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Chronik

25.01.2020

7 Fakten zum Massenmord im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau

Das NS-Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau gilt weltweit als Symbol für den Holocaust. Wichtige Fakten finden sich in der Übersicht.
Bild: Robert Michael, dpa

75 Jahre ist es her, seit das Vernichtungslager Auschwitz befreit wurde. Doch für viele tausend Häftlinge war das Grauen damit nicht vorbei. Wichtige Daten in der Übersicht.

„Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben ist barbarisch“ – so beschrieb 1949 der Philosoph Theodor W. Adorno den Kulturbruch des nationalsozialistischen Massenmords. „Auschwitz“ gilt bis heute als Inbegriff des Holocaust.

75 Jahre nach der Befreiung: Wichtige Daten zu Auschwitz-Birkenau

Das Wort und der Ort sind Chiffre für das unbeschreibliche Leid von Millionen Menschen, für den Versuch der Vernichtung der europäischen Juden. Die wichtigsten Fakten zum Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau - 75 Jahre nach der Befreiung.

Anfang des Grauens: Der systematische Judenmord begann mit der Erschießung Tausender Menschen nach dem Angriff des Deutschen Reiches auf Polen im Jahr 1939. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 stiegen die Opferzahlen sprunghaft an, 1942 wird auf der Wannsee-Konferenz die „Endlösung der Judenfrage“ beschlossen. Von 1940 bis 1945 sterben mindestens 1,1 Millionen Menschen in Auschwitz.

 

Systematisches Töten: Um mehr Menschen möglichst schnell töten zu können, bauten die Deutschen große Vernichtungslager mit Gaskammern. Auschwitz war das größte der nationalsozialistischen Lager. Es wurde im Frühjahr 1940 errichtet und stand im besetzten Polen. Der polnische Name der Stadt lautet Oswiecim. Das Lager war vorher eine Kaserne der Armee und hatte eine Bahnanbindung – für die SS also ideal, um die „Anlieferung“ von Häftlingen zu erleichtern. Im Jahr 1941 wurde auf Befehl von Reichsführer SS Heinrich Himmler wenige Kilometer weiter ein zweites Lager in Birkenau (Brzezinka) gebaut, dessen expliziter Zweck die Vernichtung von Menschen war: Auschwitz II.

Tödliches Gas Zyklon B: Sieben Gaskammern gab es in Auschwitz. Hier wurden die zumeist jüdischen Gefangenen mit dem Schädlingsbekämpfungsmittel Zyklon B ermordet – ein qualvoller Tod durch Ersticken. Zyklon B besteht aus Blausäure, das schon in geringen Dosen tödlich ist. Die Leichen wurden in fünf Krematorien und in drei Spezialgruben verbrannt.

Leiter des Lagers: Kommandant des Konzentrationslagers Auschwitz war viele Jahre lang Rudolf Höß. Er wurde im Jahr 1947 als Kriegsverbrecher zum Tod durch den Strang verurteilt und in Auschwitz hingerichtet.

Auschwitz-Birkenau: So wirkt der Massenmord bis heute nach

Todesmarsch gen Westen: Kurz vor Kriegsende, zwischen dem 17. und dem 21. Januar 1945, zwang die SS rund 56.000 Häftlinge zu einem Marsch nach Westen, weg von der näher rückenden Roten Armee. Viele von ihnen waren Zwangsarbeiter in den Außenstellen von Auschwitz. Auf den bis zu 250 Kilometer langen Märschen starben mindestens 9000 Häftlinge. Während einigen wenigen unterwegs die Flucht gelang, wurden viele der Überlebenden bei klirrender Kälte in offenen Bahnwaggons in die Konzentrationslager Buchenwald und Mauthausen gebracht.

Befreiung des KZ: In Auschwitz-Birkenau ließ die SS auf ihrer Flucht rund 7000 kranke und entkräftete Häftlinge zurück, die am 27. Januar 1945 von Soldaten der Roten Armee befreit wurden. Vorher hatten sie angesichts der erwartbaren Niederlage in einer einzigen Nacht noch 10.000 Häftlinge ermordet und Gaskammern und andere Beweise zerstört. 1996 erklärte der damalige Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar zum zentralen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus.

Wie Auschwitz nachwirkt: Mit Auschwitz haben Politiker immer wieder ihr politisches und gesellschaftliches Handeln begründet. Der damalige Außenminister Joschka Fischer leitete damit etwa die Wende in der bundesdeutschen Außenpolitik mit der Intervention im Bürgerkrieg in Ex-Jugoslawien ein. „Ich habe aus der Geschichte nicht nur gelernt: Nie wieder Krieg, sondern auch: Nie wieder Auschwitz“, sagte Fischer auf einem Grünen-Parteitag im Jahr 1999. Der Schriftsteller Martin Walser sprach hingegen von einer „Monumentalisierung der Schande“, es bestünde die Gefahr, dass Auschwitz zur simplen „Moralkeule“ verkomme. Dafür wurde er massiv kritisiert. Auch Rechtsextreme sprechen von einem „Schuldkult“.

Lesen Sie dazu auch das Interview mit der Augsburger Auschwitz-Überlebenden Ruth Melcer.

75 Jahre nach der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau hat ein Künstler 75 Holocaust-Überlebende in Israel porträtiert. Eine Auswahl an Bildern.
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Die Essener Ausstellung "Survivors" zeigt letzte Zeitzeugen des Holocaust
Bild: Martin Schoeller
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