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US-Wahl 2020

31.10.2020

Ex-SPD-Chef Gabriel erwartet generell schwierigeres Verhältnis zu USA

Ex-SPD-Chef Gabriel appelliert an den Zusammenhalt innerhalb der Europäischen Union.
Bild: Britta Pedersen, dpa

Exklusiv Sigmar Gabriel sieht für einen Wahlsieg Bidens gute Chancen, mahnt jedoch: "Amerika wird weniger europäisch – egal, wer der nächste Präsident ist."

Der frühere Bundesaußenminister und Vorsitzende der Atlanik-Brücke, Sigmar Gabriel, erwartet unabhängig vom Ausgang der US-Präsidentschaftswahl ein gemerell schwieriges Verhältnis zwischen Europa und den vereinigten Staaten. „Das deutsch-amerikanische Verhältnis ist auf einem Tiefpunkt angekommen“, sagte der Ex-SPD-Chef im Gespräch mit unserer Redaktion.

„Ich habe den Verdacht, dass wir glauben, wenn der nächste US-Präsident Joe Biden heißt, kämen die guten alten Zeiten zurück“, erklärte Gabriel. „Das wird nicht der Fall sein. Amerika wird pazifischer und weniger europäisch – egal, wer der nächste Präsident ist.“ Diese Entwicklung habe nicht erst mit Donald Trump begonnen, sondern bereits unter Barack Obama.

Gabriel warnt vor "Lücke in der internationalen Politik" durch Fokus auf US-Wahl

Der frühere Außenminister hält das Rennen bei der Wahl am 3. November für offen. „Allerdings hat Trump es mit wesentlich schwierigeren Bedingungen zu tun als vor vier Jahren – das hat viel mit seinem Versagen in der Corona-Politik und der aktuellen Wirtschaftskrise zu tun“, sagte Gabriel. „Deshalb glaube ich, dass die Chancen für Joe Biden relativ gut sind.“ Gefährlich wäre, wenn am Wahlabend Trump vorne läge und die mehr als 30 Millionen Briefwähler danach Biden zum Gewinner machten. „Das könnte eine schwere Krise auslösen, wenn der amerikanische Präsident die Gültigkeit der Briefwahl anzweifelt“, sagte Gabriel.

„Wenn so eine Krise kleinere Länder trifft, ist das schon tragisch. Aber wenn die einzige wirkliche Supermacht über Wochen nur mit sich selbst beschäftigt ist, hinterlässt das eine Lücke in der internationalen Politik, in die andere hineinstoßen werden“, warnte der SPD-Politiker.

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Ex-Außenminister kritisiert Zerstrittenheit innerhalb der EU

„Donald Trump ist der erste Präsident der Vereinigten Staaten, der Allianzen und Partnerschaften verachtet“, betonte Gabriel. „Das ist eigentlich erstaunlich, denn der große geopolitische Unterschied zu Russland und China ist, dass es nur die USA geschafft haben, nach 1945 Allianzen und Partnerschaften zu bilden.“ Weder Moskau noch Peking hätten Alliierte, höchstens Abhängige. „Das war der eigentliche Multiplikator amerikanischer Macht. Und ausgerechnet ein Präsident, der erklärt, er wolle Amerika wieder stark machen, zerstört diese Fähigkeit“, kritisierte der frühere Außenminister. „Er missachtet Alliierte und Partner.“

Unabhängig davon müssten die Europäer selber ihre Probleme lösen, sagte Gabriel. “Viele europäische Probleme – die Zerstrittenheit in der Finanz- und Wirtschaftskrise, die Auseinandersetzungen über Rechtsstaatlichkeit, die Antwort auf die Frage, was die Europäische Union eigentlich sein soll – sind hausgemacht. Die liegen nicht daran, dass die USA diesen oder jenen Präsidenten haben.“

Lesen Sie hier auch das Interview mit Sigmar Gabriel.

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