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Polizeiruf-Kolumne
29.01.2022

Überdrehter Start für das neue Brandenburger "Polizeiruf"-Duo

Die Polizeiruf-Kolumne schreibt in dieser Woche Andreas Frei.
Foto: Montage AZ

In "Hildes Erbe", dem neuen Brandenburger "Polizeiruf 110", kämpft Kommissar Raczek mit sich selbst, dem neuen Kollegen Ross und einem schrillen Drehbuch.

Ist doch so: einmal Kotzbrocken, immer Kotzbrocken. Und das, oh ja, kann Kriminalhauptkommissar Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) sein, wenn er mal wieder nicht geschlafen hat, der Nachschub mit Aufputschmitteln stottert und nicht alle nach seiner Pfeife tanzen.

Olga Lenski, die frühere Kollegin in Frankfurt (Oder), hat sich auch mit schöner Regelmäßigkeit die Zähne an ihm ausgebissen. In seinem letzten Fall, quasi dem Übergangs-„Polizeiruf“ von der deutsch-polnischen Grenze, hat sich Raczek an der Seite einer anderen Ex-Kollegin ausnahmsweise mal am Riemen gerissen. Aber als er nun in „Hildes Erbe“ (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD) vor seinem neuen Partner steht, mustert er ihn von oben bis unten, rümpft die Nase, schweigt erst herablassend und haut später die klare Ansage raus: „Zusehen, zuhören und von mir lernen.“ Kotzbrocken eben.

Raczek und Ross sind ein denkbar ungleiches "Polizeiruf"-Duo

Kann dem Unterhaltungsfaktor ja ganz zuträglich sein. Zumal der Neue, Kommissaranwärter Vincent Ross (André Kaczmarczyk), das komplette Gegenmodell zu Raczek ist: Psychologiestudium in der Tasche, einfühlsam, besonnen. Und dann die Optik: Bei der ersten Begegnung trägt er Rock, rund um die Augen war dunkler Kajal am Werk. Ross ist queer. Wie bitte, fragen Raczeks Augen, er und ich?

Der Neue und der Alte im Brandenburger "Polizeiruf": Vincent Ross (Andre Kaczmarczyk, links) und Adam Raczek (Lucas Gregorowicz).
Foto: Thomas Ernst, rbb/dpa

Doch wie von Zauberhand hocken die zwei schon nach ein paar Minuten einträchtig bechernd vor dem Grill. Kurz darauf zeigt Ross dem überdrehten Kollegen Entspannungsübungen auf offener Landstraße, und würde sich Raczek nicht gerade noch seiner Kotzbrockigkeit besinnen, lägen sich die Ermittler unter der Sonne Brandenburgs brüderlich in den Armen.

Das allein ist hart an der Grenze zur Überzeichnung. Aber da sind ja noch ein Mord und eine ganze Armada an Verdächtigen. Es wird endgültig schrill. Ein toter Student liegt – Überraschung! – ausgerechnet über Ross’ neuer Wohnung. Der Verblichene hat sich zuvor, weil notorisch klamm, von einem Notar ein Papier erschlichen, das ihn als alleinigen Erben seiner unheilbar kranken Großmutter Hilde ausweist. Einer Tyrannin sondergleichen, die 800.000 Euro in zwei Plastiktüten aufbewahrt.

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Ins Fadenkreuz gerät: ihr unterbemittelter Sohn. Die psychisch kranke Enkelin. Die eifrige Pflegekraft, die natürlich auch scharf auf die Kohle ist. Ihre vorbestrafte bessere Hälfte. Haben wir jemanden vergessen? Es fliegen die Fetzen, jeder zweite Finger hinterlässt irgendwo einen Abdruck, plötzlich liegt Rattengift rum und – zack: noch ein Todesfall. Minimum ein paar Umdrehungen zu viel.

Wird das trotzdem was mit Raczek/Ross? Mit einem besseren Drehbuch – warum nicht? Am Ende sagt Raczek zu Ross: „Schön, dass du da bist“ – und geht ihm an die Gurgel. 1:0 für den Kotzbrocken.

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