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Katholische Kirche

17.06.2019

Der Papst lässt bald wohl verheiratete Priester zu

Papst Franziskus will die Katholische Kirche verändern. Am Montag stellte der Vatikan die Amazonien-Sondersynode vor.
Bild: Andrew Medichini, dpa (Archiv)

Plus Papst Franziskus hat ein Treffen einberufen, das die katholische Kirche von Grund auf verändern könnte. Verheiratete könnten bald Priester werden.

Das Amazonas-Becken wird als die Lunge des Planeten bezeichnet. Die katholische Kirche hat die Region in Südamerika auch für sich selbst als Lebenselixier entdeckt. Am Montag wurde im Vatikan das Vorbereitungsdokument für die Amazonien-Sondersynode vorgestellt, die Papst Franziskus vom 6. bis 27. Oktober in Rom einberufen hat. Zwei Stoßrichtungen ergeben sich aus der Diskussionsgrundlage: Erstens sagt die Kirche der ökologischen Ausbeutung radikal den Kampf an. Zweitens könnte die katholische Kirche in Amazonien erstmals auch verheiratete Priester und Frauen in Weiheämtern zulassen.

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Weihe verheirateter Männern: Kritiker fürchten Abschaffung des Zölibats

In dem Dokument wird vorgeschlagen, für die entlegenen Amazonas-Gegenden die Möglichkeit der Priesterweihe älterer, vornehmlich indigener und von ihren Gemeinschaften respektierter Männer zu prüfen, „auch wenn diese schon eine stabile Familie“ hätten. Bereits im Vorfeld war über die Weihe sogenannter viri probati (bewährter Männer) spekuliert worden, auch Papst Franziskus zeigte sich diesem Modell gegenüber aufgeschlossen. Die Weihe verheirateter Männer sei „ein Weg“, um auf den Priestermangel in Amazonien zu reagieren, sagte Bischof Fabio Fabene vom Synodensekretariat. Die Bischöfe diskutieren im Herbst zu den aufgeworfenen Fragen und unterbreiten anschließend dem Papst nicht bindende Vorschläge.

Ein Hintergedanke für die regional begrenzte Zulassung von viri probati ist, dass indigene Katholiken im Amazonasgebiet, das sich über rund 7,5 Millionen Quadratkilometer und über die Länder Brasilien, Bolivien, Kolumbien, Ecuador, Guyana, Peru, Surinam, Venezuela sowie Französisch-Guayana erstreckt, wegen der Entfernungen manchmal nur einmal pro Jahr die Eucharistie feiern können. Kritiker befürchten, die Weihe von verheirateten Männern würde den Weg für die Abschaffung des Zölibats freimachen und als Präzedenzfall weltweit Schule machen. Sie sehen sich bestätigt von der Ankündigung des Papstes, er wolle „Prozesse in Gang bringen“.

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Arbeitspapier widmet sich ökologischen und sozialen Problemen

In dem Arbeitspapier mit dem Namen „Amazonien – neue Wege für die Kirche und für eine ganzheitliche Ökologie“ ist zudem davon die Rede, dass „einheimische Berufungen von Männern und Frauen“ gefördert werden sollen. Bei ihren Beratungen sollen die Bischöfe im Oktober auch „die Art von offiziellem Ministerium identifizieren, mit dem Frauen betraut werden können“. Dabei solle die „zentrale Rolle“ berücksichtigt werden, die Frauen heute in der Kirche Amazoniens einnehmen. Damit erfährt auch die innerkirchliche Diskussion über den Diakonat der Frau neuen Stoff. Papst Franziskus hatte kürzlich zum Abschluss der Arbeit einer Kommission, die die Ursprünge des Frauendiakonats in der Kirche erforschen sollte, die Vertiefung des Themas gefordert.

Der Großteil des Arbeitspapiers widmet sich ökologischen und sozialen Problemen in der Amazonas-Region, die katholische Kirche nimmt dabei eindeutige Positionen ein. Das Amazonas-Territorium müsse „vom neokolonialistischen Verfall“ gerettet werden, lautet eine Forderung im Dokument.

Brasilianischer Kardinal gilt als treibende Kraft hinter der Amazonien-Synode

Die Rede ist von einem „auf Produktion, Kommerzialisierung und Konsum“ ausgerichteten ökonomischen Modell, in dem die „Maximierung des Profits vorrangig ist gegenüber menschlichen und ökologischen Bedürfnissen“. Für die Ausbeutung seien insbesondere Bergbau, Abholzung und Infrastrukturprojekte, „unter der Duldung lokaler und nationaler Regierungen“ verantwortlich. „Es ist besorgniserregend, heute bereits bei 15 bis 20 Prozent Abholzung angekommen zu sein“, heißt es in dem brisanten Arbeitspapier.

Treibende Kraft hinter der Amazonien-Synode ist der brasilianische Kardinal Claudio Hummes, ein Intimus von Papst Franziskus. Hummes wurde von Franziskus als Hauptberichterstatter der Synode nominiert, er ist Vorsitzender der brasilianischen Bischofskonferenz und Vorsitzender des katholischen Pan-Amazonas-Netzwerks Repam. Hummes war unter dem deutschen Papst Benedikt XVI. bereits Leiter der Kleruskongregation und erregte im Jahr 2006 Aufsehen mit der Feststellung, der Zölibat sei „kein Dogma“. Im März sagte Hummes: „Unternehmen und Interessen sind dabei, Amazonien zu verwüsten. Wir sind Zeugen eines ökologischen Desasters und einer sehr schweren Krise.“ Amazonien sei ein „entscheidender Test“ für die Kirche.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Der Papst ist kein Revolutionär.

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