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Umwelt

02.03.2019

Greta rockt Hamburg

Greta in Hamburg: Die 16-jährige Schwedin hat mit ihrem persönlichen kleinen „Schulstreik für das Klima“ eine weltweite Bewegung losgetreten.
Bild: Bockwoldt, dpa

Liebesgrüße aus der Hafenstadt: Die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg kommt erstmals nach Deutschland, um mit tausenden Schülern für den Klimaschutz zu demonstrieren. Und erhält den längsten Liebesbrief der Welt

Sogar ihr berühmtes Schild mit der Aufschrift „Skolstrejk för Klimatet“ – Schulstreik fürs Klima – hat Greta Thunberg an diesem Morgen mitgebracht. Auch ihre wollweiße Pudelmütze darf nicht fehlen, sind die Temperaturen in Hamburg doch ziemlich frisch zum Frühlingsanfang. Die junge schwedische Aktivistin, die mit ihren Auftritten bei der Klimakonferenz in Kattowitz und beim Weltwirtschaftsforum in Davos für Furore gesorgt hatte, ist in die Hansestadt gekommen, um die Schüler bei ihrem wöchentlichen Schulstreik fürs Klima zu unterstützen. Und Tausende sind gekommen – auch, um ihr 16-jähriges Idol einmal aus der Nähe zu sehen.

„Es ist beeindruckend, was sie alleine geschafft hat“, sagt die 13-jährige Janne Pusch vom Wilhelm-Gymnasium in Hamburg. „Und dass sie keine Angst hat, ihre Meinung zu sagen.“ Mit sieben Mitschülerinnen ist sie zum Gänsemarkt gekommen, die Jungs seien lieber zur Schule gegangen. „Dabei haben wir einen ganz coolen Klassenlehrer, der gesagt hat, es ist in Ordnung, wenn wir zur Demo gehen.“ Auch Ines Kramer vom Goethe-Gymnasium findet es wichtig, dass endlich Maßnahmen gegen den Klimawandel getroffen werden, „damit sich etwas ändert“. „Ich möchte, dass endlich die Abkommen von Kyoto und Paris eingehalten werden“, sagt die 17-Jährige.

Auf Plakaten und Transparenten fordern die Schüler: „Das Klima wartet nicht“ und „Make earth cool again!“. Der Demonstrationszug führt durch die Hamburger Innenstadt bis zum Rathaus. Dort hält Thunberg, die Ferien hat und schon an Demonstrationen in Brüssel, Paris und Antwerpen teilgenommen hat, eine kurze Rede. „Und ja, wir sind wütend“, sagt die 16-Jährige, die mit „Greta, Greta“-Rufen begrüßt wird. „Wir sind wütend, weil die älteren Generationen unsere Zukunft stehlen. Und sie tun es weiter. Aber wir werden es nicht zulassen, dass sie es weiter tun.“

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Seit August 2018 demonstriert die 16-Jährige jeden Freitag vor dem Reichstag in Stockholm für den Klimaschutz. So lange, bis Schweden sich an das Pariser Klimaabkommen hält. Mittlerweile demonstrieren Schüler und Studenten in aller Welt nach ihrem Vorbild unter dem Motto „Fridays For Future“ für mehr Klimaschutz, darunter jeden Freitag Tausende in Deutschland. In München waren es am Freitag nach Angaben der Polizei 300 Demonstranten. Jan-Ole von „Fridays For Future“ aus Pinneberg sagt auf dem Podium: „Wir sind nicht irgendeine Bewegung. Wir sind der letzte Hilfeschrei einer ganzen Generation!“ Und Luisa fordert: „Der Kohleausstieg 2038 reicht nicht. Wir brauchen 2030. Wir haben noch zwölf Jahre, um die Welt zu retten.“ Unterstützung bekommen die jungen Leute vom renommierten Kieler Klimaforscher Mojib Latif: „Die Pole schmelzen, die Meeresspiegel steigen.“ Obwohl die CO2-Werte seit Jahren immer weiter steigen, passiere nichts. „Wenn der Druck von unten nicht kommt, wird oben auch nichts passieren“, sagt der Klima-Experte. Die Hamburger Schüler Lilli, 17, und Gustav, 16, übergeben ihrem Vorbild einen langen Liebesbrief. Die beiden hatten eine Online-Petition gestartet und zu sogenannten „Lovespeeches“ – Liebesbekundungen – aufgerufen, da Greta Thunberg von vielen Menschen im Internet angefeindet wird.

„Wir lieben Greta für das, was sie tut, für ihren Mut, Dinge zu sagen, die viele Erwachsene nicht wahrhaben wollen, für ihr Durchhaltevermögen und dafür, dass sie uns eine Stimme gibt“, sagt Lilli. Bisher haben mehr als 72000 Menschen die Online-Petition auf change.org unterzeichnet.

Sonja Brinschwitz, die auch mitdemonstriert, schämt sich für ihre Generation, die so verantwortungslos mit den Lebensgrundlagen umgehe. „Ich finde es wahnsinnig gut, dass die jungen Leute auf die Straße gehen“, sagt die 56-Jährige, die früher gegen Atomkraftwerke demonstriert hat und sich an ihre Jugend erinnert fühlt. Hans Brünning, 65, der ein Schild mit der Aufschrift „Enkeltauglich muss die Zukunft sein“ hochhält, sagt: „Klimawandel ist keine Meinung. Wenn sich jetzt nichts ändert, ist es für unsere Enkel zu spät. Wenn die erwachsen sind, ist es gelaufen.“ Carola Große-Wilde und Carlotta Sauer, dpa

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