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Zahlreiche Lawinen-Unglücke in Tirol: So viel müssen Betroffene für Bergungseinsätze zahlen

Tirol

Zahlreiche Lawinen-Unglücke in Tirol: So viel müssen Betroffene für Bergungseinsätze zahlen

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    Bei einer Lawinenbergung sind neben mehreren Rettungskräften auch häufig Hubschrauber im Einsatz. Das kann für die Geretteten schnell teuer werden.
    Bei einer Lawinenbergung sind neben mehreren Rettungskräften auch häufig Hubschrauber im Einsatz. Das kann für die Geretteten schnell teuer werden. Foto: Bergrettung Salzburg/APA, dpa (Symbolbild)

    Tirol gilt als Paradies für Wintersportler: Ob Skifahrer, Snowboarder, Rodler oder Winterwanderer – hier ist für jeden etwas geboten. Doch in den verschneiten Tiroler Alpen kommt es auch immer wieder zu gefährlichen Situationen. Neben Unfällen oder Zusammenstößen auf der Skipiste besteht für Wintersportbegeisterte vor allem im freien Gelände ein erhebliches Risiko durch Lawinenabgänge. In den vergangenen Monaten häuften sich Rettungseinsätze, bei denen Menschen aus den Schneemassen befreit werden mussten. Warum Betroffene bei einer Lawinenbergung meist hohe Kosten zu tragen haben und rund um dieses Thema nun eine Diskussion entbrannt ist, lesen Sie hier.

    Wie viele Lawinen-Unglücke gab es diesen Winter in Tirol?

    In der Wintersaison 2025/2026 sind bis Ende Februar 26 Menschen in Österreich durch Lawinenabgänge ums Leben gekommen. Ein außergewöhnlich hoher Wert im Langzeitvergleich, wie das Österreichische Kuratorium für Alpine Sicherheit (ÖKAS) in einer Pressemitteilung einordnet. In den vergangenen zehn Jahren wurden pro Winter im Schnitt 16 Lawinentote verzeichnet, im Zeitraum bis Ende Februar lag der Mittelwert bei elf. Die meisten Todesfälle in der bisherigen Wintersaison ereigneten sich in Tirol. Dort kamen 13 Wintersportlerinnen und Wintersportler durch Lawinenunfälle ums Leben.

    Allein in der Woche vom 16. bis 22. Februar 2026 wurden in dem Bundesland über 250 Lawinenabgänge registriert, teilte die Tiroler Landesregierung via Pressemeldung mit. Mehr als 500 Rettungskräfte rückten zu rund 40 Einsätzen aus. Dabei seien Wintersportlerinnen und Wintersportler auf verschiedenen Kommunikationskanälen umfassend vor der hohen Lawinengefahr gewarnt worden, merkt Harald Riedl von der Lawinenkommission des Landes Tirol an. „Vielfach mangelt es nicht an der Information, sondern am Bewusstsein und der Akzeptanz“, wird er in der Pressemitteilung zitiert. Gerade unerfahrene Personen würden die Gefahr häufig unterschätzen und trotz erhöhter Lawinenwarnstufe beim Skifahren oder Wandern ungesichertes Gelände betreten.

    Lawinen-Rettungseinsatz in Tirol: Wer trägt die Kosten?

    Wer in Tirol aus einer Lawine befreit werden muss, trägt die Kosten für den Rettungseinsatz selbst. Anders als in anderen Alpenregionen ist dieses Verfahren in ganz Österreich schon lange üblich, erklärt das ÖKAS. Egal, ob Berg-, Pisten- oder Flugrettungsdienste: Die meisten alpinen Rettungsorganisationen würden die Kosten, die bei einem solchen Einsatz entstehen, bei der verunfallten Person in Rechnung stellen. Im Todesfall müssten in der Regel die Angehörigen die Kosten übernehmen, erklärt Versicherungsexperte Manuel Maringgele laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa)

    Wie hoch sind die Kosten, die Betroffene in Tirol für eine Lawinenrettung zahlen müssen?

    Die professionelle Lawinenbergung erfordert nicht nur Schnelligkeit und Know-how, sondern auch erhebliche materielle und personelle Ressourcen auf Seiten der Rettungskräfte. Dementsprechend entstehen bei einem solchen Einsatz meist hohe Kosten für die Geretteten. Nach Angaben des Österreichischen Alpenvereins werden für einen 40-minütigen Einsatz eines Rettungshubschraubers in der Regel zwischen 5000 und 6000 Euro fällig. Die zusätzlichen Kosten für die Bergretter würden sich oft ebenfalls im vierstelligen Bereich bewegen, teilte der Verein der dpa mit. 

    In einem Bericht des ORF werden die Kosten für die Rettungskräfte genauer aufgeschlüsselt. Die österreichische Bergrettung arbeite mit bundesweit einheitlichen Pauschalen, erläutert der Sprecher der Bergrettung in der Steiermark, Enrico Radaelli: „Ein Kleineinsatz beläuft sich auf aktuell 306 Euro pro Stunde, ein Standardeinsatz auf 612 Euro, und ein Großeinsatz auf 1124 Euro pro Stunde. Wenn Spezialkräfte wie Hundeführer, Ärzte oder Notfallsanitäter zusätzlich benötigt werden, gibt es hier noch einen Aufpreis.“

    Wird die Alpinpolizei zu einem Rettungseinsatz gerufen, wägt diese im Einzelfall ab, ob sie die Kosten an den Verunfallten weitergibt. Laut Alpinpolizist Gerhard Rieglthalner passiert das hauptsächlich dann, „wenn sich jemand grob fahrlässig einer Gefahr für Leib und Gesundheit ausgesetzt hat“, etwa weil die Person keine passende Ausrüstung bei sich trägt. Die Kostenpauschale für einen Beamten belaufe sich pro Stunde auf 34 Euro. Setzt die Alpinpolizei einen Hubschrauber ein, würden zusätzlich 54 Euro pro Flugminute berechnet.

    Nach einem Lawinen-Rettungseinsatz seien viele Betroffene „verwundert über die Höhe der Rechnung“, die sie anschließend vorgelegt bekommen, berichtet Versicherungsexperte Manuel Maringgele im Gespräch mit der dpa. Im Extremfall könnten sich die Bergungskosten sogar auf 15.000 bis 20.000 Euro aufsummieren. Je nach Leistungsumfang übernehmen manche private Unfallversicherungen allerdings die Kosten, die bei einem Rettungseinsatz anfallen. Daher rät Maringgele jedem, der plant, im Hochgebirge Wintersport zu betreiben, vorab seinen Versicherungsschutz darauf zu prüfen.

    Diskussion um Rettungseinsätze im Wintersport: Sollten Versicherungen die Kosten nicht mehr übernehmen?

    Im Zuge der hohen Anzahl tödlicher Lawinen-Unglücke in dieser Wintersaison forderte die Tiroler Landesministerin für Sicherheit, Astrid Mair, im Interview mit der Kronen Zeitung, dass Versicherungen die Kosten für Lawinen-Rettungseinsätze bei grob fahrlässigem Verhalten der Verunfallten nicht mehr übernehmen sollten. Wenn Appelle keine Wirkung zeigten, müsse man über die Einführung zusätzlicher Maßnahmen nachdenken, argumentierte die Ministerin laut dpa. „Erfahrungsgemäß ist es so, dass nur hohe Einsatzkosten, die verrechnet werden müssen, nachhaltig wirken“, so Mair. „Wenn Tourengeher oder Variantenfahrer bei Stufe vier im Gelände einen Einsatz auslösen, sollen sich die Versicherungen ihr Geld zurückholen.“

    Bei verschiedenen Wintersport- und Rettungsverbänden stieß Mairs Vorschlag auf Ablehnung. In einer gemeinsamen Pressemitteilung sprachen sich unter anderem das ÖKAS, der Österreichische Alpenverein, der Verband der Österreichischen Berg- und Skiführer und der Bundesverband des Österreichischen Bergrettungsdiensts gegen den von Mair ins Gespräch gebrachten „Versicherungsentzug“ aus. Dieser sei „nicht zielführend“ und könne nicht zur Vermeidung von Unfällen beitragen, heißt es in der Stellungnahme. Stattdessen solle verstärkt auf präventive Maßnahmen wie die „Optimierung des Informationsflusses“ im Zusammenhang mit Lawinengefahren gesetzt werden.

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