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Biontech-Gründer
10.11.2020

Wer ist das Gründer-Paar des Corona-Impfherstellers Biontech?

Ugur Sahin ist Vorstandsvorsitzender des Biotechnologie-Unternehmens Biontechund seine Frau Özlem Türeci medizinische Geschäftsführerin.
Foto: Biontech

Als Kinder türkischer Einwanderer haben Ugur Sahin und Özlem Türeci erst ihren Traum vom Arztberuf und dann von der Spitzenforschung verwirklicht. Nun ist das Ehepaar Deutschlands Corona-Hoffnung.

Den weißen Arzt-Kittel trägt der Mainzer Professor selten, wie man aus seiner Firma hört. Meist sehe man ihn dort im grauen T-Shirt; um den Hals ein dünnes Lederbändchen mit dem in vielen orientalischen Ländern beliebten „Nazar“-Amulett mit dem blauen Auge: Es soll seine Besitzer vor Unglück schützen.

Schutz bieten könnte Ugur Sahin (man spricht seine Namen Uhr Schahin aus) bald unzähligen Menschen vor dem Coronavirus. Nicht mythisch, sondern nach modernster Forschung mit dem lang ersehnten Impfstoff. Bald 100 Millionen Impfdosen lässt der Chef der Mainzer Biotechnologie-Pharmafirma Biontech herstellen und bei minus 70 Grad lagern.

Ihre erste Firma entwickelte ein Krebsmedikament

Gegründet hat der Sohn türkischer Einwanderer die Firma zusammen mit seiner Frau Özlem Türeci (Spricht man: Türedschi). Sie erforscht Krebserkrankungen, wie Sahin. Die in Niedersachsen geborene Arzttochter wollte schon als Kind Ärztin werden, wie ihr Mann, dessen Vater als Kölner Ford-Arbeiter in den sechziger Jahren die Familie aus der Südtürkei nach Deutschland holte. Extrem zielstrebig sind die beiden Topmediziner bis heute.

Schon kurz nachdem sie sich vor 20 Jahren an der Uniklinik im saarländischen Homburg kennengelernt hatten, gründeten sie das Pharmaunternehmen Ganymed, das ein revolutionäres Medikament gegen Speiseröhrenkrebs entwickelte. Und als die beiden mit Unterstützung zahlreicher Investoren 2008 Biontech schmiedeten, hatten sie ein noch größeres Ziel, wie Sahin kürzlich in einem Video-Interview seiner Mainzer Heimatzeitung verriet: „Wir wollten ein richtig großes europäisches Pharmaunternehmen aufbauen, aber das haben wir damals natürlich niemanden gesagt, weil das nicht glaubwürdig klingt.“

Das Forscher-Ehepaar hat noch große Ziele

Der Mainzer Uniklinik-Professor wirkt in seinem Auftreten bescheiden und zurückhaltend. Er redet ruhig konzentriert, wie ein Arzt im Patientengespräch vor einer Operation, bemüht alles einfach zu erklären: „Sie müssen sich das Virus wie eine Kugel mit Dornen vorstellen“, sagt er. Diese Dornen seien der Eingangsschlüssel in die menschliche Zelle. Sein aus 20 Kandidaten ausgewählter Impfstoff blockiert nicht nur die Dornen, sondern löst zudem noch die Produktion sogenannter T-Zellen aus: „Sie können Zellen erkennen, in denen sich das Virus versteckt hat und töten diese Zellen.“

Sahins und Türecis Clou ist, dass sie diese kräftige Immunantwort des Körpers nicht wie üblich mit einer Impf-Miniinfektion auslösen, sondern mit einem Botenstoff nur einen Teil des genetischen Bauplans des Coronavirus einschleusen. „Wir gaukeln dem Immunsystem die Infektion nur vor.“ Mit diesem völlig neuen Ansatz haben die beiden noch viel vor: „Wir möchten die Art und Weise der Krebstherapie revolutionieren“, sagt der Arzt und klingt auch mal unbescheiden.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Der Corona-Impfstoff wird umkämpft sein

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