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König Charles III. muss Monarchie in die Gegenwart führen

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Nach dem Tod der Queen muss Charles die Monarchie in die Gegenwart führen

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    Charles ist nach dem Tod seiner Mutter nun König.
    Charles ist nach dem Tod seiner Mutter nun König. Foto: Frank Augstein/Pool AP, dpa

    Königin Elizabeth II. ist tot. Damit geht eine Ära zu Ende. Noch im Juni 2022 feierte sie ihr 70. Thronjubiläum und Millionen von Britinnen und Briten huldigten dem Leben ihrer 96-jährigen Queen. Kein anderer Monarch in der äußerst langen Geschichte des Königreichs saß länger auf dem Thron. Dabei wirkte sie bis ins hohe Alter fit, hatte vor der Pandemie noch immer zahlreiche Termine wahrgenommen.

    Während aber ihre Ururgroßmutter, Queen Victoria, das goldene Zeitalter Britanniens geprägt hatte, ist unter der Herrschaft Elizabeths II. das Empire zerfallen, die Macht und der Einfluss des einstigen Weltreichs sanken stetig. Stand sie 1952 noch als Staatsoberhaupt 32 Nationen vor, war der Kreis im Laufe der Jahre auf nicht einmal die Hälfte zusammengeschrumpft. Hinzu kommt, dass die Monarchie in der Bevölkerung an Gefallen verliert. Zwar unterstützten laut Umfragen zum 70. Jubiläum noch 62 Prozent der Briten die Krone, doch die Zustimmung nimmt seit Jahren ab. Ohne Königin Elizabeth II. als Konstante dürfte der Rückhalt im Volk weiter sinken und das nicht nur, weil die jüngeren Generationen mit Skandalen und Streitereien an alte Zeiten anknüpfen.

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    Nach dem Tod der Queen: Rolle der Royals sollte kritischer gesehen werden

    Die Queen diente als Kitt für die von Klassen geprägte Gesellschaft, war beliebt und respektiert für ihren unermüdlichen Dienst im Auftrag der Krone. Sie bewahrte sich diese unumstrittene Rolle auch deshalb, weil sie in all den Jahren politisch neutral auftrat und sich öffentlich keine Meinungen erlaubte. Nun soll Charles die Zukunft des Königreichs gehören. Sie zu gestalten gleicht einer Herkulesaufgabe. Denn die Royals verkörpern in all ihrer Traditionsverbundenheit bis heute das alte Britannien, das in der Vergangenheit gefangene Establishment. Der Queen verlieh das Charme und Autorität, sie war eine Frau ihrer Zeit. Aber es ist wenig wahrscheinlich, dass die Intransparenz und Antiquiertheit der Institution noch sehr viel länger von den Untertanen abgenickt werden. Zumindest wäre es zu hoffen.

    Im aktuellen Großbritannien mit all seinen Problemen und Herausforderungen sollte die Rolle der Royals weitaus kritischer interpretiert werden als dies in vielen Medien und politischen Kreisen heute der Fall ist. Die Strategie, die Palastvorhänge stets nur einen winzigen Spalt weit aufzuziehen, mag für die Königin und ihren im letzten Jahr verstorbenen Mann Prinz Philip funktioniert haben. Es ist aber nicht die Zukunft, wie Prinz Harry und Herzogin Meghan erst zeigten, als sie diese mit aller Wucht herunterrissen. Man kann die Art der Sussexes, auf der Weltbühne schmutzige Wäsche zu waschen, nun gutheißen oder ablehnen. Aber die Enthüllungen haben doch eine dysfunktionale Familie wie auch einen steifen, gefühlskalten Apparat offenbart.

    Tod von Elizabeth II.: König Charles muss ein Modernisierer werden

    Auch deshalb lässt sich der von Prunk, Pomp und Pracht geprägte Traum vom royalen Märchen heute nicht mehr mit derselben Strahlkraft verkaufen wie damals, als Elizabeth II. übernahm. Will das Königshaus auch im 21. Jahrhundert eine gewisse Relevanz in der Gesellschaft bewahren, die über Palastbalkonszenen und Krankenhauseinweihungen hinausgeht, braucht es einen Modernisierer. Kann dies der neue König sein?

    Zwar wird der engagierte Klimaschützer einen eigenen Stil auf dem Thron pflegen und schon seit Jahren ist er der Treiber hinter einer Verschlankung des Hofs, durch die die Zahl der arbeitenden Royals reduziert wurde. Ob der 73-Jährige aber, sollte er in den kommenden Jahren die Krone tragen, grundlegende Reformen durchsetzen und die Monarchie in die Gegenwart führen wird, darf bezweifelt werden.

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