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Corona-Impfung
23.07.2021

Warum Apotheken aktuell keine Impfzertifikate ausstellen können

Die analoge Welt funktioniert: Wer seinen Impfstatus im Impfpass belegen kann, sollte innerhalb der EU keine Probleme beim Reisen haben.
Foto: Stefan Puchner, dpa (Symbolbild)

Aktuell können Apotheken keine Impfzertifikate mehr ausstellen. Grund ist eine Sicherheitslücke.

Die Bayern stehen kurz vor ihrem Sommerurlaub. Und viele werden ins Ausland mit einem wichtigen Dokument reisen wollen: einem digitalen Impfzertifikat, das den Impfstatus des Betroffenen anzeigt. Doch jetzt ist erst einmal Geduld gefragt. Denn aktuell können über den Server des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) keine Impfzertifikate ausgestellt werden. Grund ist eine Sicherheitslücke, die das Handelsblatt aufgedeckt hat.

Apotheken stoppen Ausstellen von Impfzertifikaten

Die Wirtschafts- und Finanzzeitung hat mithilfe professionell gefälschter Dokumente einen Gastzugang für einen nicht existierenden Apothekeninhaber erzeugt. Dazu wurden eine gefälschte Betriebserlaubnis und ein gefälschter Bescheid des Nacht- und Notdienstfonds vorgelegt, wie der DAV erklärt. In der Stellungnahme des Verbandes heißt es: "Unter der gefälschten Apotheken-Identität wurden insgesamt zwei Impfzertifikate ausgestellt.

Nach einer entsprechenden Information durch das Handelsblatt hat der Deutsche Apothekerverband in Rücksprache mit dem Bundesgesundheitsministerium die Ausstellung von Zertifikaten am gestrigen Mittwoch gestoppt, um zusätzlich zu der ohnehin mehrfach pro Woche laufenden Überprüfung der über Gastzugänge angemeldete Betriebsstätten eine weitere Prüfung vorzunehmen. Diese hat bis zum heutigen Donnerstagmittag keine Hinweise auf andere unberechtigte Zugänge ergeben, deren Erstellung in betrügerischer Absicht nur mit erheblichem Aufwand und krimineller Energie denkbar ist. Daher ist davon auszugehen, dass die über 25 Millionen Impfzertifikate, die bisher über Apotheken ausgestellt worden sind, alle von rechtmäßig registrierten Apotheken ausgestellt wurden."

Wie lange die Sicherheitsprüfung andauert, steht noch nicht fest

Die Sicherheitsprüfungen sind aber noch nicht abgeschlossen. Es werde überprüft, ob bzw. welche zusätzlichen Sicherheitsmechanismen gegen Missbrauch implementiert werden können oder sollen. Das bedeutet, dass noch nicht feststeht, wann die Ausstellung von Zertifikaten wieder aufgenommen wird. Man stehe im engen Austausch mit dem Bundesgesundheitsministerium, wie es heißt.

Im Freistaat sind nach Schätzungen des Bayerischen Apothekerverbands 2700 Apotheken betroffen, die Kunden mittels Schnittstelle und Kontakt zum Robert-Koch-Institut (RKI) die wichtigen digitalen Zertifikate erstellen. Nun heißt es in einer Sofort-Mitteilung an die Apotheker aber nur: "Aktuell ist die Ausstellung von digitalen Impfzertifikaten in Apotheken nicht möglich. Sobald die Ausstellung von digitalen Impfzertifikaten für die Apotheken wieder möglich ist, informieren wir sie umgehend."

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Digitaler Impfpass: Schnelles Versprechen, schwierige Umsetzung

Apotheker Armin Müller aus Kötz (Landkreis Günzburg) ist wie viele seiner Berufskolleginnen und -kollegen bis dahin nicht davon ausgegangen, dass dieser Zustand länger als wenige Stunden oder einen Tag anhält. Es habe vor allem zu Beginn der Ausstellung ab dem 14. Juni häufiger "geruckelt", weil politische Versprechen viel schneller gegeben worden seien, als die technische Umsetzung Schritt halten konnte. Ging also Schnelligkeit vor Sicherheit? Das ist die Frage, die sich nun auftut.

 

"Die Apothekerverbände haben im Rahmen von www.mein-apothekenportal.de innerhalb kürzester Zeit eine technische Infrastruktur aufgebaut, über die Apotheken vor Ort digitale Impfzertifikate erstellen können. Damit konnte dem drängenden Wunsch großer Teile der Bevölkerung nach einer zügigen Ausstellung dieser Zertifikate gerade in der Urlaubszeit entsprochen werden", sagt der DAV dazu.

Portal für Impfzertifikate: Gastzugänge gibt es aus Wettbewerbsgründen

Die Portallösung sei zunächst für Apotheken vorgesehen, deren Inhaber Mitglieder in den Landesapothekerverbänden seien. "Da deren aktuelle Daten im Mitgliederverzeichnis gelistet sind, war und ist eine zweifelsfreie und sichere Authentifizierung dieser Apotheken auf dem Portal jederzeit gewährleistet", bekräftigt der Verband. Allerdings wurden wegen "wettbewerbsrechtlicher Anforderungen für Apotheken, die keine Mitglieder in einem Landesapothekerverband sind, aber an der Ausstellung von Impfzertifikaten teilnehmen wollten, ein Gastzugang geschaffen."

 

Von den knapp 17.900 auf dem Portal registrierten Apotheken seien nur circa drei Prozent bzw. 470 Apotheken über den Gastzugang angeschlossen. Nicht-Mitglieder müssten für eine erfolgreiche Registrierung ihre amtliche Betriebserlaubnis und einen aktuellen Bescheid des Nacht- und Notdienstfonds zum Nachweis eines laufenden Betriebs vorlegen. Das hat das Handelsblatt getan, allerdings in gefälschter Form und der Absicht, auf mögliche Lücken im System hinzuweisen.

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23.07.2021

Warum sind solche Sicherheitslücken beim Test dieser Anwendung nicht aufgefallen? Weil vermutlich nicht, oder nicht sorgfältig, getestet wurde.

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22.07.2021

Wann lernt man aus seinen Fehlern?
Bereits in der Vergangenheit hat u.a. CCC diese Sicherheitslücken im medizinischen Netzwerk aufgedeckt; passiert ist scheinbar bis heute nichts. Nein, immer noch wird, auch politisch gewollt, dieses Netzwerk favorisiert. Obwohl es nachweislich nicht sicher ist und für Patienten nicht die notwendigen und erforderlichen Zugriffe gewähren. Auch der geplante Start der elektronischen Patientenakte wird sich als nicht praktikabel und nicht zuverlässig zeigen. Weitere Sicherheitsmängel werden auftreten. Man könnte meinen, mit den in dem Pandemie erwirtschafteten Überschüssen (Maskendilemma) könnte man qualitativ besseres leisten.

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22.07.2021

das ist ja alles schön und gut!
Die Wirtschafts- und Finanzzeitung hat hier gegen aktuelles Recht verstoßen; wird und wie wird dies bestraft?

Was passiert jetzt mit all den Apotheken Zertifikaten? Sind dies jetzt alle ungültig? Urlaub im Ausland geplatzt?

Thema:
Gastzugänge gibt es aus Wettbewerbsgründen
Aus diesem schwachsinnigen Grund sind jetzt wegen 470 Apotheken (über den Gastzugang), eigentlich nur wegen den kriminellen Aktivitäten eines Verlages, 17.900 Apotheken und 469 Apotheken mit Gastzugang diskreditiert

Die Kontrolle der Gastapotheken hätte man sicher intelligenter lösen können (aber deutsches Beamtentum)

Man hat ja sonst keine Probleme

PS: Ein Abonnement bei dieser Zeitung würde ich fristlos kündigen, da dies für mich un­ters­tes Niveau ist.
(469 Apotheken zu prüfen ist ja keine Jahrhundertaufgabe)


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