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Corona-Pandemie
11.06.2021

Corona in Brasilien: Kinder und Jugendliche leiden am meisten

Im Mineira-Slum in Rio de Janeiro sind medizinische Mitarbeiter unterwegs, um älteren Menschen, die ihre Häuser nicht verlassen können, eine Corona-Impfung zu verabreichen.
Foto: Bruna Prado/AP/dpa

Eine brasilianische Ärztin zeigt neue Ungerechtigkeiten in der Corona-Krise auf. Und sie sagt: Ein gutes Ergebnis hat die Pandemie in Brasilien hervorgebracht.

Für Margareth Dalcolmo, Ärztin und Professorin aus Brasilien, gibt es zwei große Widersprüche inmitten der Corona-Pandemie. Dass ausgerechnet aus dem Land, dessen Präsident auf die Frage nach den gestiegenen Todeszahlen, veranlasst durch das Coronavirus, mit „Na und?“ antwortete, der Ursprung der gefährlichen P.1-Mutante stammt, ist die eine Sache. „Dass eine unfassbare soziale Ungerechtigkeit herrscht“, ist für Dalcolmo ein weiterer Rückschlag in der Krise in Brasilien. Dem Land, in dem die Ärztin seit Monaten für wissenschaftliche und gesundheitliche Aufklärung kämpft.

Corona-Pandemie: Das Virus trifft vor allem Kinder und Jugendliche hart

Bei einem internationalen virtuellen Podiumsgespräch, das von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina gemeinsam mit der Brasilianischen Akademie der Wissenschaften organisiert wurde, diskutieren Expertinnen und Experten, welche Verhaltensweisen auch nach dem Ende der Pandemie und der Aufhebung staatlicher Einschränkungen weiter bestehen werden. Auch Margareth Dalcolmo ist dabei. Die Professorin aus Rio de Janeiro gilt als Tuberkulose-Spezialistin und nahm eine tragende Rolle als Expertin für Covid-19 und Lungenerkrankungen in Brasilien ein. Trotz aller Widerstände.

Die Brasilianerinnen und Brasilianer würden vor allem wegen des Virus leiden, das das Land besonders hart traf und immer noch trifft. Aber in zweiter Linie leide Brasilien an dem Mangel an Koordination und der Missinformation, zwei Faktoren, die durch die Regierung unter Präsident Jair Bolsonaro verschuldet seien, so Dalcolmo. Die verharmlosenden Aussagen Bolsonaros über das Virus haben primär die jüngeren Gruppen hart getroffen. Mit der brasilianischen Mutation, die aus dem Amazonas-Gebiet stammt, sei eine noch größere Gefahr für Kinder und Jugendliche entstanden.

 

"Schwarze und arme Menschen wurden ausgeschlossen"

Dalcolmo und die Forschenden mussten lange gegen eine Desinformationskampagne ankämpfen, die vom Oberhaupt des Landes gestreut wurde. Mittlerweile habe die Wissenschaft jedoch mehr Gehör, erzählt Dalcolmo. Die Aufklärung durch Experten, die in Zeitungen oder Fernsehsendungen veröffentlicht wurden, erreichten jedoch nur einen kleinen Teil der Bevölkerung: die Wohlhabenden. „Schwarze und arme Menschen wurden von der gesundheitlichen Aufklärung komplett ausgeschlossen“, sagt die Ärztin heute. 19 Millionen Menschen, die ein Leben unterhalb der Armutsgrenze führen, sowie weitere zwölf Millionen, die in Slums leben, würden keinen Zugang zu objektiven Informationen bekommen, erklärt Dalcolmo, da ihnen schlichtweg das Geld und der Zugang zu Fernsehnachrichten oder Zeitungen fehlen. Und auch das Virus breite sich dort schneller aus: In Bundesstaaten wie Sao Paulo ist die Übersterblichkeit der Schwarzen doppelt so hoch wie die der Weißen.

Bevölkerung registriert nun: Es gibt eine Wissenschaft

Eine große Errungenschaft sei für Dalcolmo deswegen folgende: „Das erste gute Resultat der Krise in Brasilien ist absurderweise, dass die Bevölkerung jetzt erkennt, dass es eine nationale Wissenschaft gibt und diese eine Stimme hat.“ Auch sie sprach als Expertin in Nachrichtensendungen in Brasilien – und wurde dafür ein bekanntes Gesicht. Das helfe bei der Bewältigung der Krise. „Mehr aber in einer affektiven Art, also dass die Leute sagen: Ah, du bist die Ärztin aus dem Fernsehen“, berichtet Dalcolmo. Doch was bleibt von der Corona-Krise? Das hängt nach Ansicht der Ärztin vom sozialen Status ab, der aktuell deutlich werde im Kampf um den Impfstoff – innerhalb des Landes, aber auch auf globaler Ebene.

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