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Gesellschaft

30.06.2017

Der Verein lebt

Vereine, ob traditionell (wie die Böllergruppe Pfuhl) oder modern, sind keineswegs aus der Mode.
Bild: Alexander Kaya

Neue Themen mobilisieren die Bürger. Den Rückzug ins Private gibt es nicht

Von wegen Vereinssterben: Die Zivilgesellschaft in Deutschland ist so lebendig wie nie zuvor. Und sie wird politischer – während Parteien, gewerkschaftliche und kirchliche Organisationen weiter an Boden verlieren. Erstmals gab es 2016 mehr als 603000 Vereine, heißt es in der in Berlin veröffentlichten zweiten Studie „Zivilgesellschaft in Zahlen“ des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft. Derzeit sind rund 36 Millionen Jugendliche und Erwachsene als Mitglied in mindestens einem Verein eingeschrieben – fast jeder Zweite also.

Für die Autoren steht fest: Problematische Entwicklungen der jüngsten Zeit haben die Bürger eher mobilisiert – und nicht zu einem Rückzug ins Private geführt. Die Zivilgesellschaft zeige sich als ein weithin stabiler Bereich. Bei den meisten Vereinen (42 Prozent) ist die Zahl der Mitglieder auf gleichem Niveau geblieben. Bei rund einem Drittel (35 Prozent), vor allem bei größeren Vereinen mit mehr als 500 Mitgliedern, sind die Mitgliederzahlen sogar gestiegen.

Stabil zeigt sich auch die Zahl der freiwillig Engagierten: Bei den meisten Organisationen (62 Prozent) ist ihre Zahl unverändert. Bei 22 Prozent engagieren sich heute mehr Menschen als 2012. Allerdings warnen viele Organisationen, dass es schwieriger wird, Menschen langfristig an eine Aufgabe zu binden.

Städtische Zivilgesellschaften erweisen sich laut Studie als politischer – hier spielen dienstleistungsorientierte oder politisch und sozial ausgerichtete Organisationen eine stärkere Rolle. Auf dem Land ist das traditionelle Vereinswesen – wie Sport-, Freizeit- und Geselligkeitsvereine – fest verankert.

Dabei gibt es Gewinner und Verlierer: In Großstädten ist ein Wachstumstrend zu beobachten, in kleinen Gemeinden hingegen schrumpfen mehr Vereine. Dies spiegelt nicht zuletzt die Landflucht und die Alterung der ländlichen Gesellschaft.

Als besonders attraktiv erweisen sich Organisationen, die neue Handlungsfelder wie Bürger- und Verbraucherinteressen oder internationale Solidarität bedienen. Beispielhaft sind die 185 Bewohner des hessischen Dorfs Dalwigksthal: Sie betreiben seit 2012 das frühere Dorfgemeinschaftshaus als Kneipe und offenen Treff für jedermann.

Fußball-, Wander-, Angel- oder Schachklubs: Der Sport ist mit 22 Prozent der größte Organisationsbereich. Aber hier sagen nur 32 Prozent der Vereine, dass ihre Mitgliederzahlen wachsen. Bei Vereinen, die Bürger- oder Verbraucherinteressen vertreten, sind es dagegen 51 Prozent. Christoph Arens, kna

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