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Neue Studie

07.11.2018

Immer mehr Deutsche lehnen Ausländer und Minderheiten ab

Immer mehr Menschen in Deutschland sind bereit oder haben sogar den Wunsch, sich gegenüber Minderheiten abzugrenzen.
Bild: Oliver Killig, dpa

Einer neuen Gesellschaftsstudie zufolge ist Fremdenfeindlichkeit in Deutschland auf dem Vormarsch. Welche Volksgruppen besondere Abneigung erfahren.

Eine wachsende Zahl von Deutschen teilt ausländerfeindliche und rassistische Ansichten. Zu diesem Schluss kommen die Autoren der diesjährigen Autoritarismusstudie der Universität Leipzig, die am Mittwoch in Berlin veröffentlicht wurde. Demnach schlägt vor allem Muslimen sowie Sinti und Roma zunehmend Ablehnung entgegen. Besonders ausgeprägt sind diese menschenfeindlichen Haltungen demnach in den östlichen Bundesländern. Grünen-Politiker mahnten angesichts der Zahlen zum Handeln.

Studie: Immer mehr Deutsche haben Vorbehalte gegen Minderheiten

Die von der Otto-Brenner-Stiftung und der Heinrich-Böll-Stiftung unterstützte Studie bemisst die Ausländerfeindlichkeit an der Zustimmung der Befragten zu einzelnen Aussagen. So stimmt jeder dritte Deutsche der Aussage zu, dass Ausländer den deutschen Sozialstaat ausnutzen oder die Bundesrepublik überfremden. Mehr als ein Drittel der Studienteilnehmer hält Deutschland "in einem gefährlichen Maß für überfremdet", im Osten sogar fast die Hälfte.

"Erschreckend hoch ist die Abwertung von Muslimen angestiegen", erklärte der Medizinsoziologe Elmar Brähler. 56 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, sie fühlten sich "wegen der vielen Muslime hier wie ein Fremder im eigenen Land". 2014, vor der Ankunft zahlreicher Geflüchteter, hatte dieser Wert noch bei 43 Prozent gelegen.

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Ebenfalls stark ausgeprägt ist der Antiziganismus, also die Ablehnung von Sinti und Roma. 60 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, Sinti und Roma neigten zu Kriminalität, im Osten sogar 70 Prozent. Die Studie bestätige die Warnungen des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, wonach "die jahrhundertealten Klischees des Antiziganismus virulent in der Mitte der Gesellschaft präsent sind", erklärte Zentralratspräsident Romani Rose.

"Die Ausländerfeindlichkeit ist im gesamten Land immer stärker verbreitet - das zeigt unsere aktuelle Befragung ganz deutlich", erklärte Studienleiter Oliver Decker. Seit der letzten Erhebung im Jahr 2016 stieg den Autoren zufolge die sogenannte geschlossene manifeste Ausländerfeindlichkeit. Gemeint sind Befragte, die konsequent allen Aussagen zustimmen. Deren Anteil wuchs in Ostdeutschland von rund 23 auf 31 Prozent.

Diese Ursachen für Ausländerfeindlichkeit nennt die Studie

Auch antisemitische Einstellungen stagnieren auf hohem Niveau: Jeder Zehnte stimmte abwertenden Aussagen über Juden zu. Bei einzelnen antisemitischen Aussagen war es bis zu ein Drittel der Befragten, die zumindest teilweise zustimmten. Ganz oder teilweise stimmten im Osten mehr als 21 Prozent der Aussage zu, der Nationalsozialismus habe auch seine guten Seiten gehabt.

"Den Wunsch, Andersdenkende auszugrenzen, teilen zwei Drittel der Deutschen", erklärte Decker. Er und seine Kollegen gehen davon aus, dass eine autoritäre Persönlichkeit rechtsextreme Einstellungen befördert. Demnach haben rund 40 Prozent der Deutschen autoritäre Charaktermerkmale.

Die Autoren stellen fest, dass Deutsche mit rassistischen, chauvinistischen und demokratiefeindlichen Ansichten in der AfD eine politische Heimat gefunden hätten, was nicht heiße, das jedes AfD-Mitglied rechtsextrem sei.

Der Grünen-Fraktionschef im Bundestag, Anton Hofreiter, nannte die Studie einen "Weckruf". "Die Verrohung der öffentlichen Debatte, wie wir sie in den letzten Monaten beobachten mussten, befeuert Rassismus und Ausländerfeindlichkeit", erklärte er. Monika Lazar, Rechtsextremismusexpertin der Grünen, nannte die Ergebnisse "erschütternd". Sie forderte "eine eindeutige und offensive Distanzierung von rechtspopulistischen Diskursen, vor allem auch innerhalb der Koalition". (afp)

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09.11.2018

@  MARIA T.

https://www.gruene-bundestag.de/integration-fluechtlingspolitik/deutschland-braucht-ein-einwanderungsgesetz-04-04-2017.html

Absolut vernünftig. Suchen Sie sich doch mal außer dem "Bayernkurier" eine ander Info-Quelle.

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08.11.2018

@ ANITA MÜLLER

"Ich pauschalisiere ständig?"

Nicht Sie waren da gemeint, sondern Ihr "Schützling"
MARIA T., die SPD, Grüne und Linke nicht unterscheiden kann. "Sie" schrieb ich nur versehentlich groß.

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08.11.2018

Nun - vielleicht kann sich der Eine oder Andere ja noch erinnern (und will es überhaupt?) , daß vor bis ca. 10 Jahren SPD, Grüne und Linke sich ja selbst der damaligen -heute selbstverständlichen- Forderung - "Einwander müssen Deutsch sprechen,sich die deutsche Sprache aneignen,um hier leben zu können" entgegengestellt und dies als "tumpe rechte Forderung" abgetan haben .

Ich vermute , in weiteren 10 Jahren werden die von mir unten formulierten gesellscahftlichen Selbstverständlichkeiten
dann wohl ebenso auch bei den obigen Parteien angekommen sein .
Manche brauchen eben länger !

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09.11.2018

Sehen Sie mal nach, was die rechten Spezis vor 10 Jahren zur Wehrpflicht, zur Kernenergie, zur Homoehe und gerade die CSU zur Rolle der Frau so vom Stapel ließen. Ja, manche brauchen eben länger! Sie offensichtlich auch. Ersparen Sie den Lesern die uralten Hüte und halten Sie's ein wenig mit dem alten Fritz: "Jeder soll nach seiner Façon selig werden!".
Was die Einhaltung "gesellschaftlicher Selbstverständlichkeiten" durch Migranten betrifft, an denen Ihnen so viel liegt: Ich kenne ein paar, die schon den Müll trennen. Und mit dem Alkoholkonsum, ja sogar beim Mitsaufen und -grölen auf dem Oktoberfest klappt es schon ganz gut. Bis sie auch bei der Fronleichnamsprozession mitlaufen, könnte es noch ein wenig dauern.

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08.11.2018

@ ANITA MÜLLER

"Desweiteren weigert sich unsere linke Ecke , anzuerkennen , daß sich der Einwanderer an die Gesetze , aber auch an die gesellschaftlichen Gebräuche seines Ziellandes (hier also Deutschland) halten muß"

Das z. B. ist Gesetze betreffend definitiv falsch, dummes Zeug und diffamierend. Außerdem pauschaliert Sie ständig. Wer sich in diesem unserem Lande nicht an die Gesetze hält, steht - in nicht allen - aber vielen Fällen von Mord und brutaler Gewalt auf der ganz rechten Seite.
Ein vernünftiges Einwanderungsgesetz wurde viele Jahre bis in die jüngste Zeit von den sog. C-Parteien verhindert. Ob darin den Einwanderern nach dem GG die Teilnahme an den "gesellschaftlichen Gebräuchen" des Ziellandes vorgeschrieben werden kann, ist zu bezweifeln.

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08.11.2018

Ich pauschalisiere ständig? Weil ich nicht pauschal die Einwanderungspraxis in diesem Land gut finde? Und dass viele Fälle von Gewaltstraftaten Rechts angesiedelt sind, haben Sie wo gelesen? Ich denke, man sollte durchaus vorschreiben können, dass Menschen, die hier in Deutschland leben wollen, sich die deutsche Sprache aneignen und sehr wohl unsere freiheitlichen Regeln akzeptieren und danach leben müssen.

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08.11.2018

Ihre Beahutpung ist schlicht falsch !
Nicht v die Union hat ein Einwaderungsgesetz blockiert sondern unsere Links-Parteien wollen bis heute ein Einwanderungsgesetz , welches eben keine an wirtschaftliche wie gesellschaftliche Auswahlkriterien festlegt , sondern ein "Pauschal-Recht auf generelle Einwanderung" .

Das aber wären eben jene "offenen Grenzen" für Alle !

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08.11.2018

>> "Erschreckend hoch ist die Abwertung von Muslimen angestiegen", erklärte der Medizinsoziologe Elmar Brähler. <<

Könnte der Herr Mediensoziologe mal eine Blick nach Pakistan werfen?

Wo ist das Land mit islamischer Bevölkerungsmehrheit in dem Demokratie, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und Gleichberechtigung der Geschlechter vorzufinden sind?

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07.11.2018

Zunächst : Deutschland braucht eine gesteuerte und mit unserer Kultur und Gesellschaft verträgliche (!) Einwanderung nach der Maßgabe eines Einwanderungsgesetzes !

Genau hier aber liegt das Problem ! Unsere linke Ecke (SPD,Grüne,Linke) lehnt ein Einwanderungsgesetz , das eben eine gewisse Orientierung am Nutzen , den ein Einwanderer für das Land erbringt , permanent ab und arbeitet am Projekt der "Offenen Grenzen" .

Desweiteren weigert sich unsere linke Ecke , anzuerkennen , daß sich der Einwanderer an die Gesetze , aber auch an die gesellschaftlichen Gebräuche seines Ziellandes (hier also Deutschland) halten muß : das Festhalten vieler Muslime an ihre teils noch im Mittelalter verhafteten Gebräuche wie Kopftuch, Hidschab oder gar Burka , Schächten , Vorstellungen der Rolle von Mann und Frau ,mittelalterliches Ehrverhalten (in der Familie) muß von den Einwanderern nachweisbar abgelegt werden .
Es zählt die deutsche Leitkultur !

In manchen Stadtvierteln in Berlin,Hamburg,Köln,München,.... fühlt man sich tatsächlich nicht mehr in Deutschland , sondern glaubt, im Iran,Jemen,etc zu sein .

Leider weigert sich derzeit die gesamte Politik -auch die Union unter dem Druck der linken Ecke des Landes- diese Dinge in ein Einwanderungsgesetz zu schreiben .

Verweigern sich die etablierten Parteien hier , befördert das nur weiter die AfD und begründet einen weiteren Anstieg der im Artikel zitierten Forschungsergebnisse .

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08.11.2018

"Es zählt die deutsche Leitkultur !"

Wenn es denn so etwas gibt - bisher nicht dokumentiert - hat es laut CSU seine Wurzeln in der jüdisch-christlichen abendländischen Kultur.
Und dann verfasst eine Frau, deren schöner Vorname auf ein armes, demnächst wieder hoch verehrtes jüdisches Kopftuchmädchen mit Migrationshintergrund zurückgeht ein derart fremdenfeindliches unsinniges Pamphlet voller Unwahrheiten.
Wünsche Ihnen frohe Weihnachten - lassen Sie sich mal ein Grundgesetz unter den Christbaum legen . . .

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08.11.2018

Herr Georg, wo schreibt sie denn Unwahrheiten? Vielleicht sollten Sie mal Ihre rosarote Brille abnehmen. Ansonsten bleibt mal wieder festzustellen, dass bei dieser Statistik, wie so oft, Ursache und Wirkung nicht beachtet werden.

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07.11.2018

Deutschland braucht unbedingt Einwanderer.
Doch müssen es denn Muslime sein, die kulturell solch markante Divergenzen aufweisen?

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08.11.2018

Erklären sie doch mal, warum Deutschland Einwanderer braucht, Deutschland ist doch schon überbevölkert und das die derzeitigen Migranten mal die Renten zahlen ist ein Märchen, das die Politiker auftischen.

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07.11.2018

Ich bin gegen die Masseneinwanderung aus dem Nahen Osten und aus Afrika!

Joachim Datko - Ingenieur, Physiker

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