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Immobilien

22.02.2021

Der Kampf gegen Mietensteigerung ist verloren

Lange galt Berlin als Oase für Mieter, die in den Kiezen für relativ moderate Mieten wohnen konnten. Doch die Lage hat sich in den letzten Jahren verschärft.
Bild: Annette Riedel, dpa (Symbolbild)

Plus Am Dienstag will die Bundesregierung zu ihrer Wohnraumoffensive Bilanz ziehen. Doch ihre Ziele hat sie verfehlt. Preise und Mieten klettern weiter.

Wer in München, Berlin, Frankfurt am Main oder Köln eine Wohnung sucht, muss sich auf Frust und reihenweise Absagen einstellen. Das Ausweichen in das Umland macht die Sache nicht viel einfacher, weil auch die Speckgürtel begehrt sind. Leute mit durchschnittlichem Einkommen oder weniger brauchen viel Glück, einen Vermieter mit Herz oder gehen leer aus.

Marktkenner rechnen mit weiterem Anstieg der Mieten

Eigentlich ist die Große Koalition mit ihrem Bauminister Horst Seehofer (CSU) angetreten, den Markt abzukühlen und mehr Wohnungen zu vertretbaren Mieten zu schaffen. Im September 2018 rief sie einen Wohngipfel zusammen, um den Irrsinn zu stoppen. Doch erreicht hat sie nicht viel. Die Zahlen sprechen Bände.

Trotz einer tiefen Wirtschaftskrise gehen die Preise für Häuser und Wohnungen weiter nach oben und in der Folge darauf auch die Mieten. Die Marktkenner des Internetportals Immowelt rechnen damit, dass sie im laufenden Jahr in den meisten deutschen Städten steigen. Die Ausnahme davon ist Berlin, weil in der Hauptstadt der Mietendeckel greift. Allerdings ist durch den radikalen Eingriff das Angebot an verfügbaren Mietwohnungen um ein Viertel gesunken. Dass der Handlungsbedarf groß ist, bestreitet niemand in der Koalition. Zwischen 2009 und 2019 sind die Mieten in den großen Städten sprunghaft nach oben geschossen. In Berlin haben sie sich verdoppelt, in München sind sie um 60 Prozent gestiegen und in Nürnberg und Stuttgart um die Hälfte geklettert.

 

Die Bemühungen der Bundesregierung, aber auch der Länder, haben dennoch keine Trendwende eingeleitet. Der Wohnungsneubau bleibt hinter dem selbst gesteckten Ziel von 1,5 Millionen Einheiten in der zu Ende gehenden Legislaturperiode zurück. Im Schnitt hätten dafür jedes Jahr 375.000 Wohnungen hinzukommen müssen. In den Jahren 2018 und 2019 wurden aber jeweils nicht einmal 300.000 geschafft. Bauland in den Ballungszentren wird jedes Jahr teurer, während der Bestand an Sozialwohnungen drastisch sinkt.

Zahl der Sozialwohnungen sinkt drastisch

Nach den Zahlen des Mieterbundes gab es 2006 hierzulande noch zwei Millionen Sozialwohnungen, während es derzeit nur noch 1,14 Millionen sind. Die Koalition wollte den Verlust stoppen und stellte den Ländern Milliarden dafür zur Verfügung. Doch Deutschland verliert weiter Sozialwohnungen, weil sie üblicherweise nach 15 bis 25 Jahren aus der Preisbindung fallen. Dann können sie die Eigentümer in den meisten Fällen wieder frei am Markt vermieten. Die Halbierung des Bestands zeigt, dass in den vergangenen 15 Jahren viel zu wenig neue Sozialwohnungen errichtet wurden.

 

„Die Bilanz der Wohnraumoffensive macht deutlich, dass Bundesinnenminister Horst Seehofer als Bauminister in den wichtigsten Fragen keine Erfolge erzielt hat“, sagte Mieterbund-Präsident Lukas Siebenkotten unserer Redaktion. Aus seiner Sicht braucht es ein effektives Umwandlungsverbot von Miet- in Eigentumswohnungen, ein soziales Bodenrecht und deutlich mehr bezahlbaren Wohnraum. Weil der Mieterbund-Chef nicht davon ausgeht, dass die Bundesregierung die Forderungen schnell umsetzt, fordert er einen sofortigen bundesweiten Mietenstopp für die kommenden sechs Jahre. Der Deutsche Gewerkschaftsbund und der Paritätische Wohlfahrtsverband unterstützen den Vorschlag.

Linken-Chef Riexinger fordert Verstaatlichung großer Immobilienkonzerne

Der Vorsitzende der Linkspartei, Bernd Riexinger, hält ihn in den Großstädten ebenfalls für dringend angebracht. „Wenn Menschen mit kleinen Einkommen mehr als ein Drittel des Familieneinkommens für Miete ausgeben müssen und dafür vielleicht noch nicht mal was Vernünftiges bekommen, haben wir ein Problem“, sagte er unserer Redaktion.

Er verlangte, dass die großen Immobilienkonzerne in öffentliches Eigentum überführt, also verstaatlicht werden. Die Städte und Genossenschaften sollen außerdem den Neubau energisch in die Hand nehmen. „Wo man die Wohnungen dem Markt überlässt, explodieren die Mieten“, sagte Riexinger.

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23.02.2021

Die Story im Ersten: Mafia-Kolonie Ostdeutschland - 22.02.2021 - sicher in der Videothek!

Wer die Reportage gestern gesehen hat, braucht nicht zu fragen, woher die Verteuerung des Wohnraums kommt.
Also hier hätten wir zumindest einen der kriminellen Anteile daran!
30 Milliarden € werden jährlich - nur von der italienischen Maffia - in Deutschland gewaschen - und am Besten mit Immobilien und diversen, "seriösen" Firmengeflechten. Und das ist nur eine der Mafias in Deutschland!
Warum verlaufen Ermittlungen im Sand, oder werden - wenn fortgeschritten - eingestellt?
Wer verdient daran?
Das bedroht unsere Demokratie, unseren sozialen Frieden, enteignet unsere Jugend!
Man muss dem Geld folgen! Ich weiss - ich wiederhole mich ....

Ich wundere mich, dass ausgerechnet in Italien, dem Mutter- und Heimatland der Mafia - jeder nachweissen muss, woher das Geld stammt, mit dem Immobilien oder Firmen gekauft werden - wenn der Nachweis nicht gelingt konfisziert der Staat das Geld.
Wieviel Sozialwohnungen hätten wir damit bauen können?
Warum werden solche Gesetze in Deutschland immer wieder boykottiert - wer mischt da mit?

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22.02.2021

Deutschland Bevölkerung :

2010: 80,3 Mio
2019: 83,1 Mio

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1217/umfrage/entwicklung-der-gesamtbevoelkerung-seit-2002/

Bürger und Investoren wurden noch über viele Jahre getäuscht - z.B. die Zeit im Mai 2013:

https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-05/volkszaehlung-zensus-deutschland-gesellschaft/komplettansicht

>> Deutschland hat 80,2 Millionen Einwohner und damit rund 1,5 Millionen weniger als bisher angenommen. Laut Zensus 2011 betrug der Rückgang 1,8 Prozent. Die bisherigen Zahlen seien vor allem in Städten mit vielen Migranten oder Studenten offensichtlich überzeichnet gewesen, da diese sich bei einem Wegzug nicht abgemeldet hätten, erklärte Stephan Articus, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages . <<

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22.02.2021

Wie die -zwangsenteigneten "Immobilien in den kommunistischen Staaten wie etwa der DDR (völlig heruntergekommen) aussahen , dazu mögen sich die Klakeure der kommunistischen Linkspartei doch bitte schön Fotos und Filme jener Epoche vergegenwärtigen .

Offensichtlich ist jene widerwärtige Zeit schon zu weit weg und verblasst vor den aktuellen Problemen

Der Grund für die jetzige Lage wurde in der Zeit der Regierung Schröder unter dem damaligen Finanzminister Eichel gelegt :

Die rotgrüne Regierung wollte ohr Haushaltsdefizit schönen und verlängerte das damalige Gesetz zum Sozialwohnungsbau nicht mehr.

Aus diesen Gründen liefen Ende der 1990er Jahre und zu Beginn der 2000er Jahre ungemein viele Wohngungsbaugemeinschaften aus der Wohnungsbauförderung und wurden aufgelöst .

Statt Enteignungsfantasien wollig zu fröhen ( ich weiß - Kommunisten macht das Spaß) kann es nur heißen :

das Bauen muß insgesamt wieder billiger werden !
Dann kann auch der Staat als Bauherr auftreten - über wiederbelebte Wohnungsbaugesellschaften .

Die ganzen Dämm- und Öko-Orgien müssen im Wohnungsbau ein Ende haben - nur so können auch günstige Wohnungen entstehen , die auch wieder günstig vermietet werden können .
Denn ein Bau-Investor , der für einen Neubau Abermillionen invertieren muß wird natürlich guten Rechts wegen auch eine entsprechende Miete ansetzen müssen .

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22.02.2021

Zuviel schwarz/weiß Gerold R. Es gibt noch eine Welt zwischen Immobilienkonzernen und kostenlosem Wohnraum für alle.

Zumal die Ursache an dem sprunghaften Anstieg der Nachfrage ab 2015 und in den folgenden Jahren liegt. Sowas muss der Markt erstmal kompensieren. Durch staatliche EIngriffe wie z.B. in Berlin funktioniert es nachweislich nicht. Es braucht Anreize für Investoren und keine Abschreckung.

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22.02.2021

Laut Statista ist der Mietpreisindex seit 1995 stetig gleichmäßig gestiegen, von einem "sprunghaften Anstieg" kann also nicht die Rede sein.

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22.02.2021

bei der nächsten Wahl könnte man einiges ändern, aber deutsche Michl wählt ja immer den gleichen Metzger.

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22.02.2021

Die Regierung kann wegen Covid19 massiv in die Grundrechte der Menschen eingreifen, ihnen Hausarrest erteilen und sie zwingen Atembremsen zu tragen. Nur wenn es darum geht, den Spekulanten und Preistreibern das Handwerk zu legen wird sie zum Papiertieger und lässt zu, dass in Deutschland eine Art Feudalsystem mit dem Adelsstand der Immobilienbesitzer und den Quasi- Leibeigenen, die die Hälfte ihrer Arbeitskraft fürs Wohnen aufbringen muss, entsteht.
Aus diesem System kommt man, falls ein politischer Wille dazu besteht, nur raus indem man mit Strafsteuern für Spekuklation den öffentlichen Wohnungsbau finanziert, vorsätzlichen Leerstand zwangsenteignet. Es klingt polemisch, aber wenn man den Immobilienmarkt liberalisiert, kann man gleich Wohnkartons für die Obdachlosen in größeren Mengen produzieren.

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