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Baden-Württemberg
13.02.2021

Frau an Krebs erkrankt: Kretschmann tritt im Wahlkampf kürzer

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann will sein Amt als Ministerpräsident weiterhin uneingeschränkt ausführen.
Foto: Marijan Murat, dpa

Vier Wochen vor der Landtagswahl erkrankt die Ehefrau von Winfried Kretschmann an Brustkrebs. Was das für den Wahlkampf und die politische Zukunft des Grünen heißt.

Winfried Kretschmann ist das, was man einen Familienmenschen nennt. Wenn er einmal kleine Einblicke in sein Privatleben gewährt, dann sind es meist Geschichten über seine Enkel oder die Kinder, die er mit leuchtenden Augen erzählt. Eine Tochter lebt in Schottland, ein Sohn strebt in die Politik, der dritte ist Lehrer. Zusammengehalten aber wird die Familie von Gerlinde Kretschmann – seit 1975 verheiratet mit dem Ministerpräsidenten. Sie gilt als wichtigste Stütze des 72-Jährigen.

Einen Monat vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg wurde nun bekannt, dass Gerlinde Kretschmann an Brustkrebs erkrankt ist. Öffentlich gemacht hat es der grüne Ministerpräsident selbst. Er will in den kommenden Wochen den Wahlkampf reduzieren, um seiner Frau beizustehen. „Es geht ihr den Umständen entsprechend, aber es kommen nun schwere Zeiten auf sie zu“, ließ Kretschmann in einem persönlichen Statement wissen. „Ich will für sie da sein, so gut es geht.“ Seine Arbeit als Ministerpräsident werde er weiterhin „mit vollem Einsatz“ fortführen - schon das ist während der Pandemie mehr als ein Vollzeit-Job. Auch an der Spitzenkandidatur für die Wahl am 14. März ändere sich nichts. „Termine, die das Regierungsgeschäft nicht betreffen, werde ich aber nicht immer wahrnehmen können“, schreibt Kretschmann. „Ich brauche diese Zeit, um meiner Frau beizustehen.“

Winfried Kretschmann will seiner krebskranken Frau beistehen

Winfried Kretschmann steht seit zehn Jahren an der Spitze der baden-württembergischen Landesregierung. Der Grüne ist weit über die eigenen Parteigrenzen hinaus beliebt bei den Menschen. In aktuellen Wahlumfragen liegt er deutlich vor seiner Herausforderin von der CDU, Susanne Eisenmann. Es war unter anderem Gerlinde Kretschmann, die ihren Mann zu dieser dritten Spitzenkandidatur bewegt hat. Die 73-Jährige gilt als unkonventionelle „First Lady“ in Stuttgart. Mit ihren bunten Hüten, einem kreativen Kleidungsstil und ihren roten Locken fällt sie auf. Doch unterschätzen sollte die frühere Grundschullehrerin niemand: Gerlinde Kretschmann ist ein politischer Mensch, selbst seit Jahrzehnten bei den Grünen engagiert, war im Gemeinderat und im Kreistag. Ihren Mann unterstützt sie bei Empfängen, Auslandsreisen, öffentlichen Auftritten. Sie engagiert sich in vielen Feldern ehrenamtlich, unter anderem in der Brustkrebs-Früherkennung.

„Es ist ein anstrengendes Leben, aber auch wahnsinnig interessant“, sagte sie einmal in einem Interview. Nur eines will sie nicht: sich verbiegen lassen. Bei den Kretschmanns spricht man Dialekt, geht wandern und bleibt bodenständig – mögen die Berater im Hintergrund noch so viele PR-Kurse anbieten. Dass manche sie auf den ersten Blick für schrullig halten – was solls. „Was soll ich mich in meinem Alter noch verbiegen. Allen macht man’s eh nicht recht“, sagt sie. Auch ein Umzug in die Landeshauptstadt wäre für sie nicht infrage gekommen. Gerlinde und Winfried Kretschmann wohnen in Laiz im Kreis Sigmaringen.

Ein Trost: In Corona-Zeiten gibt es ohnehin kaum Wahlkampf

Ob die Krebserkrankung von Gerlinde Kretschmann den Wahlkampf in Baden-Württemberg doch noch stärker durcheinanderwirbeln wird als nur durch die Absage von Terminen, gilt zumindest als unwahrscheinlich. Der grüne Ministerpräsident gilt als großer Anhänger bürgerlicher Tugenden wie Pflichtbewusstsein. Er dürfte wissen, dass seine Partei ohne ihn ein gewaltiges Problem hat. Zwar hängen die Grünen die CDU derzeit in Umfragen weit ab – doch ein Großteil der guten Werte dürfte an der Person Kretschmann hängen. Ein Trost: In Corona-Zeiten gibt es sowieso kaum Wahlkampf, geschweige denn in Präsenz.

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