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Bundestagswahl
02.08.2021

Ist Laschet zu lasch? Union befürchtet lahmen Wahlkampf

CDU-Chef Armin Laschet geht für die Union ins Rennen ums Kanzleramt. Aber ist er zu zaghaft?
Foto: Oliver Berg, dpa

In der Union wächst die Sorge, dass Armin Laschet im Wahlkampf nicht genug Engagement zeigt. Vor allem in der CSU wird gestänkert. Wer noch an Laschet glaubt.

Es war zwar nicht der ersehnte Befreiungsschlag im Bundestagswahlkampf, aber im stressgeplagten Unionslager wurden die Äußerungen von Armin Laschet mit einem Anflug von Erleichterung aufgenommen. Der CDU-Vorsitzende und Spitzenkandidat hatte sich in der Bild-Zeitung dafür ausgesprochen, Straffällige auch weiterhin nach Afghanistan abzuschieben. Endlich mal klare Kante, endlich mal ein Thema, in dem sich viele konservative Stammwähler wiederfinden konnten. Laschet als Law-and-order-Mann, das wäre so ein Profil, mit dem er sich absetzen könnte von seiner Konkurrentin Annalena Baerbock von den Grünen und dem sozialdemokratischen Konkurrenten Olaf Scholz.

Andererseits wissen die Strategen bei CDU und CSU auch, dass Afghanistan als Thema nicht lange trägt und schon gar nicht den erhofften Zuwachs in den Umfragen bringen wird. Da müsste mehr kommen, doch „das, was der Armin liefert, ist einfach nur lasch“, sagt ein christsozialer Abgeordneter, der damit die Stimmung im gesamten Unionslager offenbar ganz gut auf den Punkt bringt.

Corona wirkt sich auf die Wahl aus: Mehr wählen per Brief

Bei der CDU ist die Sehnsucht nach mehr Laschet-Power ebenfalls groß. „Die Wahlkampfmaschine muss jetzt anspringen“, fordert eine christdemokratische Spitzenpolitikerin vor dem Hintergrund der Erkenntnis, dass die Bundestagswahl 2021 anderen Regeln unterliegt als alle Wahlen davor. Wegen der Corona-Pandemie rechnen Wahlkampfstrategen wie CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak mit einer historisch hohen Zahl an Briefwählerinnen und Briefwählern. Die Konsequenz daraus: Die Hochphase des Wahlkampfs beginnt für die CDU bereits mit dem Zeitpunkt, an dem üblicherweise die Briefwahlunterlagen verschickt werden – sechs Wochen vor dem Wahltermin am 26. September. Und nicht erst, wie früher üblich, in den letzten Tagen vor der Wahl.

Dem Kanzlerkandidaten blieben demnach nur noch wenige Tage, um die nächsten Stufen der Wahlkampf-Rakete zu zünden und sich in den Beliebtheitswerten wieder an die Spitze zu setzen. Da sieht es für Laschet im Moment nicht gut aus. Könnte der Kanzler oder die Kanzlerin direkt gewählt werden, käme der Aachener nach Zahlen des Meinungsforschungsinstituts Insa für Bild am Sonntag auf nur 13 Prozent Zustimmung - zwei Prozentpunkte weniger als in der Vorwoche, in der Laschet bereits fünf Punkte verloren hatte. Besonders bitter für den 60-Jährigen: Scholz legte um einen Punkt auf 22 Prozent zu. Baerbock hingegen kommt wie Laschet in der Umfrage auf 13 Prozent.

Können Laschet, Baerbock und Scholz regieren?

Die Umfrage zeigt allerdings auch, dass die Mehrheit der Wahlberechtigten weder die Kandidatin noch die Kandidaten für fähig hält, das Land die nächsten vier Jahre zu regieren. Außerdem werden in Deutschland Parteien gewählt, nicht der Kanzler oder die Kanzlerin. Doch der Blick auf die Umfragewerte für CDU und CSU trägt nicht dazu bei, die Gemüter im Unionslager zu beruhigen. Werte um die 27 Prozent stehen da gerade in den Tabellen, das ist meilenweit entfernt von den 40 Prozent Zustimmung, über die sich die Union vor vier Jahren, Anfang August 2017, freuen konnte.

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Nach Einschätzung von CSU-Chef Markus Söder ist Armin Laschet an den schlechten Umfragewerten Schuld. Söder sagt das so direkt natürlich nicht, aber seine offiziellen Äußerungen in Kombination mit dem, was hinter vorgehaltener Hand aus dem CSU-Lager erzählt wird, lassen keinen anderen Schluss zu. Es empfehle sich, nicht nur auf die Fehler der anderen zu warten, sondern „einfach auch noch mal selbst zu stürmen und ein bisschen offensiv zu werden“, sagte der Bayer etwa am Sonntag im ZDF-Sommerinterview. Seine Sorge sei, dass der „seltsame Wahlkampf“ weiter dahinplätschere und die Union am Ende nicht stark genug sei, um die neue Regierung zu führen.

Zwei Parteifreunde? Kanzlerkandidat Armin Laschet (links) und Markus Söder.
Foto: Kay Nietfeld, dpa

CSU-Chef Markus Söder warnt vor Wahlniederlage

Söder handelt einerseits aus Kalkül. Der CSU-Chef baut für den Fall vor, dass es am Ende für die Union nicht reicht. Dann kann er am Wahlabend vor die Kameras treten und sagen, er habe früh genug vor der Niederlage gewarnt. Darüber hinaus wird die Sorge vor einem zu laschen Wahlkampf von Erfahrungswerten befeuert. Die Union hatte zwar im August 2017 um die 40 Prozent Zustimmung in den Umfragen. Doch am Wahltag kamen die Schwarzen nur auf knapp 33 Prozent, das schlechteste Ergebnis seit 1949.

 

Laschet muss aus Sicht der Bundestagsabgeordneten aus CDU und CSU auch deshalb noch deutlich zulegen, weil ein schwaches Wahlergebnis immer einen Verlust an Mandaten, Referentenposten, Einfluss und Geld bedeutet. Das gilt für den Fall einer möglichen Dreier-Koalition, weil unter anderem weniger Ministerien zu vergeben wären. Und noch mehr beim Verlust der Regierungsbeteiligung.

CDU vertraut auf Laschets Kampfgeist

Noch vertrauen sie aber vor allem bei der CDU auf Laschets Kämpferqualitäten. Abgeordnete verweisen beispielsweise darauf, dass er sich entgegen aller Prognosen als CDU-Bundesvorsitzender durchgesetzt habe. In Nordrhein-Westfalen habe Laschet zunächst scheinbar aussichtslos hinten gelegen und sich dann mit einem fulminanten Endspurt gegen Amtsinhaberin und SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft durchgesetzt.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet betrachtet in der Düsseldorfer Staatskanzlei das Bild seiner Amtsvorgängerin Hannelore Kraft.
Foto: Federico Gambarini, dpa

Bei der CSU sehen sie letzteres zwar anders. Dort herrscht die Lesart vor, Laschet habe nicht gewonnen, weil er so gut war. Er sei nur als Sieger durchs Ziel gegangen, weil Kraft so schlecht gewesen sei. Doch nicht alle Christsozialen sind pessimistisch. Der künftige Polit-Rentner Horst Seehofer beispielsweise stärkte dem Spitzenkandidaten demonstrativ den Rücken. Laschet werde Kanzler, sagte der Innenminister der Bild am Sonntag. Zähigkeit und Standfestigkeit habe er schon bewiesen, darüber hinaus bringe er „die wichtigste Eigenschaft für diesen harten Job mit: eine fröhliche Gelassenheit.“

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