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Porträt

03.08.2020

Ist Linda Teuteberg nur noch Generalsekretärin auf Abruf?

Linda Teuteberg beim Politischen Aschermittwoch.
Bild: Lino Mirgeler, dpa

Linda Teuteberg sollte der FDP ein neues Gesicht geben. Ist sie an sich selbst gescheitert – oder sucht der Parteichef eine Schuldige für die schlechten Umfragewerte?

Frauen wie Linda Teuteberg hat die FDP nicht viele. Telegen, eloquent und von genau jenem Ehrgeiz angetrieben, den es in der Politik braucht, um etwas zu werden und etwas zu bewegen. Dass Parteichef Christian Lindner schnell auf die Rechtsanwältin aus Brandenburg kam, als die bisherige Generalsekretärin Nicola Beer sich ins Europaparlament verabschiedete, war jedenfalls keine große Überraschung. Linda Teuteberg, so schien es, erfüllte das Anforderungsprofil perfekt: ein neues Gesicht, ein neuer Ton – und aus den neuen Ländern obendrein. Trotzdem, betonte Lindner damals, sei die Entscheidung für sie weder eine Frage der Herkunft noch eine des Geschlechts. „Es ist eine Frage der Person.“

Gut ein Jahr später ist die anfängliche Begeisterung einer anhaltenden Skepsis gewichen und Linda Teutebergs Ablösung als Generalsekretärin offenbar nur noch eine Frage der Zeit. Sie verschaffe sich in politischen Debatten kein Gehör, sie schiebe Entscheidungen zu lange auf und verprelle mit ihrer perfektionistischen Art einen Mitarbeiter nach dem anderen: In der seit jeher zu Intrigen neigenden FDP sind solche gezielt lancierten Vorwürfe ein sicheres Indiz für eine personelle Veränderung. Danach traut Lindner der 39-Jährigen nicht zu, die Liberalen in einen womöglich überlebenswichtigen Bundestagswahlkampf zu führen.

Ausgerechnet in Teutebergs Heimat scheiterte die FDP

Ob sie selbst sich mit dem Amt übernommen hat oder Lindner nur eine Schuldige für die ruinös niedrigen Umfragewerte braucht – unklar. Im Bundestag jedenfalls hatte Linda Teuteberg sich nach der Wahl schnell einen Ruf als kluge, prinzipienfeste Innenpolitikerin erworben, die dem konservativen Flügel der Partei wieder eine Stimme gab, indem sie dafür warb, die Liste der sicheren Herkunftsstaaten auszuweiten und abgelehnte Asylbewerber in Gemeinschaftsunterkünften unterzubringen. Wo auch immer damals über die Migration debattiert wurde, tauchte eine zierliche, blonde Liberale auf, die die Dinge auf den Punkt brachte.

Trotzdem scheiterte die FDP kurz nach ihrer Wahl zur Generalsekretärin ausgerechnet in ihrer brandenburgischen Heimat an der Fünf-Prozent-Hürde.

Zu den Liberalen ist die Tochter einer Lehrerin und eines Ingenieurs, die heute mit ihrem Mann in Potsdam lebt, bereits als Schülerin gekommen. Mit 28 Jahren saß sie im Landtag, zog später in den Bundesvorstand der FDP ein, 2017 schließlich in den Bundestag. In einer Partei, die ihren Ruf als ewiger Männerverein nicht los wird, war Linda Teuteberg so etwas wie der für alle sichtbare Gegenbeweis. Eine Frau, die ankommt draußen, im Land. Bei Stefan Raabs Politshow „Die absolute Mehrheit“ jedenfalls holte die junge Liberale, die damals kaum jemand kannte, Anfang 2013 im Zuschauervotum ein zwar nicht repräsentatives, für liberale Verhältnisse aber gleichwohl beeindruckendes Ergebnis: 40 Prozent.

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