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Krankheit

13.07.2013

Demenz - die Schicksalsfrage der Nation

Bild: Alexander Raths - Fotolia.com

In Bayern gibt es nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft inzwischen über 160.000 Demenz-Kranke. Ein Experte warnt: Künftig ist jede Familie betroffen.

Täglich erkranken 800 Menschen an Demenz. In Bayern gibt es nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft inzwischen über 160 000 Betroffene. Mit steigender Lebenserwartung und Zunahme der Hochaltrigen wird diese Zahl wachsen. Neuen Studien zufolge werden es bis zum Jahr 2050 mindestens doppelt so viele sein.

Demenz und Alzheimer längst Volkskrankheiten

„Demenz wird die Schicksalsfrage der Nation“, sagt der Münchner Pflegeexperte Claus Fussek unserer Zeitung. Er kritisiert eine „jahrzehntelange beschämende politische Diskussion“ des Themas. „Man definiert die Not politisch einfach weg.“ Demenz und Alzheimer seien aber längst Volkskrankheiten. Kaum eine Familie, die künftig nicht davon betroffen sein werde, sei es durch die Erkrankung an sich oder als pflegende Angehörige, erklärt Fussek und fordert: „Wir müssen eine gesamtgesellschaftliche Lösung finden, um diese Familien zu entlasten. Und um die Versorgung bezahlbar zu machen.“

Von der Leyen und Furtwängler stoßen Diskussion an

Angestoßen wurde die aktuelle Diskussion durch zwei prominente Frauen: Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und „Tatort“-Kommissarin Maria Furtwängler erzählten in einem Doppelinterview mit dem Süddeutsche Zeitung Magazin über die Erfahrungen mit ihren demenzkranken Vätern. Sie warnen dabei unter anderem vor Betrügern, die arglose Demenz-Patienten ausnutzen wollen.

„Mein Vater war vollkommenes Opfer von diesen Glücksspielen am Telefon“, sagte Furtwängler, hinzu seien jeden Tag „mindestens 20 Briefe“ gekommen, in denen zu angeblichen Millionen-Gewinnen gratuliert wurde. Furtwänglers Vater starb im vergangenen Jahr. Von der Leyen sagte, am traurigsten mache sie, dass ihr Vater, Niedersachsens früherer Ministerpräsident Ernst Albrecht, sie ein Leben lang Röschen nannte. Jetzt frage er nur noch, „wann kommt Ursula nach Hause?“. Furtwängler wiederum räumte ein, dass sie sich oft geschämt habe, „dass der eigene Vater vertrottelt“.

Anton Losinger: Folgen nicht weiter verdrängen

Anton Losinger, Mitglied des Nationalen Ethikrates, sagte unserer Zeitung, es sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, das Alter und seine Folgen wie Krankheit und Sterben nicht mehr weiter zu verdrängen. Es stünden dringende Fragen an. Unter anderem diese: Wie geht die Gesellschaft künftig mit dem Problem Selbstständigkeit der Demenzkranken um? Das Thema Fixierung der Kranken in Pflegeheimen sei bereits heute ein Riesenproblem, sagte der Augsburger Weihbischof.

Ein weiterer Brennpunkt aufgrund der Demenzproblematik ist die „aktive Sterbehilfe“. Der Nationale Ethikrat hat der Bundesregierung empfohlen, dass sie in Deutschland weiterhin strafbar sein soll. Die These des Pflegekritikers Claus Fussek dazu klingt provozierend: „Wenn wir es als reiches und zivilisiertes Land nicht schaffen, kranken und sterbenden Menschen die Garantie zu geben, dass sie diesen letzten Lebensabschnitt würdevoll und schmerzfrei bewältigen können, dürfen wir sie auch nicht am Sterben hindern.“

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