Tirol zieht im Winter zahlreiche Skifahrer, Snowboarder und Wanderer in die Berge. Die verschneiten Hänge bergen aber auch Gefahren: Immer wieder kommt es zu Unfällen auf der Piste, zu Schlägereien in den Skiorten oder auch zu lebensgefährlichen Situationen.
So auch bei einem Tiroler Bergführer: Gleich bei seinem allerersten Sucheinsatz kam es zu einem lebensgefährlichen Vorfall, wie er in einem Facebook-Video der Tiroler Tageszeitung berichtete. Vor etwa zehn Jahren verschüttete ihn eine herabfallende Lawine. Acht Minuten lang war er unter dem Schnee verschüttet – „wie durch ein Wunder“, so die Tageszeitung, überlebte er. Die Schneemassen können einen aber schon viel früher in Lebensgefahr bringen. Wie lange überlebt man unter einer Lawine?
Lawinen in Tirol: Welche Gefahren drohen Wintersportlern?
Nicht alle Lawinen sind gleich gefährlich. Wie der Deutsche Alpenverein (DAV) erklärt, gibt es verschiedene Typen. Staublawinen rasen mit über 80 km/h den Berg hinunter und fegen alles mit, was ihnen im Weg steht. Lockerschneelawinen sind hingegen weniger gefährlich – können Skifahrer aber ebenso mitreißen.
Am gefährlichsten sind die Schneebrettlawinen. Sie sind laut dem DAV für rund 95 Prozent aller Lawinenunfälle mit Verletzungen oder Todesfolgen verantwortlich. Meist werden sie durch Menschen ausgelöst – oft reicht schon das Gewicht eines einzelnen Skifahrers, um ein ganzes Schneebrett ins Rollen zu bringen. Mit gewaltigen Folgen: Schneemassen von bis zu 1000 Tonnen können wie ein riesiges Brett den Hang hinunterrasen.
Winter in Tirol: Wie gefährlich ist es, von einer Lawine verschüttet zu werden?
Wer von einer Lawine erfasst wird, befindet sich laut dem DAV sofort in akuter Lebensgefahr. Betroffene sind dabei nicht nur dem Risiko ausgesetzt, unter der Schneemasse zu ersticken, sondern auch schwere Verletzungen durch das Aufprallen auf Felsen, Bäume oder andere Hindernisse zu erleiden.
Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes sterben rund 46 Prozent aller Lawinenopfer an Erstickung. Bleibt unter den Schneemassen keine ausreichend große Atemhöhle, sinkt der Sauerstoffgehalt durch die Atmung rasch ab, während der Kohlendioxidgehalt steigt. Die Folge kann eine CO₂-Vergiftung sein. Durch den Abfall des Sauerstoffanteils im Atemraum kann es innerhalb weniger Minuten zu schweren Hirnschäden oder sogar zum Gehirntod kommen.
Lawinenunfall in Tirol: Wie lange kann man unter einer Lawine überleben?
Acht Minuten unter einer Lawine festzustecken, mögen sich wie eine Ewigkeit anfühlen. Doch laut dem DAV sind sogar noch fast doppelt so lange Überlebenschancen möglich – allerdings nur, wenn man eine Atemhöhle hat. „Nach etwa 15 Minuten unter dem Schnee sinken die Überlebenschancen drastisch“, erklärt Christoph Hummel von der DAV-Sicherheitsforschung. „Ohne Atemhöhle erstickt man sogar innerhalb weniger Minuten“, so Hummel.
Laut dem Alpinmediziner Hermann Brugger sinken in den ersten 15 bis 20 Minuten unter der Lawine die Überlebenschancen von rund 90 auf knapp 30 Prozent. Für die folgenden 35 Minuten bleiben die Chancen auf einem ähnlichen Niveau, erklärt er gegenüber dem Tiroler Online-Portal tirol.orf.at, bevor sie danach weiter abfallen.
Bis die Bergwacht an dem Unfallort eintrifft, sind laut dem DAV-Sicherheitsforscher meist jedoch schon über 15 Minuten vergangen. Daher hat „die Kameradenhilfe erste Priorität“, wie er betont. Auch sogenannte Lawinen-Airbags können helfen, nicht vollständig verschüttet zu werden, sind aber Hummel zufolge auch „keine Wunderwaffen“.
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