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Corona-Impfstoff
06.01.2021

Könnten wir mehr Impfstoff derzeit überhaupt verimpfen?

Die Nachfrage nach dem Corona-Impfstoff ist riesig - das Angebot nicht. Doch könnten wir mehr Impfstoff derzeit überhaupt verimpfen?
Foto: Marcus Merk

Viel Kritik zielt zurzeit auf die Bestellung des Impfstoffes. Der Tenor lautet, es sei zu wenig bestellt worden. Aber könnte mehr Impfstoff überhaupt verimpft werden?

Gut eine Woche ist es her, dass Deutschland mit seiner Impfaktion gegen das Coronavirus begonnen hat. Große Hoffnungen liegen in dem Impfstoff und seiner Verteilung. Doch kaum dass die ersten Spritzen gesetzt wurden, hagelte es auch schon Kritik. Zu wenig Impfstoff, zu schleppende Verteilung, in anderen Ländern gehe es schneller voran: Die Bundesregierung und auch die EU-Kommission stehen unter Rechtfertigungsdruck. Immer lauter und massiver werden die Vorwürfe. Inzwischen gerät gar die Kanzlerin persönlich in die politische Schusslinie. Was aber ist dran an der Schelte? Eine Spurensuche.

Könnten wir zurzeit mehr Imfpstoff auch wirklich verimpfen?

Selbst wenn man – wie manche Bundesländer es tun – die Hälfte der Dosen für die nötige zweite Impfung zurücklegt, wurde noch längst nicht die gesamte Menge aufgebraucht. Ist die Debatte über mehr Impfdosen also bloße Theorie, weil wir gar nicht mehr Vakzin verimpfen könnten? Nicht unbedingt.

Die allererste Phase der Impfstrategie braucht am meisten Zeit: In Deutschland gibt es gut eine Million Bewohner von Pflege- und Altenheimen, die als erste von insgesamt sechs Bevölkerungsgruppen geimpft werden sollen. Die allermeisten sind nicht mehr mobil genug, um in eines der rund 400 Impfzentren gebracht zu werden, weshalb die Ärzte in Teams in die Senioreneinrichtungen fahren müssen, was einen großen Zeitaufwand bedeutet.

 

Allerdings leben in Deutschland insgesamt 5,4 Millionen Menschen im Alter über 80 Jahren. Zusammen mit über zwei Millionen Pflegekräften und medizinischen Beschäftigten in besonders gefährdeten Bereichen zählt allein die oberste Prioritätengruppe laut der Ständigen Impfkommission 8,6 Millionen Bürger. Allerdings stehen laut Bundesregierung im Januar nur drei bis vier Millionen Impfdosen zur Verfügung, bis März voraussichtlich 13 Millionen. Da jede Person für wirksamen Schutz zwei Impfdosen braucht, könnte nicht einmal die oberste Risikogruppe damit bis zum Frühjahr geimpft werden.

Das Hausärztenetz ist für die breite Impfung der Bevölkerung besonders wichtig

Mehr Impfstoff wäre deshalb tatsächlich nötig. Bayerns öffentliche 99 Impfzentren schaffen nur 30.000 Impfungen am Tag: Bei einer Doppelimpfung bräuchte es über zwei Jahre, zwölf Millionen Bayern durchzuimpfen. Deshalb ist für die breite Impfung der Bevölkerung das Hausärztenetz wichtig. Hier ruhen derzeit viele Hoffnungen auf dem Impfstoff von AstraZeneca. Er braucht nur eine unkomplizierte Kühlung, nur eine Einfachdosis und kostet einen Bruchteil. Er soll aber laut Studien mit gut 70 Prozent deutlich weniger wirksam sein als die hochmodernen teuren mRNA-Impfstoffe, die auf 95 Prozent Schutz kommen. Zudem können die Mittel von AstraZeneca derzeit wegen fehlerhafter Studien nur per Notzulassung wie in Großbritannien und Indien eingesetzt werden.

 

Sollte die Bundesregierung der Impfkommission und dem normalen Zulassungsverfahren weiter folgen, dürfte der erste Normalbürger ohne Risiko-Vorerkrankung unter 60 Jahren frühestens im Hochsommer oder Herbst geimpft werden können. Da aber viele Länder wie die USA schneller handeln, dürfte es bald eine Debatte über Notzulassungen und parallele Hausärzte-Impfungen geben. Das Beispiel der Grippeimpfungen zeigt, dass die 45.000 deutschen Hausärzte binnen weniger Wochen weit über zehn Millionen Menschen impfen können.

Lesen Sie dazu auch die weiteren Artikel aus unserem Schwerpunkt zum Thema Corona-Impfstoff:

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06.01.2021

Ich weiß gar nicht, warum sich alle Leute so aufregen. Grad bei uns in Deutschland haben doch ganz viele Leute gesagt, sie wollen sich NICHT IMPFEN lassen, und so getan, als würde eine Impfpflicht kommen. Und genau die jammern jetzt, dass es zu wenig Impfstoff gibt. Es ist doch schon mal ein Anfang gemacht, über 300.000 Menschen wurden bereits das 1. Mal geimpft und es werden jeden Tag mehr.

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06.01.2021

" Grad bei uns in Deutschland haben doch ganz viele Leute gesagt, sie wollen sich NICHT IMPFEN lassen, und so getan, als würde eine Impfpflicht kommen. Und genau die jammern jetzt, dass es zu wenig Impfstoff gibt. "

Diese Entscheidung müssen Sie ja jetzt auf absehbare Zeit nicht mehr treffen. Es gibt keinen Impfstoff! Nicht alle sind Impfgegener?

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06.01.2021

Hätte man frühzeitig mehr Impfstoff bei Biontech bestellt, wäre auch früher mehr produziert worden. Dieses Versagen verantwortlicher Personen wird tausenden Menschen das Leben kosten und evtl. zu weiteren Lockdowns führen. Das ist die traurige Wahrheit. Nun muss man eben versuchen, das Dilemma zu lösen und möglichst schnell nachproduzieren. Die Frage ist nur, ob diese Regierung dazu auch
fähig ist? Zweifel sind stark angebracht!

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06.01.2021

Hätte man früher mehr Impfstoff bei Biontech bestellt und wäre dieser Impfstoff noch nicht zugelassen, wären die Vorwürfe nun dieselben gewesen.

Mich wundert, dass man nun so gar keine Bedenken mehr hört gegen den 'genmanipulierten' Impfstoff. Da waren die Leute doch gar nicht so begeistert davon. Auch das könnte ein Kriterium gewesen sein, nicht ausschließlich oder zu sehr auf ihn zu setzen. Auch das enorme Kühlbedürfnis, das für Hausarztpraxen beispielsweise gar nicht zu leisten ist, ist ein Handicap dieses Impfstoffen. Alles in allem war es schon eher weitsichtig, Impfstoffe verschiedener Hersteller zu ordern.

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06.01.2021

"Alles in allem war es schon eher weitsichtig, Impfstoffe verschiedener Hersteller zu ordern."
Warum dann nicht bei Moderna, die lange die Nase vorne hatte? Warum ausgerechnet Sanofi, die als unzuverlässig gelten und im Rennen hinten waren? Warum hat man nicht bei ALLEN Impfstoffherstellern in ausreichender Menge bestellt? Den überschüssigen Impfstoff hätte man dann eben auch an ärmere Länder liefern können.

mRNA und DNA Impfstoffe sind beide Genimpfstoffe vom Spike Protein des Virus. Nur der eine wird als vollständige DNA in den Zellkern (mit Hilfe von Viren) geschleust und der mRNA, als Teil der Spike DNA, mit Hilfe von Nano-Lipiden in die Zellen zu den Ribosomen befördert, aber außerhalb des Zellkerns. So kann man sagen:

"mRNA-Impfungen versprechen ein besseres Sicherheitsprofil"

https://www.aerzteblatt.de/archiv/214122/Genbasierte-Impfstoffe-Hoffnungstraeger-auch-zum-Schutz-vor-SARS-CoV-2

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06.01.2021

"Die Frage ist nur, ob diese Regierung dazu auch
fähig ist?"
Nein.

So lange die klugen Vorschläge aus dem Gesundheitsministerium, mehr Impfdosen zu kaufen, von oben herab niedergebügelt werden, weil man die guten Beziehungen zu Frankreich nicht auf's Spiel setzen will, wird es hier auch keine Besserung geben.

Warum soll Deutschland nicht in Eingenregie bei einem deutschen Unternehmen, noch ein paar "Extradosen" kaufen?

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