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Wetter
28.03.2022

Polarwirbel reißt ab: Wird es zu Ostern eisig kalt?

Eiskristalle kleben auf Gräsern und einem Löwenzahn auf einer Weide. Auch in diesem Frühling droht laut Wetterprognosen ein Kälteeinbruch.
Foto: Arno Burgi, dpa

Der Zerfall des Polarwirbels über dem Nordpol bringt jährlich Kältephasen mit sich. In diesem Frühling ist der Wirbel früher als gewöhnlich abgerissen.

Der März ist für viele, die sich nach dem Ende des grauen Winters auf mehr Sonne und das Erblühen der Natur freuen, ein wahrer Wonnemonat. In diesem Jahr könnte der Frühlingsmonat mit dem Hochdruckwetter sogar Rekorde brechen, seit die Aufzeichnung im Jahr 1951 begann: Die Anzahl der Sonnenstunden hat bereits den Wert überschritten, der sonst für einen kompletten Durchschnittsmärz gilt. Doch die Wochen mit blauem Himmel, vielen Sonnenscheinstunden und höheren Temperaturen könnten demnächst vorbei sein. Mit Beginn der kommenden Woche kann es noch einmal kalt werden und es könnte sogar Frost und leichten Schneefall geben.

Grund dafür ist ein sogenannter Polarwirbel, der über dem Nordpol zerfällt und somit das Ende des atmosphärischen Winters einleitet. Der Polarwirbel bezeichnet einen in der Höhe existierenden Tiefdruckwirbel. Dieser verstärkt sich jedes Jahr im Winter, wenn sich die Sonneneinstrahlung ändert und weniger Sonne die Atmosphäre in dieser Höhe erwärmt. Zwei Hochdruckgebiete, die von Mitteleuropa und vom Nordpazifik kommen, bedrängen das Kaltluftband über dem Nordpol.

Infolgedessen kommt es dazu, dass der Polarwirbel durch die beiden Druckgebiete geteilt wird. Dadurch kann sich keine sehr kalte Luft über dem Nordpol mehr bilden. Der Polarwirbel kann sich auch abschwächen, wenn sich die Stratosphäre, die zweite Schicht der Erdatmosphäre, stark erwärmt. Seit dem 19. März dieses Jahres ist der Polarwirbel schon nicht mehr über dem Nordpol wirksam, wie Meteorologinnen und Meteorologen beobachten. Meteorologisch kommt der Polarwirbel jährlich erst im September wieder. Diese Änderung geht meist mit einem Kälteeinbruch einher, denn die eisigen Luftmassen des zerschnittenen Polarwirbels bewegen sich von Norden aus in Richtung Süden.

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Die frühlingshafte Temperatur könnte dann also bis Ende März in Mitteleuropa, Nordamerika und Asien abkühlen. Erwartet wird, dass es in Norddeutschland schon ab Montag, 28. März, wieder kälter wird, im Süden Deutschlands hingegen wohl erst ab Mitte der Woche. In der ersten Aprilwoche könnte uns laut verschiedenen Wettermodellen eine zweite Kältephase erwarten. Statistisch dürfte es dann um Ostern, genau am 15. April am Karfreitag, erneut kühler werden. Ende April erwarten Meteorologen die sogenannten Eisheiligen, die damit bereits zwei Wochen früher, als es normalerweise der Fall ist, eintreffen würden. Klar ist aber auch: Wettervorhersagen für einen längeren Zeitraum sind nur bedingt aussagekräftig.

Der Zusammenhang zwischen den abfallenden Temperaturen und dem Zusammenbruch des Polarwirbels zeigte sich in den vergangenen 20 Jahren immer wieder. Erfahrungsgemäß erreicht die Kaltluft Mitteleuropa rund eine Woche, zwei Wochen und acht Wochen nach dem Zerfall des Polarwirbels. So könnte auch die diesjährige Vorhersage aufgrund der Wettermodelle sowie Mittelfristprognosen eintreffen. Die Kaltlufteinbrüche dürften aber aller Wahrscheinlichkeit nach von nicht allzu langer Dauer sein. Zudem gibt es jährliche Schwankungen, da die Prognosen lediglich einen Trend abbilden und die Vorhersage so nicht immer exakt eintrifft.

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Auffallend ist, dass der Polarwirbel seit mehr als 35 Jahren nicht mehr so früh wie in diesem Jahr abgerissen ist. Durchschnittlich bricht dieser erst am 21. April zusammen. Zudem konnte sich der anfangs starke Polarwirbel in den letzten Wintermonaten nicht mit dem tieferliegenden troposphärischen Polarwirbel verbinden, wie es in den letzten Jahren jedoch der Fall war. Die Troposphäre ist die unterste Schicht der Erdatmosphäre. Deshalb ist unser Winter milder und unregelmäßiger als gewöhnlich ausgefallen und die Kaltluft erreichte stattdessen östliche Mittelmeerregionen. Das komplexe Zusammenspiel zwischen Polarwirbel und anderen Luftdruckgebieten kann sich also auch auf größere Gebiete auswirken.

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