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Gewalt gegen Frauen

25.11.2019

Frauen werden immer öfter Opfer von häuslicher Gewalt

Häufig erleiden Frauen die Gewalt im eigenen Zuhause.
Foto: Maurizio Gambarini, dpa (Symbolbild)

Frauen werden häufig vom eigenen Mann oder dem Ex-Partner angegriffen. In Frauenhäusern gibt es viel zu wenige Plätze für Betroffene – auch in Bayern.

Rein rechnerisch ereignet sich folgender Fall jede Stunde mindestens einmal: Eine Frau wird verletzt. Schwer sogar. Mutwillig. Und der Täter ist dabei kein Fremder, es ist ihr Ehemann, ihr Partner oder Ex-Freund. 140.000 Fälle von häuslicher Gewalt zählt die am Montag veröffentlichte Statistik des Bundeskriminalamts zur „Partnerschaftsgewalt“ allein für das vergangene Jahr. Und das sind nur die Fälle, die Frauen zur Anzeige gebracht haben. Die Dunkelziffer ist kaum zu schätzen.

Was die Statistik zur häuslichen Gewalt erfasst: Vergewaltigung und Nötigung, Bedrohung, Freiheitsberaubung und Zwangsprostitution, Totschlag, Mord. 122 Frauen wurden 2018 von Ex-Partnern, Lebensgefährten, oder ihren Ehemännern getötet. Das sind 25 Fälle weniger als ein Jahr zuvor – doch die Gesamtzahl der Gewaltdelikte ist seit 2013 gestiegen. 15.000 Fälle mehr als noch vor fünf Jahren stehen in der Bilanz, die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey vorstellte.

Franziska Giffey präsentiert anlässlich des Internationaler Tages gegen Gewalt an Frauen die Kriminalstatistik 2018 zur Partnerschaftsgewalt.
Foto: Bernd von Jutrczenka, dpa

Ministerin Giffey will Rechtsanspruch auf Hilfe für betroffene Frauen

Jedes Jahr erscheinen diese Zahlen am „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“. Die Ministerin nahm das zum Anlass, um Gegenmaßnahmen zu verkünden: 120 Millionen Euro will die Bundesregierung in den kommenden vier Jahren in den Schutz von Frauen investieren. Betroffene sollen nach den Vorstellungen der SPD-Politikerin zudem künftig einen Rechtsanspruch auf einen Platz im Frauenhaus erhalten. Das dürfte eine große Herausforderung werden, ein Blick nach Bayern verrät: Eine solche Garantie kann es im Moment nicht geben. Schon seit Jahren herrscht ein akuter Mangel an Plätzen für Frauen, die nicht wissen, wohin sie sich wenden sollen, wenn sie vom eigenen Partner geschlagen werden.

Das Frauenhaus in Augsburg berichtet auf Nachfrage unserer Redaktion, dass etwa 100 Opfer im Jahr aus Kapazitätsgründen abgewiesen werden müssen. Auch deshalb hat Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer 2018 einen Drei-Stufen-Plan initiiert. Eine Landeskoordinierungsstelle, die Anfang Oktober ihre Arbeit aufnahm, soll die Hilfsangebote vernetzen. Antje Krüger, die Leiterin der Behörde, sieht darin einen wichtigen Schritt. Allerdings betont sie, dass dies nur der Anfang sein könne. Hilfe für Frauen und Mädchen bei häuslicher Gewalt sei noch immer eine Aufgabe, die in der Politik zu oft hintansteht. „Spürbar wird das vor allem, wenn es um die Verteilung finanzieller Mittel auf kommunaler Ebene geht“, sagt Krüger. „Es gibt immer noch Regionen, in denen Kommunalpolitiker sagen: Dieses Probleme haben wir hier auf dem Land gar nicht.“

In Frauenhäusern fehlen die freien Plätze

Im Moment gebe es nicht genügend Plätze, räumte auch Giffey ein. „Da müssen alle ran, damit wir einen Rechtsanspruch tatsächlich auch perspektivisch schaffen können.“ Unter dem Titel „Stärker als Gewalt“ haben sich in einer bundesweiten Initiative Organisationen zusammengeschlossen, die Betroffenen helfen. „Es wird konkret in den Platzausbau gehen, das heißt Erweiterung von Frauenhäusern, Schaffung neuer Plätze“, sagte Giffey.

Bundesweit gibt es etwa 350 Frauenhäuser als Zufluchtsorte für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen. In Bayern sind es derzeit 38 staatlich geförderte Einrichtungen mit knapp 350 Plätzen für Frauen und mehr als 400 für Kinder.

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