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Hintergrund
24.11.2016

Manfred Weber, die stille Reserve der CSU

Manfred Weber könnte nächster EU-Parlamentspräsident werden.
Foto: Michael Kappeler (dpa)

Manfred Weber ist kein Lautsprecher. Trotzdem dürfte der Europa-Politiker schon bald noch mächtiger werden. Wäre er auch ein Mann für die Zeit nach Horst Seehofer?

Manfred Weber macht es so, wie er es immer macht: Er nimmt sich selbst nicht so wichtig. Dabei scheint die Sache auf den ersten Blick doch völlig klar zu sein: Wer, wenn nicht er, soll nächster EU-Parlamentspräsident werden? Doch der 44-Jährige ist keiner, der die Offensive sucht. Obwohl Weber als großer Favorit auf die Nachfolge von Martin Schulz gilt, will das in seinem Umfeld niemand bestätigen – und er selbst schon gar nicht. Für diese demonstrative Zurückhaltung gibt es gleich mehrere Gründe.

Weber ist als Chef der konservativen EVP-Fraktion so gut vernetzt wie kaum ein anderer in Brüssel. Ein Mann, der zuhören kann. Deshalb hat er auch ein ziemlich gutes Gespür für die Befindlichkeiten und Stimmungen unter den Abgeordneten. Und so kennt er natürlich auch das Argument, das die Kollegen zumindest hinter vorgehaltener Hand am häufigsten gegen ihn vorbringen: Mit Weber würde – schon wieder – ein Deutscher an der Spitze des Parlaments stehen. Umso wichtiger wird es nun sein, dass er nicht dominant seinen eigenen Machtanspruch anmeldet. Andererseits: Ein Gegenkandidat aus den eigenen Reihen, der es in Sachen Einfluss und Bekanntheit mit dem bodenständigen Niederbayern aufnehmen könnte, ist nicht in Sicht.

Kein Rückfahrticket für Manfred Weber nach München?

Insider sind sicher: Wenn der weit über die Grenzen seiner eigenen Fraktion hinaus geschätzte Weber das Amt wirklich will, wird er es auch bekommen. Und nicht nur das: Als Parlamentspräsident wäre er auch in der besten Ausgangslage, um nach der nächsten Europa-Wahl als erster Deutscher sogar Chef der mächtigen EU-Kommission zu werden. Doch es gibt noch einen zweiten Grund, warum Weber trotz allem zögert. Wenn es gut läuft, kann der Posten des Parlamentspräsidenten, wie im Fall von Martin Schulz, zum Sprungbrett für die eigene Karriere in der Heimat werden. Es könnte aber auch passieren, dass Weber damit für alle Zeiten auf das Brüsseler Gleis abbiegt – ohne Rückfahrticket nach München. Dort, wo er einst im Landtag saß, sieht ihn mancher als stille Personalreserve der CSU.

Aktuell spielt der stellvertretende Parteichef in der Diskussion um die Nachfolge von Horst Seehofer allenfalls eine Nebenrolle. Sein Name fällt zwar immer wieder, doch die Favoriten heißen anders. Das mag auch daran liegen, dass er selbst zu den wenigen verbliebenen Merkel-Verstehern in der CSU gehört, eine radikale Abgrenzung von Positionen der AfD fordert und keine Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen fordert. An Markus Söder und Joachim Herrmann kommt er so kaum vorbei – jedenfalls nicht zum jetzigen Zeitpunkt.

So spricht einiges dafür, dass Weber in den kommenden Wochen viele Gespräche hinter verschlossenen Brüsseler Türen führen wird, bis sich der beste Kandidat für die Schulz-Nachfolge herauskristallisiert hat: nämlich er selbst. Eine Hintertür für die Rückkehr nach Bayern bliebe trotzdem noch offen – allerdings eher für den Fall, den sich ein CSU-Politiker kaum wünschen kann: Hat seine Partei bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr und bei der Landtagswahl ein Jahr später Erfolg, wird wohl kaum noch jemand nach dem Mann aus Brüssel rufen. Sollte die CSU ihre Ziele allerdings verfehlen, könnte doch noch die Stunde des Manfred Weber in München schlagen. Er ist jung genug, um auf seine Chance zu warten. Aber das würde der leise Gegenentwurf zu Markus Söder natürlich niemals laut sagen.

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