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Abu Dhabi

12.06.2019

Ist Kronprinz Mohamed bin Said Vermittler oder Frankenstein?

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Scheich Mohamed bin Said Al Nahjan, Kronprinz von Abu Dhabi und stellvertretender Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Vereinigten Arabischen Emirate, trafen sich im Schloss Bellevue zu einem Gespräch.
Bild: Bernd von Jutrczenka, dpa

Wenige Männer bestimmen die Weltpolitik so sehr wie Abu Dhabis Herrscher Mohamed bin Said. Nach außen tolerant, mischt er in unzähligen Konflikten mit.

Kanzlerin Angela Merkel erwartet an diesem Mittwoch einen der derzeit mächtigsten Männer der Welt zum Abendessen im Kanzleramt: Abu Dhabis Kronprinz Mohamed bin Said. Der Scheich ist ein Meister darin, im Hintergrund Einfluss auf das Weltgeschehen auszuüben, ohne dabei groß die Weltöffentlichkeit zu suchen. Es gibt nur wenige Konflikte, in denen der 58-jährige Herrscher nicht seine Finger im Spiel hat.

Bin Saids Familie gehört zu den reichsten der Welt

Es passt zu ihm, dass er in seinem Reich, den Vereinigten Arabischen Emiraten offiziell nur den Kronprinzentitel trägt. Der eigentliche Präsident, sein Bruder Khalifa bin Said, hatte ihm nach einem Schlaganfall vor fünf Jahren faktisch die Amtsgeschäfte übergeben. Die Scheichs der Familie werden zu den reichsten Menschen der Welt gezählt. Nach außen pflegen die Vereinigten Emirate als Föderation aus sieben Fürstentümern mit ihren Touristen-Hochburgen Abu Dhabi und Dubai ein liberales Image – als große Ausnahme in der Krisenregion rund um den Persischen Golf. Der Kronprinz hat 2019 sogar zum „Jahr der Toleranz“ ausgerufen.

Doch der westlich geprägte Scheich ist dabei ein Mann mit zwei Gesichtern: Modern im Politikstil, besteht ein Drittel seines Kabinetts aus Frauen. Anders als in den Nachbarländern wird die Freiheit von Christen, Hindus und Sikhs verteidigt, Gotteshäuser bauen zu dürfen. Bin Said lobt die Emirate als einzigen aller arabischen Staaten mit einer funktionierenden liberalen Wirtschaftsordnung und einer stabilen Regierung. Auf der anderen Seite lässt der Prinz Demokratie-Befürworter verhaften und sein Land zu einer militärischen Schreckensmacht ausbauen.

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Vereinigte Arabische Emirate rüsten auf

Seit die Emirate im ersten Golfkrieg die USA unterstützen, rüsteten die Amerikaner das kleine Land hoch und zeigten sich erfreut über Rüstungsexporte: Die Emirate kauften zigfach F-16-Kampfjets, Apache-Kampfhubschrauber, modernste Waffen- und Spionagetechnik. Dazu eine halbe Armee an US-Militärberatern: Dazu zählt auch Donald Trumps zeitweiser Verteidigungsminister James Mattis, der die Emirate als „Klein-Sparta“ lobt. Weniger euphorisch äußert sich die ehemalige Außenministeriumsbeamtin Tamara Cofman Wittes in der New York Times: „Wir haben einen kleinen Frankenstein geschaffen.“

War der Scheich lange mit seinem Militär im Irak, Kosovo, Somalia oder Afghanistan an US-Seite unterwegs, verfolgt er längst seine eigene Politik gegen den „Arabischen Frühling“: In Ägypten unterstützte er das Militär beim Sturz der Demokratie, in Libyen soll seine Luftwaffe dem Rebellen-General Khalifa Haftar helfen, in Jemen lässt er gegen Rebellen bomben. Sein Hauptfeind ist aber der Iran: Schon vor den US-Wahlen knüpfte bin Said einen engen Draht zu Donald Trump, seine Leute gerieten sogar in die Russland-Ermittlungen. Nicht nur die New York Times wirft seitdem die Frage auf, ob nicht bin Said der eigentliche Kopf hinter Trumps Anti-Iran-Politik ist.

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