laune. Denken Sie ans Bahnfahren: Als ich mehr Geld hatte, bin ich von der zweiten zur ersten Klasse geswitcht. In der sind die Leute ewig gehetzt, gestresst und kurz angebunden.

Sie fahren nicht gern mit der Bahn?

Strunk: Ich hab meine Bahncard zurückgegeben und fahre jetzt nur noch Auto.

Entgeht Ihnen da nicht einiges? Stoff für Ihre Bücher etwa?

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Strunk: Deswegen muss ich mich dem Bahnfahren ja nicht mehr aussetzen. Meine Antennen sind ohnehin ständig auf Empfang. Nein, nein, ich hab ein schickes Mercedes-SL-Cabrio und fahre damit im Sommer auch lange Strecken über Land- und Kreisstraßen, Autobahn ist grauenhaft.

Sind die Sprüche, die Sie sammeln, ein Mittel gegen Ihre Miesepetrigkeit?

Strunk: Ich habe eine Zeit lang auch unfreiwillig komische Schlagzeilen aus der Bild-Zeitung gesammelt, ich sammele alles Mögliche. Ich habe zum Beispiel ein Dokument, das ich fleißig befülle. Wenn es passt, bediene ich mich daraus.

Was sind die aktuellen Einträge?

Strunk: Moment, ich hole es. Im Übrigen, statt Miesepetrigkeit könnte man auch weniger verharmlosend sagen: Es gibt Grund genug, die Welt als Jammertal zu begreifen. So, jetzt hab ich's: Moderator Carlo von Tiedemann sagte in einem Interview über sich, er werde vom Urgestein zum Kieselstein. Selbst ausgedacht habe ich mir als Synonym für "aus dem letzten Loch pfeifen": "Bei mir ist nur noch Backofenlampe." Und neulich hab ich das hier aufgeschnappt: "Das Einzige, was mich noch zusammenhält, sind meine Verspannungen."

Ihre Liste ist lang.

Strunk: "Manchmal muss man aus der Rolle fallen, um aus der Folie zu rollen" ist auch so ein dummer Spruch. Oder: "Stark ist, wer mehr Träume hat, als die Realität zerstören kann." Oder der hier: "Was du heute kannst entkorken, das verschiebe nicht auf morgen."

Und aus so einem Satz entsteht eine Strunk-Erzählung?

Strunk: Nein, das sind eher Gags. Auch wenn ich mich zur Hälfte als Humorist verstehe, schreibe ich doch überwiegend, was man zum Bereich Literatur zählt. Sicher, man kann mal vorsichtig einen Spruch einflechten, als direkte Figurenrede. Gags zu reißen, geht da allerdings gar nicht. Zumal meine letzten Bücher von großer Ernsthaftigkeit waren.

In Besprechungen – wie in Der Zeit über Ihren Erzählungsband "Der gelbe Elefant" – wird Ihnen immer wieder vorgehalten, Ihnen fehle Nachsicht, Mitleid und Erbarmen mit Ihren Figuren. Lesen Sie solche Rezensionen überhaupt?

Strunk: Natürlich. Ich bin immer wieder überrascht, wie extrem gut ich seit vielen, vielen Jahren wegkomme. Auch bei "Der gelbe Elefant" gab es in den großen Feuilletons im Grunde keine schlechte Kritik. Ich kann mich nicht beklagen.

Der Stern leitete einen Verriss so ein: "Als Teenie fand unsere Autorin den Roman ,Fleisch ist mein Gemüse' großartig. Heute findet sie die Bücher von Heinz Strunk nur noch ätzend."

Strunk: Das war so schlecht geschrieben und, aus meiner Sicht, so von Bösartigkeit geprägt, dass ich das nicht ernst nehmen kann. Ich bin wirklich empfänglich für Kritik, diese fand ich bescheuert. Was auch mir aufgefallen ist, ist die Kritik an meiner angeblich fehlenden Empathie. Ich kann da bloß gebetsmühlenartig wiederholen: Ich bemühe mich, so präzise wie möglich und nicht zynisch zu sein. Ich bin kürzlich über den Hamburger Sommerdom, ein riesiges Volksfest, geschlendert. Was und wer einem dort alles begegnet! Dagegen sind meine Schilderungen der Leute geradezu menschenfreundlich.

Kleines Lesebeispiel aus "Der gelbe Elefant": "Ihre gedrungenen Leiber scheinen aus lauter plumpen, runden Kugelformen zusammengesetzt; fröhlich, putzig, spanferkelig."

Strunk: Das ist doch harmlos. Ich frage mich, mit welchen rosaroten Brillen Menschen durch die Welt gehen, die mich für so etwas kritisieren. Dennoch akzeptiere ich es. Mit meinem Lektor habe ich besprochen, dass mein nächster Erzählungsband eine etwas andere Gewichtung haben wird – um mich dieser Kritik nicht länger auszusetzen. Außerdem will ich mich auch selber nicht langweilen.

Könnten Sie sich einen Politiker als Vorbild für eine Hauptfigur vorstellen?

Strunk: Bisher nicht, vielleicht wäre das ganz interessant. In meiner Geschichte "Der erledigte Experte" im gelben Elefanten wird ein Ministerpräsident in die Talkshow von Markus Lanz geschaltet. Bei dieser Figur musste ich tatsächlich an Markus Söder denken.

Wie ist das für Sie, wenn Sie in einer Talkshow zu Gast sind?

Strunk: Ich empfinde das als aufregend und anstrengend. Ich neige dazu, mich immer ein bisschen verrückt zu machen, und angeblich hängt viel davon ab, wie man performt. Mit wenigen Ausnahmen sind Talkshows aber zu einem grauenvollen Boulevardzirkus verkommen. Das ist schade. Ich wünschte mir eine andere Gesprächskultur, kritischeres Nachfragen – nicht nur die freundliche Vorstellung des neuen Buchs eines Autoren.

Strunks "quietschbuntes Bilderbuch für Erwachsene": "Die Käsis" ist eine Art Romeo-und-Julia-Roadmovie mit einem edlen Trüffel-Parmesan und einem einfachen Haushaltskäse in den Hauptrollen.
Foto: Repro: © 2023 Lappan Verlag In der Carlsen Verlag Gmbh

Ihr neues Werk heißt "Die Käsis", laut Verlag "ein dadaistisches und quietschbuntes Bilderbuch für Erwachsene".

Strunk: Das war insofern ein Experiment, weil ich so etwas noch nicht gemacht habe.

Es ist eine Art Romeo-und-Julia-Abenteuergeschichte über Käselinchen, ein edler Trüffel-Parmesan, und Käs, "ein industriell gefertigter, einfacher Haushalts-, Koch- und Schnäppchenkäse". Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Strunk: Irgendwann hat man eben Käse im Kopf. Lange habe ich Worte und Formulierungen zusammengetragen, die in eine Käsewelt passen, in einen Käse-Kosmos. Ich hab mich tief in die Materie eingefühlt. Und mir sind dann Wörter wie "Käsimatenten" gekommen. Oder: "käsigliches Lesevergnügen". Oder: "cheddarsche Felder".

"Die Käsis" sind wie ein wirrer Traum, den man auf Mallorca nach reichlich Sangria haben kann.

Strunk:... aber Alkohol und kreative Arbeit schließen sich gegenseitig aus. Wenn ich was getrunken habe, kann ich nicht mehr vernünftig arbeiten, das geht nicht. Und mit Drogen sowieso nicht.

Heinz Strunk (links) und Marc Hosemann als erfolglose Musiker, die Schlager-Stars in der Partyhochburg El Arenal werden wollen – in der Amazon-Prime-Video-Serie "Last Exit Schinkenstraße".
Foto: Pep Bonet/Juan Monserrat, Amazon Prime Video/dpa

Im Herbst sind Sie in der Amazon-Prime-Video-Serie "Last Exit Schinkenstraße" zu sehen – als erfolgloser Saxofonist, der Schlager-Star in der Partyhochburg El Arenal werden will.

Strunk: Für mich waren es 29 Drehtage, in Hamburg und auf Mallorca. Es war ungefähr das Gegenteil dessen, was über Til-Schweiger-Sets kolportiert wird: Es war ausgesprochen angenehm. Ich bin mal gespannt, wie die Serie ankommt. Vom Pitch bis zum Drehbeginn lagen nur zwei Jahre, das ist eine olympiareif kurze Zeit.

Sie haben auch das Drehbuch geschrieben und sagten, die Serie trete den Beweis an, dass "jenseits teutonischer Comedy-Tristesse, die das Land seit vielen Jahren in Humorlosigkeit erstarren lässt, mal wieder etwas von komischer Relevanz entstanden ist". Mit "heute-show" oder "Nuhr im Ersten" können Sie nicht viel anfangen, oder?

Strunk: Ich finde das alles grauenhaft, ob nun öffentlich-rechtliches Kabarett oder Comedy in den Privatsendern. Ich kann dem nichts, aber auch gar nichts abgewinnen. Comedy in Deutschland hat sich seit ihren Anfängen mit "RTL Samstag Nacht" zu Beginn der 90er wie eine Krake über uns gelegt. Wobei ich Olli Dittrich, Anke Engelke, Max Giermann oder Bastian Pastewka ausdrücklich von meiner Kritik ausnehme. Die verstehen ihr Handwerk! Mir kommt es vor, als sei diese deutsche Comedy ein ganzjährig verlängerter Arm des rheinischen Karneval; in drei Kölner Fabriketagen denken sich Autoren die immer gleichen Witze für ihre Comedians aus. Das ist traurig.

Sie wollen ernsthaft mit "Last Exit Schinkenstraße" zeigen, dass es anders geht?

Strunk: Genau, diesen Beweis will ich antreten. Und ich will diesmal etwas hinbekommen, das nicht nur Feuilletonisten erfreut. Loriot hat ja auch alle Schichten erreicht. Er ist bis heute ein Vorbild für intelligenten Humor, Gerhard Polt ebenfalls. So was schwebt mir vor.

Es gibt einen Gastauftritt von Ballermann-Sänger Mickie Krause. Haben Sie sich von ihm beraten lassen?

Strunk: Das musste ich nicht, ich habe ja selber jahrelang Tanzmusik gemacht. Das ist vom Prinzip her ähnlich. Es geht darum, Leute – darunter Betrunkene – zu unterhalten. Meine Kenntnisse vom Ballermann und der Partyszene auf Mallorca speisten sich ausschließlich aus Fernsehreportagen.

Die entsprachen der Realität?

Strunk: Eins zu eins! Unser Hotel war direkt vor Ort, für mich war das eine einmalige Erfahrung.

Also kein Urlaub in El Arenal?

Strunk: Fernreisen finde ich nicht erstrebenswert. Aber ich war erst zwei Wochen an der Ostsee, das mache ich schon mal.

Zur Person Heinz Strunk, 1962 in Hamburg geboren, heißt eigentlich Mathias Halfpape. Einem größeren Publikum bekannt wurde er Ende der 90er als Teil des für seine Telefonstreiche beliebten Trios "Studio Braun". Sein Romandebüt "Fleisch ist mein Gemüse" von 2004 wurde zum Bestseller. Für "Der goldene Handschuh" erhielt er 2016 den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis. "Es ist immer so schön mit dir" war 2021, "Ein Sommer in Niendorf" 2022 für den Deutschen Buchpreis nominiert. "Die Käsis" ist bei Lappan erschienen (80 Seiten, 19 Euro).

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