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Pandemie

21.09.2020

Corona-Kurve steigt: So will Spahn kontern

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will mit einer angepassten Strategie die Ausbreitung des Coronavirus in der kalten Jahreszeit eindämmen.
Foto: Kay Nietfeld, dpa

Ärzte reagieren zurückhaltend auf die Forderung nach Fieberzentren. Chef-Virologe Drosten rechnet nicht mit einem neuen Lockdown.

Fröstelnd stehen rund zwei Dutzend Menschen mit Mund-Nasen-Masken frühmorgens in der Schlange vor einem Haus am Zabel-Krüger-Damm im Berliner Bezirk Reinickendorf. In dem Gebäude befindet sich eine von rund 30 Covid-19-Praxen in der Hauptstadt. Hier können sich Menschen testen lassen, die den Verdacht haben, dass sie sich mit dem Corona-Virus angesteckt haben. Der Andrang auf Einrichtungen wie dieser nimmt seit Wochen stetig zu. Einige der Wartenden werden bald erfahren, dass ihre Symptome nur Folge eines harmlosen Schnupfens sind. Für immer mehr Patienten aber bringt der Test nicht die erhoffte Entwarnung.

Seit die Urlaubszeit zu Ende ist und die Schule wieder begonnen hat, steigt die Zahl der Corona-Fälle massiv. 21 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen verzeichnet Berlin und ist damit Spitzenreiter unter den Bundesländern, knapp vor Bayern. Im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg liegt der Wert sogar bei 50. Auch andernorts in Deutschland zeigen die Corona-Kurven wieder nach oben. In München etwa wurden 55,6 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche verzeichnet.

Fieberambulanzen sollen Corona im Herbst eindämmen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Republik nun für den befürchteten weiteren Anstieg der Infektionszahlen in der kälteren Jahreshälfte wappnen. Dazu sollen deutschlandweit sogenannte Fieberambulanzen eingerichtet werden. Diese sollen zu zentralen Anlaufstellen für alle Patienten werden, die klassische Atemwegssymptome wie Husten oder Schnupfen aufweisen, die auf eine Corona- oder Grippeinfektion hindeuten können.

Wie Spahn der Rheinischen Post sagte, setze er darauf, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen solche Fieberambulanzen über die Arztpraxen vor Ort anbieten würden. „Konzeptionell gibt es die schon – sie sollten im Herbst idealerweise flächendeckend zugänglich sein“, sagte er. Für besonders von Corona bedrohte Menschen soll es Spahn zufolge spezielle Maßnahmen geben. „Wichtig ist, dass wir die besonders betroffenen Risikogruppen weiter besonders schützen und die Konzepte dafür im Alltag wieder schärfen“, so Spahn.

Testkapazitäten in den vergangenen Wochen enorm gesteigert

Vorbeugende Reihentests in den sensiblen Bereichen, etwa Pflegeheimen, seien ein fester Bestandteil der Teststrategie für Herbst und Winter. „Dort müssen wir den Eintrag des Virus verhindern. Es gilt weiter höchste Wachsamkeit“, warnte der Minister. Er erwartet, dass in Abstimmung mit den Ländern bis Mitte Oktober feststeht, wie die allgemeine Teststrategie für den Herbst und Winter weiterentwickelt wird. Bestandteil des Konzepts seien Antigen-Schnelltests ebenso wie neue Vorgaben des Bundesinnenministeriums zur Quarantäne-Zeit für Heimkehrer aus Corona-Risikogebieten. Die Testkapazitäten seien bereits enorm hochgefahren worden, sagte Spahn: „Allein in den letzten vier Wochen wurde etwa ein Drittel aller Tests seit Beginn der Pandemie gemacht.“

 

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung reagierte gegenüber unserer Redaktion zurückhaltend auf die Pläne des Bundesgesundheitsministers. Fieberzentren seien nicht überall das Mittel der Wahl. Ein Sprecher sagte: „Die niedergelassenen Ärzte können die Corona-Gefahr, die die beginnende kalte Jahreszeit mit sich bringt, flächendeckend bewältigen. Dazu setzen wir auf einen ganzen Strauß an Maßnahmen.“

Christian Drosten sieht Alternativen zu möglichen Lockdowns

Zu den Fieberzentren, wie sie das Bundesgesundheitsministerium vorschlage, gebe es in bestimmten Regionen Alternativen. Der Ärzte-Vertreter: „In dünn besiedelten Gebieten etwa bieten sich andere Möglichkeiten an. Dort werden die Ärzte etwa spezielle Fiebersprechstunden anbieten. Ebenso kann wieder verstärkt auf telefonische Sprechstunden und die telefonische Erteilung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen zurückgegriffen werden.“ Die Maßnahmen der Praxen zur Pandemiebewältigung würden sich nach den regionalen Erfordernissen richten. Voraussetzung für eine gelingende Corona-Strategie im Herbst sei es, „dass schnell die offenen Finanzierungsfragen geklärt werden und dass genügend Schutzausrüstung vorhanden ist.“

 

Mit einer Zunahme der Corona-Infektionen rechnet auch Christian Drosten, der Chef-Virologe der Berliner Charité. Dies müsse allerdings nicht zwangsläufig einen neuen Zwangsstillstand bedeuten. „Es ist natürlich so, dass man nicht immer gleich einen deutschlandweiten oder regionalen Lockdown braucht, weil man jetzt schon ein paar Sachen besser weiß“, sagte Drosten in Berlin. Er glaube, dass künftig eher bestimmte Bereiche des Alltags- und Berufslebens von Einschränkungen betroffen sein könnten. Dies werfe aber auch die Frage nach Kompensation auf, wenn es wirtschaftliche Auswirkungen gebe.

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