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Ernährung
02.02.2020

Habeck: „Es ist unethisch, Lebensmittel zu Dumpingpreisen zu verkaufen“

Grünen-Chef Robert Habeck sagt: Lebensmittel sollten nicht unter Erzeugerpreisen verkauft werden dürfen.
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Grünen-Chef Robert Habeck sagt: Lebensmittel sollten nicht unter Erzeugerpreisen verkauft werden dürfen.
Foto: Guido Kirchner, dpa

Exklusiv Der Grünen-Chef fordert: Der Verkauf von Lebensmitteln unter dem Erzeugerpreis soll verboten werden. Auch andere kritisieren die Folgen der Billigpreise.

Deutschland gilt in Europa als das Land mit den günstigen Lebensmittelpreisen. Das hat mehrere Gründe, einer davon: Die Deutschen sind Sparfüchse. Danach befragt, warum sie wo einkaufen gehen, antworten Kunden immer wieder: Der Preis ist entscheidend. Also setzt der Handel auf Lockangebote – oder wie Kritiker sagen: Dumpingpreise. Die ärgern aber die Landwirte. Und deshalb soll am Montag ein Gipfeltreffen zwischen Kanzlerin Angela Merkel, Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (beide CDU) und den Spitzen von Aldi Nord und Süd, der Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland), Edeka und Rewe stattfinden. Nach Angaben des Landwirtschaftministeriums kontrollieren diese vier Ketten etwa 85 Prozent Marktes. Merkel und Klöckner wollen mit den Supermarkt-Chefs über deren Einkaufspolitik sprechen. Und die Erwartungen sind hoch.

So sagt der Grünen-Chef Robert Habeck unserer Redaktion: „Es ist unethisch, Lebensmittel zu Dumpingpreisen zu verkaufen.“ Er wisse, wie viel Arbeit Landwirte in ihre Produkte steckten. „Und dann werden die wertvollen Lebensmittel im Laden verramscht, mit Werbesprüchen á la Essen habe den niedrigsten Preis verdient. Das verhöhnt alles – den Wert der Arbeit, den Wert von Tieren als Lebewesen, den Wert von Ressourcen.“

Habeck: Der Verkauf von Lebensmitteln unter Erzeugerpreis sollte verboten werden

Der Grünen-Politiker fordert deshalb: „Der Verkauf von Lebensmitteln unter dem Erzeugerpreis sollte untersagt werden. Die Bundesregierung muss Wege aufzeigen, um das Dumping zu unterbinden.“ Der Gipfel dürfe nicht nur in Apellen enden. Ähnlich sieht es Jan Plagge. Er ist Präsident des Erzeugerverbandes Bioland. Und kann berichten, dass die Zusammenarbeit mit den Handelsunternehmen – sogar mit Discountern – funktionieren kann.

Seit etwas mehr als einem Jahr arbeiten Bioland und Lidl  zusammen – Dumpingpreise auf Bioland-Ware hatte der Discounter zu Beginn der Kooperation ausgeschlossen. Und bisher kann Plagge nur Gutes berichten. Er weiß aber auch, wie es zu der schlechten Stimmung zwischen Handeln und Bauern kommen konnte: „Die Welt des Einkaufs in Supermarktketten und die Realität der Bauern haben sich voneinander entkoppelt“, sagt Plagge. „Der Einkäufer ist davon getrieben, seine Zielmenge zum günstigsten Preis zu erwerben. Diese Fixierung auf den Preis schafft eine Distanz zu den negativen Folgen, die dieses Verhalten auf die Landwirtschaft hat.“

Was er mit den negativen Folgen meint? „Wachsen und Weichen. Mehr Tiere müssen auf engerem Platz leben, es wird billigstes Futter verwendet, die Familienmitglieder arbeiten umsonst.“

Tierwohl: In deutschen Supermärkten gibt es kaum Fleisch aus besserer Tierhaltung zu kaufen

Das Thema Tierwohl schwingt bei dieser Aussage schon mit. Es ist ein besonders großer Streitpunkt, wenn es um (zu) billige Lebensmittel geht. Gerade Fleisch wird immer wieder zu günstigsten Preisen angeboten, um Kunden in den Laden zu locken. Unlängst ergab eine Studie der Umweltschutzorganisation Greenpeace, dass die meisten Supermärkte nur Fleisch aus den unteren beiden Stufen des Tierwohlsiegels verkaufen. Biofleisch oder Fleisch, bei dem die Tiere mehr Platz und mehr Beschäftigungsmöglichkeiten haben, gibt es fast nirgends zu kaufen.

Woran das liegt? „Der Grund ist der Preis. Biofleisch kostet in der Regel mindestens 100 Prozent mehr als Fleisch, das den gesetzlichen Mindeststandard erfüllt“, sagt Patrick Klein, Sprecher der Initiative Tierwohl. Wieder einmal geht es also ums Geld und damit um den Verbraucher.

Diese Sichtweise greift Martin Rücker, Geschäftsführer der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch zu kurz. Er sagt: „Viele Menschen wollen faire Preise bezahlen – aber sie wollen nicht an der Supermarktkasse drauflegen, nur damit die Lebensmittelindustrie oder Handelskonzerne größere Profite einstreichen können.“ Günstige Preise im Supermarkt seien ein Symptom einer fehlgeleiteten Politik, meint Rücker.

Die könnte sich bei dem Gipfel am Montag nun ja ändern. Doch zumindest der Bioland-Präsident Jan Plagge hat nicht allzu hohe Hoffnungen: „Aus der Erfahrung der vergangenen Gipfel befürchte ich, dass es am Ende nur wieder viele Apelle geben wird. Dabei brauchen wir eine mutige und wirksame Politik doch so dringend.“

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Die Diskussion ist geschlossen.

03.02.2020

Die Grünen woll(t)en schon immer die Kräfte des Marktes ausschalten und das Leben des Einzelnen künstlich verteuern. Wer es sich leisten kann soll diese Gruppierung eben wählen. Der Reichtum in unserem Lande ist an den Stimmen für diese Gruppierung abzulesen.

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03.02.2020

Es geht darum, gute und gesunde Lebensmittel zu produzieren ohne unsere Böden und unser Trinkwasser zu vergiften, ohne ein massenhaftes Artensterben auszulösen und ohne Tiere unwürdig zu halten oder sogar zu quälen. Zudem sollten auch Landwirte von ihrer Arbeit leben können, ohne sich und ihre Familienangehörigen auszubeuten.
All das ist zu den derzeitigen Preisen nicht möglich. Was also schlagen Sie vor? Soll es so weitergehen wie bisher, bis die Schäden irreparabel sind oder wollen wir vorher etwas ändern?
Berührt es Sie tatsächlich überhaupt nicht, wenn Sie an die unerträglichen Zustände in den Ställen und auf den Schlachthöfen denken? Oder verdrängen Sie das, um täglich Ihr Billigfleisch auf den Teller bekommen?

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04.02.2020

@Wolfgang L. Ich glaube nicht, daß Sie meinen Früh-, Mittags- oder Abendtisch kennen. Der freie Markt (gut - er existiert auch bei uns nur noch in der reinen Lehre) ist eine der größten Errungenschaften bei uns. Und meistens setzt sich nicht das Schlechteste, sondern mindestens der mittlere bis gute Standard durch, wenn, und nun ein wichtiges wenn, die Preise halbwegs stimmen.

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04.02.2020

Im freien Markt setzt sich das durch, was kurzfristig die höchste Rendite bringt. Externe und langfristige Effekte (wie Umweltzerstörung oder Tierquälerei) spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Deswegen bedarf es für nachhaltiges Wirtschaften regulatorischer Eingriffe. Das ist der Stand der Wissenschaft. Was Sie verbreiten, ist dagegen neoliberale Ideologie.

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04.02.2020

Also wenn - dann ist es höchstens der Stand eines Teils der Wissenschaft. Ihnenb sollte bekannt sein, daß es nicht "die" Wissenschaft schlechthin gibt, sondern je Thema mehrere Richtungen. Ich betrachte die Eingriffe in den Wirtschaftskreislauf, sofern nicht mindestens eine soziale Komponente mit dabei ist, nicht als fortschrittlich - eher das Gegenteil.Ob der Nachhaltigkeitshype, also die extremen Auswüchse davon, wirklich das Non plus ultra sind, ist kein in Granit gemeiseltes Gesetz. Ganz einfach: die Zeit wirds zeigen.

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03.02.2020

Herr Habeck kennt sich gut aus! Wie oft geht er denn in der Woche einkaufen und muss er mit 900 € auskommen? Ich sag nur "Pendlerpauschale"....ha, ha.

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02.02.2020

Herr Habeck hat recht!
Wir produzieren viele schlechte Lebensmittel - gerade Fleisch - mit hohen Steuergeldsubventionen und unter zu großer Umweltbelastung (Grundwasserverseuchung) und verramschen erhebliche Teile dieser "Lebensmittel". Und über ein Drittel dieser "Lebensmittel" werden auch noch weggeworfen. Die Subventionen sind dann schon geflossen.

Besser wäre es, wir produzierten etwas weniger aber dafür bessere Lebensmittel. Diese dürfen dann auch etwas mehr kosten und werden dann hoffentlich auch in geringeren Mengen weggeworfen.

Mit den gesparten Steuergeldern können wir die Bedürftigen in unserer Gesellschaft besser unterstützen. Unsere heutige Landwirtschaftspolitik mit immer mehr Futtermittelimporten (was zu Brandrodungen in Südamerika führt), mit teilweise extrem intensivierter Produktion (quälerische Massentierhaltung, Überdüngung und dadurch Verseuchung des Grundwassers ...) und Verschleuderung von hier produzierten "Lebensmitteln" nach Afrika, China oder Russland ist pervers.

Raimund Kamm

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02.02.2020

>> Besser wäre es, wir produzierten etwas weniger aber dafür bessere Lebensmittel. Diese dürfen dann auch etwas mehr kosten und werden dann hoffentlich auch in geringeren Mengen weggeworfen.

Mit den gesparten Steuergeldern können wir die Bedürftigen in unserer Gesellschaft besser unterstützen. <<

Steuergelder als Extra-Sozialleistung für Bio Fleisch sind nicht der richtige Weg.

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02.02.2020

Herr Habeck ist ein abgehobener grüner Politiker, der die Realität vor Augen verloren hat. Vielleicht soll er zuerst offen legen wie viel Geld er als Abgeordneter und noch dazu Parteivorsitzender bekommt.
Die Tafeln beklagen über steigende Zahlen von Bedürftigen und die großkotzigen Abgeordneten reden nur über billig oder weggeworfene Lebensmitteln. Die einzige Lösung für die Herrschaften ist Steuererhöhung.
Nicht jede Familie oder Rentner mit einem Einkommen von 1000€ in Monat kann sich was gutes (Bio) Leisten. Armes Deutschland.

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02.02.2020

Schön wenn sich Grüne und deren Wähler Bio Fleisch zu hohen Preisen leisten können, Hartz 4 Empfänger und Niedriglöhner können es nicht...

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02.02.2020

Ein wenig bei der Wahrheit sollten Sie schon bleiben, wenn Sie jemand so angreifen.
1. Robert Habeck ist kein Abgeordneter.
2. Er hat somit auch keine besonderen Nebeneinkünfte wie viele BT-Abgeordnete und Lobbyisten gerade der sehr wirtschaftsnahen Parteien CDU/CSU/FDP
Siehe: https://www.abgeordnetenwatch.de/blog/nebeneinkunfte-2018
3. Die deutsche ges. Rente ist im europäischen Vergleich miserabel, da haben Sie recht.
4. Die Partei Habecks tritt für eine Bürgerversicherung für alle ein. Alle Bürgerinnen und Bürger werden unter Berücksichtigung aller Einkunftsarten in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen. CDU/CSU/FDP fürchten diese vernünftige Reform wie der Teufel das Weihwasser.

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02.02.2020

Herr Habeck fordert unter anderem, dass der Verkauf von Lebensmitteln unter des Erzeugerpreises verboten werden sollte und was ist daran nun verwerflich? Vielleicht sollten die Menschen in Deutschland auch einfach mal wieder lernen, wie man sich gut und gesund ernährt? Man muss nicht täglich Unmengen von Fleisch konsumieren. Wenn ich im Supermarkt einkaufe, sehe ich viele Menschen die bergeweise das Billigfleisch einkaufen. Da ist keinerlei Wertschätzung mehr erkennbar. Sicherlich gibt es auch Menschen, die sich wenig leisten können. Es gibt aber auch sehr viele Menschen, die Billigware in Massen konsumieren und das muss endlich aufhören. Für unsere Bauern, aber auch für die Tiere in den Massehaltungsbetrieben. Wir haben früher einmal in der Woche Fleisch gegessen und das hat uns auch nicht geschadet!

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02.02.2020

Kann es sein, dass es Ihnen nicht um die viel zu billigen Lebensmittel mit unsäglichen Tierwohl geht, sondern alleine um Herrn Habeck?
Tafeln kaufen nun mal kein Fleisch. Außerdem ist es unmoralisch, Bedürftigen die billigsten Lebensmittel oder Reste, die andere nicht mehr essen wollen zu überreichen. Für bessere Möglichkeiten, Bedürftige zu unterstützen streiten sich Politiker seit Jahren. Es liegt alleine an der Politik den Lebensmittel-Überschuss und damit die Dumping Preise zu unterbinden. Gerade dafür macht Herr Habeck sinnvolle Vorschläge.

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