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US-Wahl 2020

07.11.2020

Drei Szenarien: Was wird jetzt aus Donald Trump?

Findet Donald Trump nach der verlorenen Wahl den "Exit", also den Ausgang aus dem Weißen Haus?
Bild: Evan Vucci, dpa

Donald Trump hat die US-Wahl verloren. Wir erklären, welche juristischen Fallstricke auf ihn warten und welche Optionen er jetzt haben könnte.

Als Richard Nixon 1974 nach seinem Rücktritt als US-Präsident wegen der Watergate-Affäre das Weiße Haus verließ, galt als sicher, dass er sich für seine kriminellen Machenschaften vor Gericht wiederfinden würde. Doch der Republikaner hatte Glück. Sein Nachfolger Gerald Ford begnadigte Nixon wenig später. Aus alter Freundschaft, wie Ford erst 2004 – zwei Jahre vor seinem Tod – in einem Interview einräumte. Dass sich Trumps mutmaßlicher Nachfolger Joe Biden zu einem solchen Freundschaftsdienst bereit findet, wenn die letzte Stimme ausgezählt und die letzte Klage der Anwälte wegen Wahlbetrugs abgeschmettert ist, ist eher unwahrscheinlich.

In den USA wird seit geraumer Zeit intensiv gemutmaßt, was der gelernte Immobilien-Tycoon und Showmaster mit sich und seinem Leben anfangen wird, wenn er für "Sleepy Joe" den Amtssitz geräumt hat. Tatsächlich wären die Optionen empfindlich eingeschränkt, wenn Trump juristisch belangt wird. Dass es Prozesse geben wird, gilt als sicher. Es sind mehrere Klagen anhängig – es geht in erster Linie um Verleumdung, Steuerhinterziehung und Korruption. Der amerikanische Historiker Timothy Snyder nannte in einem Interview mit t-online zwei Szenarien: Trump muss tatsächlich ins Gefängnis oder ist nach Niederlagen vor Gericht ein armer Mann.

Tritt Donald Trump 2024 noch einmal an? Seine Fans wären begeistert

Interessanter sind die Spekulationen jedoch allemal, wenn man die juristische Bedrohung, die über dem amtierenden US-Präsidenten schwebt, ausblendet. Die Wahl hat ja gezeigt, dass Donald Trump weiterhin auf eine gewaltige Zahl von Unterstützern setzen kann.

Kein Wunder, dass es bei den Republikanern Politiker gibt, die schon vor dem nun verkündeten Wahlergebnis laut darüber nachdachten, dass ihr Idol bei einer Niederlage durch eine „gestohlene Wahl“ 2024 wieder für das Präsidentenamt kandidieren könnte. Doch es ist auffällig, dass diese Überlegungen aus der zweiten und dritten Reihe der Partei kommen. Die Spitzenpolitiker der „Grand Old Party“ scheinen spätestens nachdem Trump sich vorzeitig zum Sieger erklärte und die Auszählung stoppen wollte, auf Distanz zu gehen. Prognose: Es gibt kein Comeback.

Joe Biden hat die wichtige Vorwahl im US-Bundesstaat South Carolina gewonnen.
12 Bilder
Senator, Vize, Präsident: Das Leben des Joe Biden
Bild: Matt Rourke/AP/dpa

Gründet Trump einen eigenen Fernsehsender?

„Trump ist niemand, der sich weiterentwickeln will. Trump will einfach Trump sein“, sagt Historiker Snyder. Also warum sollte er dann nicht das machen, was er am besten kann und gerne mag: Fernsehen. Schon vor seiner Wahl zum Präsidenten 2016 gab es Gerüchte, dass er bei einer Schlappe gegen Hillary Clinton mit aller Macht in die Medienbranche einsteigen wolle. Trump gilt ja nicht von ungefähr als Bewunderer des italienischen Medien-Moguls Silvio Berlusconi. Warum also nicht einen eigenen TV-Kanal gründen.

Reicht das Geld dafür? Vielleicht nicht, aber es dürfte möglich sein, die nötigen Dollars bei betuchten Fans einzusammeln. Ihr Schaden dürfte es nicht sein, denn die Investition wäre vielversprechend: Trump war über viele Jahre mit seiner Show „The Apprentice“ ein Garant für sensationelle Quoten. Der Mann hat ein Gespür dafür, was amerikanische Familien sehen wollen. Prognose: Das könnte klappen.

Da würde sich Donald Trump gerne einreihen: Der Präsident lächelnd bei einem Besuch am Denkmal Mount Rushmore im Sommer 2020 beim Unabhängigkeitstag.
Bild: Alex Brandon, dpa

Trump selber hat sich nur spärlich zu einem Leben nach der Präsidentschaft geäußert. Vor der Wahl hätte das seinen Nimbus der Unbesiegbarkeit unterminiert. Verbürgt ist die mit einem schelmischen Grinsen eingestreute Bemerkung, dass er im Falle einer Niederlage „vielleicht das Land verlassen“ müsste. Doch welcher Staat auf diesem Globus passt besser zu Trump als die USA? Er wird bleiben.

Selbst seine Anhänger würden nicht behaupten, dass jeder Tweet des Präsidenten eine in Stein gemeißelte politische Weisheit ist. Wobei. Überlebensgroß in den Fels geschlagen würde Trump sein Konterfei wohl gerne sehen – am legendären Mount Rushmore, eingereiht in die imposante Gilde der Präsidenten George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln. „Klingt nach einer guten Idee“, twitterte Donald Trump im Sommer. Prognose: Es bleibt bei der Idee.

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