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EM 2016
12.06.2016

So viel EM gab es noch nie

Der Spielplan für die EURO 2016 steht: So viel EM gab es noch nie.
Foto: Christian Charisius/dpa/Archiv

Seit 1960 gibt es die EM. Am Anfang waren es zu wenig Teilnehmer. Jetzt im Jahr 2016 geht die Europameisterschaft in Frankreich gleich ein ganzer Monat. Ein Rückblick.

Auch große Fußballfeste haben einmal klein begonnen. Das Turnier, das 1960 in Frankreich stattfand, wird als erste Europameisterschaft in den Geschichtsbüchern geführt. Wirklich verdient hat es diese Bezeichnung kaum. Viel Europa steckte in dieser Meisterschaft jedenfalls nicht drin.

Vier Teilnehmer, vier Spiele – der Fußballfreund kann beim Anblick des Turnier-Tableaus ähnlich reagieren wie Komiker Loriot in seinem Feinschmecker-Restaurant-Sketch, als ihm das Menü serviert wird: „Ah … sehr übersichtlich.“

Drei Jahre vorher hatten die Funktionäre des Europäischen Fußball-Verbandes Uefa beschlossen, ein Turnier mit europäischen Nationalteams zu organisieren. Weltmeisterschaften gab es schließlich schon seit fast 40 Jahren. Warum nicht auch auf europäischer Ebene einen Titel ausspielen? Wo doch die Südamerikaner sogar schon seit 1916 ihren Meister ermittelten. Europa war also eigentlich ein Spätstarter.

Nicht genügend Teilnehmer für die erste EM 1960

Und Europa war dann auch noch ein Problem-Starter. Bis zum 15. Februar 1958 sollten sich die interessierten Länder melden. Mindestens 16 Nationalteams sollten das Teilnehmerfeld bilden. Der Plan ging nicht auf. Nur 15 Länder zeigten sich gewillt mitzumachen. Zehn Landesverbände hatten abgewunken. Darunter auch Deutschland. Das Turnier passte Bundestrainer Sepp Herberger nicht ins Konzept. Er hielt die Veranstaltung für Zeitverschwendung, sein Fokus lag auf der WM und den WM-Qualifikationsspielen.

Die Uefa verlängerte die Anmeldefrist bis zum 4. Juni 1958. Und siehe da: Jetzt waren doch noch zwei weitere Starter dazugekommen. Machte 17 Teilnehmer. Ein vernünftiger Turniermodus ließ sich damit nicht finden. Irland und die Tschechoslowakei trugen also erst einmal eine Vorausscheidung aus. Die Iren unterlagen. Mit jetzt 16 Teilnehmern ließen sich nun zwischen September 1958 und Mai 1960 zwei K.-o.-Runden durchführen (Achtelfinale, Viertelfinale), jeweils mit Hin- und Rückspiel, ähnlich der heutigen Champions League.

Vier Mannschaften, Frankreich, Jugoslawien, die Tschechoslowakei und die UdSSR qualifizierten sich dann für das eigentliche Turnier, das zwischen dem 6. und dem 10. Juli, ruckzuck, in Marseille und Paris über die Bühne ging.

Die größte Blamage der deutschen Fußballgeschichte

Nach der schwierigen Geburt gedieh das Projekt EM in den folgenden Jahrzehnten dann doch noch. Bei der dritten Auflage im Jahr 1968 waren dann erstmals alle wichtigen Fußball-Nationen mit an Bord. Beim eigentlichen Final-Turnier in Italien waren zwar immer nur vier Teams dabei, aber immerhin 31 Mannschaften hatten zuvor an den Qualifikationsspielen teilgenommen. Zum ersten Mal wurde die Veranstaltung offiziell Europameisterschaft genannt, zuvor schwirrten Begriffe wie Nationenpokal durch die Fußballwelt.

Auch die Deutschen machten jetzt mit. Genauer gesagt: Die Westdeutschen waren nun endlich dabei. Die DDR hatte sich schon 1960 und 1964 im Teilnehmerfeld befunden, allerdings nicht das Finalturnier erreicht. Noch schlimmer erwischte es die Wessis bei ihrer Premiere. Die BRD-Kicker versemmelten den Start beim Endturnier, weil sie beim Fußballzwerg Albanien nicht über ein 0:0 hinauskamen. Die Partie am 17. Dezember 1967 in Tirana gilt als eine der größten Blamagen in der deutschen Fußballgeschichte.

Vier Jahre später erstrahlte der westdeutsche Fußball dann allerdings. Die Mannschaft, die das Final-Turnier in Belgien (wieder vier Teilnehmer) gewann, gilt als die vielleicht beste der DFB-Geschichte. Die Bild-Zeitung jubilierte damals über den Rambazamba-Fußball. Es war die große Zeit von Spielmacher Günter Netzer, der mit langen Schritten aus der Tiefe des Raums gekommen war.

Von vier Teams auf 24 Endrunden-Teilnehmern

Das EM-Turnier wiederum machte 1980 einen weiteren Schritt nach vorn. Am Endturnier in Italien durften jetzt erstmals acht statt der bisher vier Teams teilnehmen. Dabei blieb es bis 1996. In England erfolgte die nächste Steigerung: Jetzt standen erstmals 16 Mannschaften in der Endrunde. Die Veranstaltung zog sich nun über drei Wochen hin. Das 16er-Format behielt die Uefa bis 2012 bei.

Jetzt ist das Turnier erstmals bei 24 Endrunden-Teilnehmern angelangt. Genau einen Monat lang dauert es jetzt vom An- bis zum Abpfiff der Veranstaltung. Mehr EM war noch nie.

Die Aufblähung vorangetrieben hat vor allem ein Mann: Michel Platini. Der umtriebige Franzose, einst Spielgestalter der Equipe tricolore, war 2007 zum Präsidenten der Uefa gewählt worden. Vor allem die kleinen Länder im Osten und Süden des Kontinents haben ihn ganz nach oben gehievt. Da wollte Platini nicht undankbar sein. Er drückte die Erhöhung von 16 auf 24 durch – wovon natürlich vor allem die Kleinen profitieren, die jetzt bessere Chancen besitzen, groß herauszukommen.

Ansonsten allerdings wirft das vergrößerte europäische Fußballer-Treffen Probleme auf. Wer soll die Mammutveranstaltung organisieren? Wer kann das noch bezahlen? Die Sicherheitsmaßnahmen, die Stadionbauten?

Die Zukunft der EM

Die Fragen konnte auch Platini nicht beantworten, als es an die Vergabe der Europameisterschaft 2020 ging. Eigentlich sollten die Türken ins Spiel kommen. Doch die verabschiedeten sich aus dem Bewerberrennen. Sie hatten sich für 2020 auch für Olympia in Istanbul beworben. Zwei gigantische Veranstaltungen in einem Jahr. Das war dann selbst Staatschef Erdogan zu viel. Die Türken zogen die EM-Bewerbung wieder zurück.

Michel Platini, der Stratege mit der Fähigkeit, den öffnenden Pass zu spielen, präsentierte in der Not eine neue Idee. 2020 werden die EM-Endrunden-Spiele über 13 Städte in 13 Länder verteilt. Die Europameisterschaft hat die nächste Dimension erreicht.

Das Turnier 2024 soll dann aber wieder konventionell, mit einem Gastgeber, ablaufen. Der DFB hat 2013 beschlossen, sich zu bewerben und gilt auch als Favorit. Aber auch die Türkei liebäugelt mit einer Kandidatur, ähnlich wie eine skandinavische Koalition mit Finnland, Schweden, Norwegen und Dänemark. Über die Vergabe wird nächstes Jahr entschieden.

Eines dürfte sicher sein: Kleiner wird die EM kaum mehr. Teilnehmer müssen nicht mehr mühevoll gesucht werden. Die Vergabe der Gastgeberrolle aber könnte sich zum Problemfall entwickeln.

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