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Iranische Presse startet Gegenoffensive

25.06.2009

BBC-Journalist soll schuld an Nedas Tod sein

Die getötete Neda ist zur Symbolfigur des Aufstandes der iranischen Opposition geworden.

Im Fall der getöteten Studentin Neda geht die ultrakonservative Presse Irans zum Gegenangriff über: Sie beschuldigt einen ausländischen Journalisten.

Teheran

, 25. Juni (AFP) - Im Fall der getöteten iranischen Studentin

Neda

geht dieultrakonservative Presse des Landes zum

Gegenangriff

über: Sogar einJournalist wird beschuldigt.

BBC-Journalist soll schuld an Nedas Tod sein

Zahlreiche Medien berichteten am Donnerstag, eine Untersuchung habe ergeben, dass es sich bei der benutzten Waffe um Schmuggelware handele. Die Zeitung "Watan Emrus", die Präsident Mahmud Ahmadinedschad unterstützt, beschuldigte sogar den inzwischen des Landes verwiesenen BBC-Journalisten Jon Leyne, den Mord für seine Dokumentation in Auftrag gegeben zu haben.

Neda Agha-Soltan war bei den Protesten gegen die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl erschossen worden. Die Bilder der blutenden und sterbenden jungen Frau, die noch immer nicht zweifelsfrei als echt identifiziert werden konnten, kursieren seit dem Wochenende im Internet und haben aus der Studentin eine Symbolfigur für den Widerstandskampf im Iran gemacht.

Ihr Verlobter hatte zu Beginn der Woche der BBC gesagt, Neda habe gar nicht an den Protesten teilgenommen. Sie sei nur zufällig in der Nähe aus dem Auto ausgestiegen. Er beschuldigte die islamische Bassidsch-Miliz, für den Tod seiner Verlobten verantwortlich zu sein. Auf seine Freundin sei "absichtlich" gezielt worden.

Mehrere iranische Zeitungen sahen die Schuld dagegen nicht bei den iranischen Sicherheitskräften. "Die Untersuchung ergab, dass jemand mit einer Schmuggelwaffe das Feuer auf mehrere Menschen in der Karegar-Straße eröffnete, und eine der Kugeln traf Neda Agha-Soltan in den Rücken", meldeten die Blätter unter Berufung auf die konservative Nachrichtenagentur Fars.

Fars schrieb unter Berufung auf eine ungenannte Quelle weiter: "Die Sicherheitskräfte haben in den vergangenen Wochen Dutzende Waffen des Typs sichergestellt, mit der sie getötet wurde. Diese Waffen sind vornehmlich über die westlichen Grenzen in den Iran geschmuggelt worden."

Zwei Wochen nach der Präsidentschaftswahl im Iran gerät außerdem die Protestbewegung zunehmend in die Defensive. Oppositionsführer Mir-Hossein Mussawi erklärte am Donnerstag, er werde von der Führung unter Druck gesetzt, seinen Widerstand gegen das Wahlergebnis aufzugeben. Der ebenfalls bei der Wahl unterlegene Kandidat Mehdi Karubi musste einen Trauermarsch zum Gedenken an die Toten bei den Protesten vorerst absagen.

Mussawi erklärte auf seiner Website: "Der jüngst ausgeübte Druck zielt darauf ab, dass ich meine Forderung nach Annullierung der Wahl aufgebe." Er werde jedoch nicht aufgeben, bekräftigte Mussawi und rief zur Fortsetzung der Proteste auf. Erst am Mittwoch hatte der dritte unterlegene Präsidentschaftskandidat Mohsen Resai seine Beschwerde gegen die Wahlergebnisse zurückgezogen.

Die Partei Karubis erklärte, es sei trotz aller Bemühungen nicht gelungen, in Teheran einen Ort für den geplanten Trauermarsch im Gedenken an die Opfer der Niederschlagung der Proteste zu finden. Schuld daran seien die "politischen Führer" des Landes. Die Zeremonie solle nun in der kommenden Woche stattfinden.

Das Innenministerium hatte zuvor alle Protestkundgebungen verboten. Während in der vergangenen Woche beinahe täglich zehntausende Menschen in Teheran auf die Straße gingen, wurden seit den blutigen Zusammenstößen vom Wochenende mögliche Demonstrationen im Keim erstickt.

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